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Jeder fünfte Ami hält Obama für einen Muslim

Zur Einstimmung: Artikel in der „Washington Post“

Immer mehr US-Amerikaner sind der Ansicht, Präsident Barack Obama sei ein Muslim. Laut einer am Donnerstag vom Meinungsforschungsinstitut „Pew Research Center“ – das ist ein seriöses Institut – veröffentlichten Erhebung halten 18 Prozent der US-Amerikaner Obama für einen Muslim. Bei einer Umfrage im März 2009 hätten nur elf Prozent diese Auffassung vertreten.

Besonders Anhänger der Republikanischen Partei sind der Meinung, Obama sei Muslim. 31 Prozent der Republikaner und 29 Prozent der weißen Evangelikalen. Nur 34 Prozent der Befragten ordneten Obama korrekt als Christen ein, verglichen mit 48 Prozent im März 2009. 43 Prozent erklärten in der jüngsten Befragung, sie wüssten nicht, woran Obama glaube.

Die Umfrage zeigt, wie sehr auch in den USA der Begriff „Muslim“ von der eigentlich wertneutralen Bedeutung entfernt ist. „Muslim“ heißt in den Köpfen derer, die Obama einen „Muslim“ heißen, soviel wie „anders“ oder auch „kein Teil von uns“. Es verwundert nicht, dass vor allem evangelikale Kräfte und konservative Republikaner dieser Täuschung aufsitzen. Was heißt Täuschung? Dahinter steckt politisches Kalkül, Obama einen Schlag zu versetzen.

Schon als Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde, hieß es, dies sei eine Niederlage derjenigen Amerikaner, die bisher das Land führten. Eine Niederlage der Amerikaner, die bis dato Mainstream waren: weiße Männer vor allem. Das Erstarken neokonservativer Bewegungen wie der Tea-Party-Bewegung und anderer zeigt, dass sich genau diese Leute mit der Rolle des amerikanischen Auslaufmodells nicht begnügen wollen. Für sie ist Obama die personifizierte Andersartigkeit, die ihre eigenen Privilegien als Mitglied der weißen Mittelschicht gefährdet.

Der Islam oder das „Muslim-sein“ bewährt sich als besonderes Klischee, wenn man Leute in die Pfanne hauen will. Übrigens auch in Deutschland, das musste auch schon die niedersächsische Sozialministerin Özkan am eigenen Leib spüren.

Man sollte damit dringend aufhören, aus zwei Gründen:

(1) Die Menschen verlernen zu differenzieren. Probleme des politisierten Islams werden zusammengerührt mit Integrationsthemen, die nichts mit Religion zu tun haben.

(2) Zudem schafft man Solidarisierungseffekte, wenn man „Muslimisch sein“ zum Kampfbegriff auflädt. Wer also einen politisierten Islam kritisiert (was ich tue), wäre schlecht beraten, den wertneutralen Begriff „Muslim“ zum Kampfbegriff zu machen – und damit gleichfalls politisch aufzuladen. Da wird der Bock zum Gärtner…

M.B.

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