{"id":1175,"date":"2013-12-10T13:01:00","date_gmt":"2013-12-10T11:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1175"},"modified":"2013-12-10T13:01:00","modified_gmt":"2013-12-10T11:01:00","slug":"vergesst-franz-beckenbauer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1175","title":{"rendered":"Vergesst Franz Beckenbauer"},"content":{"rendered":"<p>Kommentar beim <a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2013\/12\/vergesst-franz-beckenbauer\/\">&#8222;Opinion Club&#8220;<\/a> (10.12.2013)<\/p>\n<p><i>Arabische Staaten wollen mehr anbieten als nur Gas und \u00d6l? Sie wollen kulturell und sportlich eine Marke werden? Sollen sie doch! Der Westen sollte allerdings mehr Druck auf die Regime aus\u00fcben, ihre feudalen Gesellschaften und Praktiken zu ver\u00e4ndern. Das beste Argument: Imageverbesserung <\/i><\/p>\n<p><i>Von Martin Benninghoff<\/i><\/p>\n<p>\u00a0Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Abnehmer deutscher R\u00fcstungsguter. Nun gut, den L\u00f6wenanteil machen solche Dinge wie Grenzsicherungsanlagen aus, die nicht unbedingt zur internen Repression genutzt werden k\u00f6nnen. Andererseits bleibt die Frage: Hat es die deutsche Wirtschaft n\u00f6tig, durch Auftr\u00e4ge an \u2013 gelinde gesagt \u2013 zweifelhafte Regierungen, ihre B\u00fccher zu f\u00fcllen? Nein. Vor allem Kriegswaffen und kleinere, aber t\u00f6dliche Waffen wie Maschinengewehre und Maschinenpistolen geh\u00f6ren aus deutschen H\u00e4nden nicht in saudi-arabische. W\u00fcrde die k\u00fcnftige Bundesregierung die existierenden Grunds\u00e4tze im R\u00fcstungsexport beherzigen, d\u00fcrften keine Waffen nach Saudi-Arabien gehen \u2013 in ein Empf\u00e4ngerland also, das Menschenrechte im gro\u00dfen Stil verletzt.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnen Kritiker nat\u00fcrlich einwenden, dass sich Riad dann vermutlich woanders bedient. In China vielleicht, wo man weniger Skrupel hat, Despotien Waffen zu verkaufen. Andererseits, eine staatliche R\u00fcstungsexportpolitik, die sich strengen menschenrechtlichen Vors\u00e4tzen verpflichtet f\u00fchlt, muss dies auch umsetzen. Und ihren B\u00fcrgern ein Vorbild sein, was den Umgang mit undemokratischen Methoden im arabischen Raum angeht.<\/p>\n<p>Ja, was denn nun? Wie sollen die B\u00fcrger darauf schon Einfluss haben? Das aber ist zu kurz gedacht: Die arabischen Staaten, die durch ihre \u00d6lmilliarden in den vergangenen Jahrzehnten enorme wirtschaftliche Aufschw\u00fcnge hingelegt haben, streben l\u00e4ngst auch in die Wohnzimmer der Europ\u00e4er und Deutschen. Sie wollen eine Marke sein, die mehr als Gas und \u00d6l verspricht, eine Marke, die sportlich und kulturell wahrgenommen wird. Katar richtet die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2022 aus. Und die wird bekannterma\u00dfen besonders gerne in Europa geschaut, zumal sportlich auch aus Deutschland, Frankreich, England und Italien bezahlt.<\/p>\n<p>Die Investitionen von L\u00e4ndern wie Katar oder Arabische Emirate in diese neuen Marken sind betr\u00e4chtlich. Ihr Problem: Die feudalen Methoden, die solche Staaten \u2013 und auch Saudi-Arabien \u2013 etwa im Umgang mit ihren Einwanderern \u201epflegen\u201c, besch\u00e4digen das Markenimage nachhaltig. Sie sind empfindlich geworden, auch wenn sich die Monarchen und Despoten nach au\u00dfen hin unbeeindruckt geben. Eine Weltmeisterschaft, die auf Leichen von eingewanderten Arbeitern stattfindet, hat nicht den Glamour, den sich die K\u00f6nigsh\u00e4user eigentlich w\u00fcnschen. Schm\u00fccken k\u00f6nnen sie sich damit im Westen jedenfalls nicht, auch wenn einzelne Gesch\u00e4ftsleute und Sportfunktion\u00e4re ihre europ\u00e4ischen Moral-Standards am Flughafen von Dubai oder Doha offenbar abstreifen und \u201egro\u00dfz\u00fcgig\u201c \u00fcber Menschenrechtsprobleme hinwegsehen \u2013 Franz Beckenbauer l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen (\u201eIch hab\u2018 noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen.\u201c)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcber weiche Faktoren lacht keiner mehr<\/strong><\/p>\n<p>Weiche Standortfaktoren \u2013 dar\u00fcber haben schon deutsche Unternehmer gelacht, als es darum ging, China wegen Menschenrechtsverbrechen zu kritisieren. Zu den Olympischen Spielen 2008 galt das als wirtschaftsfeindlich und naiv. V\u00f6llig zu Unrecht: Die chinesische Regierung bewegt sich mittlerweile und wagt ein bisschen mehr Demokratie. Das m\u00f6gen manche westliche Kolumnisten als Augenwischerei abtun, in Wahrheit aber sind auch kleine Schritte wichtig, wenn sie in die richtige Richtung gehen. Und diese kleinen Schritte sind ma\u00dfgeblich \u00fcber den Faktor Image angesto\u00dfen worden: Wer Investoren und Partner sucht, m\u00f6chte ein m\u00f6glichst gutes Bild nach au\u00dfen abgeben \u2013 die Chinesen haben das begriffen, weil sie gemerkt haben, dass ihnen ein schlechtes Image nichts bringt, aber viel kostet.<\/p>\n<p>Dabei ist ihr Demokratisierungsweg sicherlich viel weiter als die der Russen, die in diesen Tagen besonders empfindlich auf Druck von au\u00dfen reagieren: Bundespr\u00e4sident Gauck oder die EU-Justiz-Kommissarin Reding wollen beide nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi fahren, weil sie sich nicht in den Inszenierungsreigen des autorit\u00e4ren Pr\u00e4sidenten Putin einreihen wollen. Es mag immer noch einige Unverbesserliche geben, die das als \u201eGutmenschentum\u201c abtun: Aber so wirklich lacht keiner mehr dar\u00fcber, zumal die Entr\u00fcstung in Moskau \u00fcber solche Absagen best\u00e4tigt, welch wunder Punkt bei ihnen getroffen wurde. Heute kann das noch keiner vorhersagen, aber es ist denkbar, dass selbst die notorischen Hardliner in den Pr\u00e4sidentenpal\u00e4sten der postsowjetischen Staaten eines Tages ihr Verhalten st\u00e4rker an Imagefragen ausrichten.<\/p>\n<p>Arabische Monarchen versuchen derweil, Kritik an ihrem eigenen Verhalten gegen\u00fcber Minderheiten und Einwanderern als Islamfeindlichkeit oder Rassismus abzutun. Ein durchsichtiges Ablenkungsman\u00f6ver. Ein anderes Argument allerdings k\u00f6nnte ihnen in die Karten spielen: Wenn die westlichen Staaten ihre eigenen Grunds\u00e4tze links liegenlassen und stattdessen eine geh\u00f6rige Portion Doppelmoral an den Tag legen, dann schw\u00e4cht das die moralische Position der Europ\u00e4er. Meldungen \u00fcber hunderte tote Asylfl\u00fcchtlinge, die auf dem Mittelmeer umkommen, oder \u00fcber Einwanderer, die in italienischen Lagern unter unm\u00f6glichen Zust\u00e4nden hausen, machen europ\u00e4ische und deutsche Menschenrechtsappelle in Richtung Arabien unglaubw\u00fcrdig. Und zerst\u00f6rt die Chancen, die Lage vieler wie Sklaven gehaltenen Gastarbeiter in diesen Staaten zu verbessern. Vergesst also Franz Beckenbauer und andere Betonk\u00f6pfe aus der Funktion\u00e4rsriege. Image ist l\u00e4ngst ein gutes Mittel, selbst Despoten und andere autorit\u00e4ren K\u00f6pfe an einem wunden Punkt zu packen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentar beim &#8222;Opinion Club&#8220; (10.12.2013) Arabische Staaten wollen mehr anbieten als nur Gas und \u00d6l? Sie wollen kulturell und sportlich eine Marke werden? Sollen sie doch! Der Westen sollte allerdings mehr Druck auf die Regime aus\u00fcben, ihre feudalen Gesellschaften und&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1175\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Vergesst Franz Beckenbauer<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,1],"tags":[174,177,173,175,176,178],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1175"}],"collection":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1175"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1175\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1176,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1175\/revisions\/1176"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}