{"id":1224,"date":"2014-05-14T18:45:39","date_gmt":"2014-05-14T16:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1224"},"modified":"2014-05-14T18:46:58","modified_gmt":"2014-05-14T16:46:58","slug":"achtung-die-konservativen-kommen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1224","title":{"rendered":"Achtung, die Konservativen kommen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Obwohl die T\u00fcrkei derzeit andere Sorgen hat &#8211; ich meine das schreckliche Grubenungl\u00fcck &#8211; hier mein neuester Kommentar zu Erdogans Besuch im Mai <a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2014\/05\/achtung-die-konservativen-kommen\/\">(Opinion-Club, am 14.05.2014 erschienen).<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Der t\u00fcrkische Premier Recep Tayyip Erdogan spricht am 24. Mai in K\u00f6ln. Das wird f\u00fcr medialen Rummel sorgen. Schlimmer aber sind seine Fans und die Anh\u00e4nger der G\u00fclen-Bewegung, die sich in Deutschland zunehmend in Stellung bringen<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Recep Tayyip Erdogan l\u00e4sst sich nicht so leicht aufhalten: Die Lanxess-Arena in K\u00f6ln ist jedenfalls schon f\u00fcr den 24. Mai f\u00fcr seinen Auftritt gebucht, auch wenn er sich noch gar nicht offiziell erkl\u00e4rt hat, ob er ins Rennen um den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidentenjob gehen will. Wenn er denn kandidiert, und danach sieht es derzeit aus, dann wird er in K\u00f6ln seinen ersten Wahlkampfauftritt in Deutschland haben (auch wenn er aktuell behauptet, mit Wahlkampf habe das nichts zu tun). Ausgerechnet in Deutschland also, dessen Staatsoberhaupt Joachim Gauck wohl nicht mehr zu seinen besten Freunden wird. Sei\u2019s drum, Deutschland ist f\u00fcr Erdogan wichtig: Dort leben die meisten der mehr als f\u00fcnf Millionen Auslandst\u00fcrken. Und die d\u00fcrfen in diesem Jahr erstmals mitw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Wo ist das Problem, k\u00f6nnte man einwenden. War Barack Obama als Pr\u00e4sidentschaftskandidat nicht auch in Deutschland, um eine Wahlkampfrede in Berlin zu halten? Gut, er durfte letztlich nicht vor dem Brandenburger Tor sprechen, aber das will Erdogan ja auch nicht: Die K\u00f6lner Lanxess-Arena ist eine schn\u00f6de Mehrzweckhalle mit ungef\u00e4hr so viel Symbolcharakter wie die A 61 zwischen, sagen wir mal, dem Kreuz Meckenheim und der Abfahrt Bad Neuenahr.<\/p>\n<p>Das Problem bei Erdogan ist ein anderes: Erstens, seine Auftritte in Deutschland sind kontraproduktiv f\u00fcr die t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Menschen hierzulande, deren Lebenswirklichkeit meilenweit entfernt ist von den Versprechungen, die ihnen ein t\u00fcrkischer Ministerpr\u00e4sident machen kann. Und bereits 2008 sorgte Erdogans Besuch in K\u00f6ln inklusive seiner wirren Warnung, sich blo\u00df nicht assimilieren zu lassen, f\u00fcr erheblichen Zwist. \u201eAssimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.\u201c Das sa\u00df.<\/p>\n<p>Schlimmer aber als die Selbstdarstellung eines egomanen Politikers mit autokratischen Z\u00fcgen ist der Import eines heftigen t\u00fcrkischen Dreikampfes zwischen s\u00e4kularen und kemalistischen Gruppen, Anh\u00e4ngern der umstrittenen G\u00fclen-Bewegung und Erdogan-J\u00fcngern. Zwar konnte Erdogan bei den Kommunalwahlen in der T\u00fcrkei einen satten Sieg einfahren, f\u00fcr die personalisierte Pr\u00e4sidentschaftswahl d\u00fcrfte es weitaus knapper werden. Und da z\u00e4hlt jede Stimme der mehrheitlich eher konservativen t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Menschen in Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Gel\u00e4ndegewinne in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Es geht also um Gel\u00e4ndegewinne in Deutschland. Die S\u00e4kularen sind dabei freilich nicht das Problem, zumal sie sich kaum organisieren. Problematisch sind eher die ehemaligen Verb\u00fcndeten der konservativen t\u00fcrkischen Lager: Die islamisch-reaktion\u00e4re G\u00fclen-Bewegung breitet sich derzeit offensiv in Deutschland aus, meist \u00fcber Schulen und Nachhilfeorganisationen f\u00fcr t\u00fcrkischst\u00e4mmige Kinder. Nach allen Berichten aus dem Inneren dieser Einrichtungen werden Kinder und Jugendliche vor allem nach dem Unterricht im \u201eFreizeitprogramm\u201c konservativ-islamisch beeinflusst, andere sprechen von Indoktrination. Klar, dass die AKP, also Erdogans Partei, nach dem Zerw\u00fcrfnis mit G\u00fclens Bewegung nachlegt: Hat man es fr\u00fcher den konservativen Moscheevereinen der staatlichen Religionsbeh\u00f6rde bzw. ihrem deutschem Ableger Ditib \u00fcberlassen, das konservative Wahlvolk bei der Stange zu halten, so tritt in letzter Zeit, und vor allem lautst\u00e4rker als fr\u00fcher, ein anderer Akteur auf: der in K\u00f6ln ans\u00e4ssige gemeinn\u00fctzige Verein UETD. Der veranstaltet nat\u00fcrlich auch die Erdogan-Sause am 24. Mai in der Lanxess-Arena.<\/p>\n<p>Den Verein gibt es seit 2004. Zwar behauptet er, unabh\u00e4ngig zu sein und nicht von der AKP finanziert zu werden, glaubhaft ist das aber kaum. In letzter Zeit wurden zig neue Ortsvereine in Deutschland gegr\u00fcndet, nach Medienberichten sollen es bereits 30 sein. Die Organisation verteidigt die Erdogan-Politik, setzt sich ansonsten f\u00fcr die F\u00f6rderung der t\u00fcrkischen Muttersprache ein \u2013 nicht ganz unwichtig, wenn T\u00fcrkeist\u00e4mmige in Deutschland Erdogan w\u00e4hlen sollen -, und macht sich f\u00fcr den Islam stark. Auch das nicht gerade das Programm eines laizistischen Staates, wohl aber das Programm des erzkonservativen Erdogan.<\/p>\n<p>Wenn man sich die Entwicklungen der vergangenen Monate in der T\u00fcrkei anschaut \u2013 von den Gezi-Protesten bis zum j\u00fcngsten Absturz der T\u00fcrkei in der Freedom-House-Weltrangliste der Pressefreiheit -, dann l\u00e4sst der gesteigerte Organisationsgrad der Erdogan-Anh\u00e4nger in Deutschland nichts Gutes erwarten. Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass mindestens einer an Deutschlands Staatsspitze genau hinschauen wird: Bundespr\u00e4sident Gauck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die T\u00fcrkei derzeit andere Sorgen hat &#8211; ich meine das schreckliche Grubenungl\u00fcck &#8211; hier mein neuester Kommentar zu Erdogans Besuch im Mai (Opinion-Club, am 14.05.2014 erschienen). Von Martin Benninghoff Der t\u00fcrkische Premier Recep Tayyip Erdogan spricht am 24. 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