{"id":1250,"date":"2014-07-09T16:57:52","date_gmt":"2014-07-09T14:57:52","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1250"},"modified":"2014-07-09T16:57:52","modified_gmt":"2014-07-09T14:57:52","slug":"nein-zum-burka-verbot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1250","title":{"rendered":"Nein zum Burka-Verbot!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em><a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2014\/07\/nein-zum-burka-verbot\/\">Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (09.07.2014)<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Klar, Burkas sind eine Zumutung! Allerdings weitaus mehr f\u00fcr die Frauen, die darin stecken, als f\u00fcr Betrachter, die den Anblick des Kleidungsst\u00fccks nicht ertragen k\u00f6nnen. Vor allem aber dr\u00e4ngt ein Burka-Verbot die Frauen noch viel mehr ins Abseits<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wer behauptet schon ernsthaft, am Beispiel der Burka m\u00fcssten wir Religionsfreiheit und ihre Grenzen diskutieren? Eine Burka \u2013 und in abgeschw\u00e4chter Form auch der Niqab \u2013 sind grausame Kleidungsst\u00fccke, weil sie Individuen entmenschlichen. Ein Kopftuch verdeckt die Haare, aber nicht das Profil, die Augen, die Konturen. Eine Burka allerdings macht aus einem Menschen mit all seinen Vorz\u00fcgen und Schw\u00e4chen, Eigenarten und Talenten eine amorphe Masse, die austauschbar wird wie ein Heer geklonter Soldaten. Das ist <em>common sense<\/em> in Deutschland, in Europa, \u00fcbrigens auch in manchem arabischen Staat (zumindest bisher), und nur wenige Extremisten werden die Burka in Schutz nehmen.<\/p>\n<p>Ihr Verbot, wie es in Frankreich unter anderem herrscht, ist aber dennoch falsch! Und die Debatte, die seit einigen Tagen wieder gef\u00fchrt wird, ist noch falscher. Viele Kommentatoren begr\u00fc\u00dfen das franz\u00f6sische Verbot der Vollverschleierung auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und seine Best\u00e4tigung durch den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich aus der eigenen, egoistischen Perspektive der Zumutung. Henryk M. Broder hat diesen postpotenten Egozentrismus neulich in der \u201eWelt\u201c so auf den Punkt gebracht: \u201eJede Gesellschaft hat das Recht, Spielregeln und Grenzen der Zumutbarkeit festzulegen.\u201c<\/p>\n<p>Es geht also darum, sich selbst zu sch\u00fctzen vor einem unangenehmen Anblick. Schon 2007 hatte der im Alter irrlichternde Ralph Giordano \u00fcber Burka-Tr\u00e4gerinnen von \u201emenschlichen Pinguinen\u201c gesprochen, obwohl dabei nicht ganz klar wurde, ob die doch durchweg als niedlich und putzig bekannten Tiere der richtige Verweis in diesem Kontext waren. Aber sei\u2019s drum, Giordano und Broder empfinden die Burka als Anma\u00dfung, die sie aus Eigensinn nicht ertragen k\u00f6nnen. Aber ist es eine L\u00f6sung, die Frauen zu beleidigen? Wohl kaum.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich und emotional ist das ja verst\u00e4ndlich, als politische Richtschnur aber doch ziemlich l\u00e4cherlich, weil die Entmenschlichung der Frau selbst in diesem Argument noch \u2013 wahrscheinlich unwissentlich \u2013 weitergef\u00fchrt wird: Es ist n\u00e4mlich augenf\u00e4llig, dass kaum noch \u00fcber die Frau unter der Burka gesprochen wird. Leider wird auch zu wenig in den Medien berichtet: Was hat sie zu erdulden? Was denkt sie? Was treibt sie an? Ist sie in einer echten Notlage oder hat sie sich \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 tats\u00e4chlich frei dazu entschieden, ein solches Kost\u00fcm anzuziehen? Wer nur \u00fcber die eigene Zumutbarkeit spricht, interessiert sich offenbar allenfalls f\u00fcr ein Ph\u00e4nomen, das als absto\u00dfend empfunden wird, nicht aber f\u00fcr den Burka tragenden Menschen, der in Wahrheit als einziger wirklich selbst betroffen ist.<\/p>\n<p>Vergessen wir nicht: Die Burka ist ein Randph\u00e4nomen, laut Sch\u00e4tzungen tragen in Frankreich weniger als 2000 von mehreren Millionen muslimischen Frauen die Ganzk\u00f6rperkutte. Sie ist ein stoffgewordener Auswuchs einer frauenverachtenden Ideologie, die sich in extremen Winkeln des Islam breitgemacht hat. Die Frage ist nur: K\u00f6nnen wir diese Ideologie bek\u00e4mpfen, wenn wir die Frauen, die eine Burka tragen m\u00fcssen, um die wenigen Kontakte bringen, die sie zur Au\u00dfenwelt noch haben? Wir dr\u00e4ngen sie endg\u00fcltig in den privaten und abgeschlossenen Raum, wenn wir ihr Auftauchen auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen mit Strafzahlungen und gesellschaftlicher \u00c4chtung sanktionieren. Wir isolieren sie weiter, wenn wir uns \u00fcber sie nur lustig machen oder sie verunglimpfen. Der Anblick einer Zumutung, wie manche empfinden, ist dann zwar vermieden \u2013 das Ungl\u00fcck aber geht im Verborgenen weiter. Damit kann sich keine demokratisch-menschenrechtliche \u2013 oder in anderer Lesart christlich-n\u00e4chstenliebende \u2013 Gesellschaft abfinden.<\/p>\n<p><strong>Martin Benninghoff<\/strong>, <em>Journalist in Berlin, ist Co-Autor des Buches \u201eAufstand der Kopftuchm\u00e4dchen\u201c, das sich mit der Reform des Islam und der Integration in Europa besch\u00e4ftigt. Seine OC-Kolumne \u201cGrenzg\u00e4nger\u201d erscheint jeden zweiten Mittwoch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (09.07.2014) Von Martin Benninghoff Klar, Burkas sind eine Zumutung! 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