{"id":1266,"date":"2014-09-08T14:24:00","date_gmt":"2014-09-08T12:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1266"},"modified":"2014-09-08T14:24:00","modified_gmt":"2014-09-08T12:24:00","slug":"terroristen-made-in-europe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1266","title":{"rendered":"Terroristen &#8211; Made in Europe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2014\/09\/terroristen-made-in-europe\/\">Artikel bei OPINION CLUB (08.09.2014)<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Im Falle islamistischer R\u00fcckkehrer vertrauen wir alle darauf, dass die Sicherheitsbeh\u00f6rden Anschl\u00e4ge verhindern k\u00f6nnen. Doch wer sich darauf verl\u00e4sst, ist schon verlassen<\/strong><\/p>\n<p>Ich hab\u2019s getan, mir dieses schreckliche Video angeschaut, das die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley \u2013 zumindest ansatzweise \u2013 zeigt. Ein Zeugnis der unglaublichen Blutlust v\u00f6llig verrohter Menschen, denen offenbar nichts, aber auch rein gar nichts mehr in einem angeblich heiligen Krieg heilig ist.<\/p>\n<p>Vielleicht musste ich mir auch deshalb das Grauen mit eigenen Augen anschauen: Um zu begreifen, wozu Menschen in der Lage sind, die ansonsten in blo\u00dfen Textnachrichten gesichtslos bleiben. Wie viele Verbrechen dieser Art bleiben unterhalb der Wahrnehmungsschwelle europ\u00e4ischer Beobachter, wenn es keine Bilder gibt? Und ich gehe weiter: Welche Verbrechen bleiben unterhalb der Wahrnehmungsschwelle europ\u00e4ischer Beobachter, wenn Opfer und T\u00e4ter nicht westlich sind?<\/p>\n<p>Dass das Opfer US-Amerikaner war, ist nun die Strategie der IS-M\u00f6rder: eine Strafaktion gegen das gro\u00dfe ideologische Feindbild Amerika. Dass der T\u00e4ter offenbar britischen Ursprungs ist, r\u00fcckt die Aktion n\u00e4her an Europa ran. Eine perfide Drohung der IS-Terroristen: Seht her, wir kommen aus Euch, und seht her, wir kommen vielleicht auch wieder zur\u00fcck zu Euch. Die Warnung mag als perfider PR-Trick geplant sein, der die Wirkung in den europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerungen sicherlich nicht verfehlt. \u201eWir m\u00fcssen uns auf die M\u00f6glichkeit von Anschl\u00e4gen in Europa einstellen\u201c, verk\u00fcndete Verfassungsschutz-Pr\u00e4sident Hans-Georg-Maa\u00dfen k\u00fcrzlich. Klar, dass hierbei die Sicherheitspolitik sofort \u2013 und ja auch richtigerweise \u2013 in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Dennoch, wir d\u00fcrfen uns nicht damit begn\u00fcgen, erneut nur die Maschinerie der Sicherheitspolitik in Gang zu setzen (sie ist nat\u00fcrlich l\u00e4ngst im Gange). Was nahezu fehlt, ist eine grundlegende Debatte dar\u00fcber, wie wir gemeinsam die Radikalisierung vornehmlich junger M\u00e4nner stoppen. James Foleys M\u00f6rder mit Londoner Akzent d\u00fcrfte doch Warnung genug sein, dass der Islamismus, den die IS-Milizen in ihren schwarzen Kutten im Irak und in Syrien in blutr\u00fcnstigen Terror umm\u00fcnzen, eben kein ferner Konflikt mehr ist, der uns nichts angeht.<\/p>\n<p>Und das geht nur, wenn wir alle begreifen, dass die Jungs und wenigen M\u00e4dels, die in die Islamistenausbildungslager fahren, unsere Jungs und M\u00e4dels sind. Made in Europe sozusagen. Ganz gleich, ob sie einen pal\u00e4stinensischen, marokkanischen oder deutschen Abstammungshintergrund haben.<\/p>\n<p>Wenn sie auf Reisen sind, ist es schon fast zu sp\u00e4t, aber nur fast. Fakt ist aber, dass wir als Gesellschaft viel fr\u00fcher pr\u00e4ventiv gegen den Radikalisierungswahn dieser Gruppen vorgehen m\u00fcssen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon, wie die nimmerm\u00fcden sogenannten Islamkritiker abwinken und von Pr\u00e4vention nichts wissen wollen. Zu blau\u00e4ugig. Zu teuer. Warum blo\u00df noch Geld in die Hand nehmen f\u00fcr Probleme, die wir uns importiert haben?<\/p>\n<p>Das aber w\u00e4re grundfalsch und w\u00fcrde nur zeigen: Nur wer begreift, dass gewaltt\u00e4tige Islamisten aus Deutschland unser hausgemachtes Problem sind, kann effektiv etwas gegen die radikalisierten R\u00fcckkehrer aus IS-Lagern machen.<\/p>\n<p>Die Ans\u00e4tze zur Pr\u00e4vention sind kein Allheilmittel, und auf den ersten Blick wirken sie nahezu banal. Vielleicht sind sie es auch. Vielleicht gibt es bessere M\u00f6glichkeiten. Aber immer steht am Anfang eine Debatte, und die m\u00fcsste in Deutschland endlich breit und in der Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt werden: Wie k\u00f6nnen wir etwas gegen die Radikalisierung mancher unserer Jugendlichen tun? Wie l\u00f6sen wir ein Problem, wie l\u00f6sen wir UNSER Problem?<\/p>\n<p>Ein paar Ans\u00e4tze:<br \/>\n&#8211; Die Gesellschaft muss deutlicher Hass \u00e4chten, egal ob er in religi\u00f6ser oder sonstiger ideologischer Sprache daherkommt. Vor allem im Netz finden sich die Kommunikationskan\u00e4le gewaltbereiter Islamisten. K\u00f6nnen wir ihnen im Netz auch etwas entgegensetzen? Kreieren wir eine Kultur, die es nicht hinnimmt, andere in die Ecke zu stellen! Das f\u00e4ngt bei uns zuhause an und darf sich nicht auf politische Sonntagsreden beschr\u00e4nken.<br \/>\n&#8211; Wir sollten alle gr\u00fcndlich nachpr\u00fcfen, ob wir die Muslime wirklich als normalzugeh\u00f6rig zu Europa empfinden und dementsprechend behandeln. Wer sich abgelehnt f\u00fchlt, wird m\u00f6glicherweise in die Arme radikaler Bauernf\u00e4nger getrieben. Islamistische Gruppierungen versprechen Halt und St\u00e4rke \u2013 ein besonders attraktives Paket f\u00fcr \u201eheimatlose\u201c Jugendliche, die nach Struktur und Selbstvertrauen lechzen. Islamistische Gruppen sind in dieser Hinsicht mit rechtsradikalen Gruppierungen zu vergleichen, die gestrauchelten Jugendlichen Halt und Selbstwertsteigerungen anbieten.<br \/>\n&#8211; Lasst uns offensiv die Moscheegemeinden in Deutschland mit einbinden, auch wenn die oft fremd und konservativ sind. Dort sitzen die Eltern von Kindern, die drohen, in die Radikalisierung abzurutschen. Diese Eltern brauchen unsere Hilfe, weil sie selbst oft verzweifelt sind, wie sie ihre Kinder sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Es gibt erste \u201erunde Tische\u201c von muslimischen Eltern, die das Abrutschen ihrer Kinder in den Terrorsumpf bef\u00fcrchten. Sie brauchen Unterst\u00fctzung, mindestens aber unser Interesse.<br \/>\n&#8211; Nehmen wir ordentlich Steuergeld in die Hand f\u00fcr Pr\u00e4ventivprogramme, die sich lohnen, weil sie sp\u00e4tere Kosten im Anfang verhindern.<\/p>\n<p>Mit dem letzten Punkt meine ich nicht unbedingt die Hotline, bei der aussteigewillige Islamisten anrufen k\u00f6nnen (die wird nach wie vor wenig frequentiert), sondern Projekte wie das deutsche \u201eHayat\u201c in Berlin. Das ber\u00e4t und coacht Angeh\u00f6rige von radikalisierten Jugendlichen \u2013 mit Erfolg. Die Mitarbeiter kennen die Tricks, mit denen die Ausbilder in den Islamisten-Camps versuchen, die Jugendlichen von ihren Familien abzukoppeln. Und sie munitionieren die Familien in diesem Kampf um den Einfluss auf den Sohn oder die Tochter, etwa vor Skype-Gespr\u00e4chen oder Chatunterhaltungen. Am effektivsten aber wirken derlei Beratungsangebote bei jungen Leuten, deren Abrutschen in die Szene droht, aber noch nicht g\u00e4nzlich abgeschlossen ist.<\/p>\n<p>\u00dcber \u201eHayat\u201c wird \u00fcbrigens schon im Ausland berichtet. Auf einer Debattenseite der \u201eNew York Times\u201c wird auf das Projekt hingewiesen, in England soll derzeit ein \u00e4hnliches Projekt entstehen. Das ist sicherlich sp\u00e4t, aber noch nicht zu sp\u00e4t. Wie die deutsche Extremismusexpertin Claudia Dantschke v\u00f6llig richtig einsch\u00e4tzt, muss der Radikalismus schon im Entstehen bek\u00e4mpft werden, weil es sonst extrem schwierig ist, ideologisch gefestigte Islamisten wieder zur\u00fcckzuholen. Und vor allem: Er muss international bek\u00e4mpft werden. Es w\u00e4re ein wichtiger Schritt, ein europaweites Netzwerk im Sinne \u201eHayats\u201c zu installieren, das der in Englisch verbreiteten Islamisten-Propaganda im Netz wirksam etwas entgegenzusetzen h\u00e4tte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel bei OPINION CLUB (08.09.2014) Von Martin Benninghoff Im Falle islamistischer R\u00fcckkehrer vertrauen wir alle darauf, dass die Sicherheitsbeh\u00f6rden Anschl\u00e4ge verhindern k\u00f6nnen. 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