{"id":1381,"date":"2015-03-18T08:38:37","date_gmt":"2015-03-18T06:38:37","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1381"},"modified":"2015-03-18T08:38:37","modified_gmt":"2015-03-18T06:38:37","slug":"der-moechtegern-muslim-chef","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1381","title":{"rendered":"Der M\u00f6chtegern-Muslim-Chef"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2015\/03\/der-moechtegern-muslim-chef\/\">Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (18.03.2015)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Aiman Mazyek, der Chef des Zentralrates der Muslime, hat es geschafft, als das Gesicht der Muslime in Deutschland angesehen zu werden. Dabei ist sein Einfluss gering und seine Organisation fragw\u00fcrdig<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Fast k\u00f6nnte man meinen, dieser Mann, Aiman Mazyek, geh\u00f6re zu den M\u00e4chtigen Deutschlands.<\/p>\n<p>Am 8. M\u00e4rz twittert der \u201eBild\u201c-Chefreporter Hans-J\u00f6rg Vehlewald ein Gruppenfoto aus den heiligen Hallen des saudischen K\u00f6nigs Salman: In der Mitte der frischgek\u00fcrte, aber greise Absolutist, Herrscher \u00fcber knapp 29 Millionen Untertanen; daneben der m\u00e4chtige Vorstandsvorsitzende der Linde AG, Wolfgang B\u00fcchele, Herr \u00fcber einen weltweiten Umsatz von rund 16 Milliarden Euro; daneben Deutschlands Botschafter in Riad, Boris Ruge; ein immerhin ehemaliger Bundesminister mit guten Beziehungen in den arabischen Raum, Peter Ramsauer; und schlie\u00dflich der Vizekanzler und Wirtschaftsminister der viertgr\u00f6\u00dften Wirtschaftsmacht der Welt, Sigmar Gabriel.<\/p>\n<p>Und dann er: Aiman Mazyek. Der \u201eMuslime-Chef\u201c, schreibt der \u201eBild\u201c-Reporter. Im Land des \u201eH\u00fcters der Heiligen St\u00e4tten von Mekka und Medina\u201c darf das Oberhaupt der deutschen Muslime nat\u00fcrlich nicht fehlen.<\/p>\n<p>Das Problem ist nur: Mazyek ist so gesehen ein Hochstapler.<\/p>\n<p>Innerhalb der muslimischen Communities hat er wenig zu sagen, und seine Organisation, der Zentralrat der Muslime (ZMD), ist \u2013 entgegen der Anma\u00dfung im Namen \u2013 eine ziemlich kleine Klitsche. Im Koordinationsrat der Muslime, einem Zusammenschluss von vier islamischen Organisationen, der mit Abstand kleinste: Ditib, der Ableger der t\u00fcrkischen Religionsbeh\u00f6rde in Deutschland, vereint rund 950 Moscheegemeinden unter einem Dach, der ZMD vertritt nur einige wenige Dutzend Gemeinden. Dazwischen liegen noch der VIKZ sowie der Islamrat.<\/p>\n<p>Trotz der geringen Mitgliederst\u00e4rke ist der ZDM-Chef Mazyek das Gesicht der Muslime in Deutschland geworden. Redegewandt. Eloquent. Kann viele S\u00e4tze in fl\u00fcssiger Reihenfolge zu einem erquicklichen Ende bringen. Sohn eines Syrers und einer Deutschen. Durch und durch \u201e\u00d6cher Jung\u201c, also geb\u00fcrtiger Aachener. Medienexperte. Er wei\u00df, wie \u00f6ffentliche Auftritte funktionieren. Duzt sich mit Sigmar Gabriel. Hat bei der Mahnwache am Brandenburger Tor nach dem Charlie-Hebdo-Attentat eine gute Rede gehalten, mal wieder auf Tuchf\u00fchlung mit den wichtigen und m\u00e4chtigen M\u00e4nnern und Frauen des Landes.<\/p>\n<p>Das \u00e4rgert nat\u00fcrlich die anderen Islamvertreter, die eigentlich viel mehr Einfluss haben, weil sie \u00fcber viel mehr Moscheegemeinden wachen. Ditib-Generalsekret\u00e4r Bekir Alboga tut sich schwer mit Medienauftritten, kaum besser Erol P\u00fcrl\u00fc, derzeitiger KRM-Sprecher. Sie wirken h\u00f6lzern und stockkonservativ, speziell Ditib als Ableger einer t\u00fcrkischen Staatsbeh\u00f6rde gilt der deutschen Politik nicht gerade als vertrauensselig. Da kommt ein Mann wie Mazyek wie gerufen, der so agiert und aussieht wie alle gut vernetzten und umtriebigen Funktion\u00e4re in Deutschland agieren und aussehen. Zumal die Politik ja immer nach dem einen Ansprechpartner der Muslime ruft. Mazyek sitzt am anderen Ende der Leitung und hebt den H\u00f6rer ab.<\/p>\n<p>Er ist ja ein Mann, mit dem man reden kann. Der viel Verst\u00e4ndnis hat f\u00fcr die W\u00fcnsche und Forderungen der Politik an Islamvereine. Er geht weit in dem, was er organisierten Muslimen abverlangt, wenn er beispielsweise nach einem Islamgesetz ruft, wie es die \u00d6sterreicher neulich verabschiedet haben. Das gef\u00e4llt der Politik. Andererseits feiert er das neuerliche Kopftuchurteil, das Frauen mit Kopftuch den Weg in den Schuldienst ebnet. Ein Mann, der in der \u00d6ffentlichkeit Freir\u00e4ume f\u00fcr seine Mitglieder auslotet, ihnen andererseits einiges abverlangt. Einer, der zwischen Welten wandeln kann und sich sowohl mit Bundesministern als auch Vorstadt-Imamen blendend verstehen kann.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig ist nur, dass dieser Mann seit Jahren an der Spitze einer Organisation steht, die so gar nicht zum Bild der Staats- und Gesellschaftsn\u00e4he passt: Der ZMD vertritt ein problematisches Programm, das kaum Frieden zwischen den Religionen stiftet \u2013 ein Anliegen, das Mazyek sonst so gerne in Interviews herausstellt. So soll eine muslimische Frau keinen Nicht-Muslim heiraten! Eine stockkonservative Auslegung des Islam, die dazu dient, die eigene Gruppe zusammenzuhalten. Dahinter stehen ein reaktion\u00e4res Frauenbild und eine spalterische Vorstellung von Gesellschaft. Zudem ist mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) ein ultrakonservativer Islamverein Mitglied beim ZMD, der noch konservativer als der ZMD ist.<\/p>\n<p>Mazyek als Person verdeckt diese fragw\u00fcrdigen Puzzleteile \u2013 vielleicht sollte die Politik sich nicht allzu leicht blenden lassen.<\/p>\n<p><strong>Martin Benninghoff<\/strong> <em>ist Journalist in Berlin und Redakteur bei \u201cG\u00fcnther Jauch\u201d (ARD). Seine OC-Kolumne \u201cGrenzg\u00e4nger\u201d erscheint jeden zweiten Mittwoch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (18.03.2015) Von Martin Benninghoff Aiman Mazyek, der Chef des Zentralrates der Muslime, hat es geschafft, als das Gesicht der Muslime in Deutschland angesehen zu werden. 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