{"id":1442,"date":"2015-08-12T07:32:19","date_gmt":"2015-08-12T05:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1442"},"modified":"2015-08-12T07:51:27","modified_gmt":"2015-08-12T05:51:27","slug":"mein-urlaub-mit-merkel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1442","title":{"rendered":"Mein Urlaub mit Merkel"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1445\" aria-describedby=\"caption-attachment-1445\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150811-WA0000.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1445 size-medium\" src=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150811-WA0000-300x225.jpg\" alt=\" \" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150811-WA0000-300x225.jpg 300w, http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150811-WA0000-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150811-WA0000.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1445\" class=\"wp-caption-text\">Angela Merkel und Reinhold Messner in S\u00fcdtirol<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2015\/08\/mein-urlaub-mit-merkel\/\">Welcome back aus der Sommerpause! Erste Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (12.08.2015)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff (Fotos: Claus Teutenberg) <\/em><\/p>\n<p><em><strong>Eine Bundeskanzlerin im Urlaub: Im S\u00fcdtiroler Bergort Sulden f\u00fchrte die Regierungschefin vor, wie sie ihr Image generiert. Gespenstisch effektiv, ein echter Selbstl\u00e4ufer.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Journalisten im notorisch aufgeregten Berlin tun gut daran, ab und an irgendwohin zu fahren, wo andere Werte als die der Nachrichtenwelt gelten: nach S\u00fcdtirol zum Beispiel. Ruhe, Sonne, Almk\u00e4se, Wandern, Bergsteigen, Gletscher und abends auf der H\u00fctte ein Bierchen \u2013 fertig ist das Rundumwohlf\u00fchlpaket. Fernab von immer neuen Wasserstandsmeldungen in Sachen Griechenland-Rettung oder schrecklichen Live-Tickern zu irgendwelchen journalistischen Sauen, die wieder durchs gro\u00dfe Bundes-Dorf Berlin getrieben werden.<\/p>\n<p>Politiker allerdings tun offenbar mindestens genauso gut daran. In diesem Jahr hatte ich mir ein stilles Bergdorf ausgesucht, das sich die Bundeskanzlerin auch (mal wieder) ausgesucht hatte: Sulden, S\u00fcdtirols h\u00f6chstgelegener Ort. Ich h\u00e4tte es wissen m\u00fcssen, schlie\u00dflich ist Angela Merkel dort h\u00e4ufig zu Gast. Sie sch\u00e4tzt, so erz\u00e4hlt man sich im Dorf, die Ruhe und die Abgeschiedenheit dieses Ortes, der an drei Seiten von Dreitausendern umrahmt wird, allen voran von Ortler und K\u00f6nigsspitze. Und sie sch\u00e4tzt die Bodenst\u00e4ndigkeit des gem\u00fctlich-holzvert\u00e4felten Vier-Sterne Hotels \u201eMarlet\u201c, das am Waldrand etwas abseits gut von den Sicherheitsbeamten abgeschirmt werden kann.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin und ihr Ehemann Joachim Sauer konnten den frequentierten Bergsteiger-Ort, in dem sich im Sommer ambitionierte Hochtourengeher genauso wie Familien mit Kindern und Liebhaber beschaulicher Almwege tummeln, binnen weniger Tage in einen Merkel-Fanclub verwandeln \u2013 ohne etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches zu tun. Die knapp zwei Merkel-Wochen in Sulden f\u00fchrten die hocheffektive Beliebtheitspolitik der Kanzlerin vor, die offenbar bestens funktioniert, ohne dass Merkel viel sagen oder gar tun muss.<\/p>\n<p>Alles begann mit einer Nachricht: Sie ist da. Das zumindest wusste die eigene Hotelchefin zu berichten, eine Einheimische. Auch die \u00f6rtliche Lokalzeitung wies auf die Ankunft der Kanzlerin hin und machte zugleich klar, dass die Vielbesch\u00e4ftigte Ruhe und Erholung suche. An der Dorfstra\u00dfe, die unterhalb des Merkel-Hotels entlang f\u00fchrt, sah man fortan Wanderer oder ausgestiegene Autofahrer, die mit ihren Zeigefingern und Kameraobjektiven in Richtung der Hotelterrasse fuchtelten. Da wohnt sie, die Kanzlerin. Und nat\u00fcrlich blieb man ihr fern, schlie\u00dflich wolle die hart arbeitende Regierungschefin, so sagte man, ihre Ruhe.<\/p>\n<p><strong>Mit Kappe im Sessellift<\/strong><br \/>\nDas hat Merkel zwar selbst nie gesagt, aber die Dorfbewohner wussten davon zu berichten. Der Seilbahnf\u00fchrer berichtete Tage sp\u00e4ter ungefragt, dass die Kanzlerin bereits den Gletscherweg unterhalb des Suldenferners gegangen sei, und dass sie das Sch\u00f6neck (3128 Meter) bestiegen habe mit einem Abstecher zur sch\u00f6nen K\u00e4lberalm. Man kam unweigerlich ins Staunen: Wow, wie gut trainiert sie doch sein m\u00fcsse, obwohl sie ja nicht mehr die J\u00fcngste ist. Ein Bergf\u00fchrer, der mit ihr regelm\u00e4\u00dfig in die Berge geht, best\u00e4tigte sp\u00e4ter, mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Kanzlerin in den Bergen unterwegs sei. Wenn ein Bergf\u00fchrer \u2013 selbst an Ruhe und Gelassenheit kaum zu \u00fcberbieten \u2013 Derartiges attestiert, dann muss wohl was dran sein. Denkt man, ob man will oder nicht.<\/p>\n<p>Dazu diese Bodenst\u00e4ndigkeit! Wie sie mit Kappe im Sessellift sa\u00df (ein Foto hatte mittlerweile die Runde gemacht). Diese Normalit\u00e4t (sie wurde auf der Terrasse des Hotels sitzend gesichtet, w\u00e4hrend ihr Mann Tageszeitung las)! Alles von weitem, schnappschussartig, gar nicht so aufdringlich PR-strategisch wie seinerzeit Helmut Kohl, der die Presse zu Homestories an den Wolfgangsee lud. Kein Mensch wei\u00df nat\u00fcrlich, ob sich Merkel ihrer Wirkung in diesem kleinen Bergsteigerdorf bewusst war. Anzunehmen ist es aber: Ihr System der Beliebtheits-Generierung durch demonstrative Zur\u00fcckhaltung funktioniert auf der Weltb\u00fchne genauso gut wie in entlegener Provinz.<\/p>\n<p>Selbst als sie w\u00e4hrend der Sulden-Tage einmal offen aus der Deckung kam, geriet ihr Auftritt gespenstisch gekonnt. Ungeschminkt, in l\u00e4ssigem Freizeitlook in einer unpr\u00e4tenti\u00f6sen Mehrzweckhalle. Bergsteigerlegende Reinhold Messner, ohnehin ein Merkel-Freund, hielt an diesem Abend einen Vortrag \u00fcber das Matterhorn, \u00fcber Triumph und Trag\u00f6die am formsch\u00f6nen Viertausender. Ein \u201eMultivisionsvortrag\u201c mit Leinwand und Stehpult, davor zig Reihen Funktionsst\u00fchle vor einer Biertheke, daneben die Toiletten. Solche Orte muss die Kanzlerin allenfalls in Wahlkampfzeiten betreten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150731-WA0011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1444\" src=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150731-WA0011-300x225.jpg\" alt=\"Angela Merkel und Reinhold Messner in Sulden\/S\u00fcdtirol, Juli 2015 (Quelle: Claus Teutenberg) \" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150731-WA0011-300x225.jpg 300w, http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150731-WA0011-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/martin-benninghoff.de\/WP\/index\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG-20150731-WA0011.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ungeschminkt, leise l\u00e4chelnd<\/strong><br \/>\nKurz vor Beginn des Vortrags pl\u00f6tzlich Unruhe am Seiteneingang: Limousinen fuhren vor, Merkel und ihr Ehemann schritten schnellen Schrittes, umringt von Sicherheitsbeamten, in den Saal. Handykameras blitzten auf, ein Kameramann eines lokalen TV-Senders kriegte mit seiner VJ-Kamera gerade noch die Kurve, um den Gast einzufangen. Merkel und ihr Tross setzten sich auf reservierte Sitze inmitten der Leute, keine Sicherheitsz\u00e4une, keine Ehrenloge, kein Schnickschnack. Messner begr\u00fc\u00dfte die Kanzlerin knapp als \u201eunsere Kanzlerin\u201c, was in der S\u00fcdtiroler Mehrzweckhalle dankbar aufgenommen wurde \u2013 nicht nur von den Deutschen, sondern auch von jenen aus der Umgebung angereisten S\u00fcdtirolern, die noch immer mit ihrem italienischen Pass hadern. Die Sache lief f\u00fcr Merkel jetzt schon rund, dabei hatte sie keinen Ton gesagt.<\/p>\n<p>Daran sollte sich w\u00e4hrend des Rests des Abends nichts mehr \u00e4ndern. Messner sprach zur Sache und erw\u00e4hnte die Kanzlerin kein einziges Mal mehr. In den Pausen aber setzte diese sich brav neben den Gastgeber und signierte dessen B\u00fccher. Auch fast wortlos. Aber ungeschminkt, unpr\u00e4tenti\u00f6s und leise l\u00e4chelnd. Die Touristen mit ihren Handykameras waren verz\u00fcckt ob dieser bodenst\u00e4ndigen Weltpolitikerin. Am Tag zuvor hatte Messner bei einer Wanderung \u00fcber Merkel gesagt, dass diese eine sehr diskrete und ruhebed\u00fcrftige Frau sei, die klasse zuh\u00f6ren k\u00f6nne. Das sagt Messner gerne, auch in Interviews, nat\u00fcrlich meist mit dem Zusatz, dass er Merkels Diskretion sch\u00e4tze und deshalb nicht mehr sagen wolle. Die Image-Duftmarken aber sind dann schon l\u00e4ngst gesetzt.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin selbst sagte in diesen Tagen: nichts. Musste sie nicht. Warum auch? Ihr Image war immer schon da, und es sollte auch bleiben, als sie schon weg war. Eine unschlagbare PR-Strategie. Wenn es denn eine Strategie ist. Sollte es eine sein, dann m\u00fcsste dringend ein neues Kapitel in Machiavellis Buch der Macht, \u201eDer F\u00fcrst\u201c, hinzugef\u00fcgt werden. \u00dcberschrift: Ist der Ruf erst zementiert, regiert es sich g\u00e4nzlich ungeniert.<\/p>\n<p><strong>Martin Benninghoff<\/strong>, <em>Journalist in Berlin, schreibt die OC-Kolumne \u201cGrenzg\u00e4nger\u201d jeden zweiten Mittwoch. Weitere Kolumnen bei OPINION CLUB: <a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/author\/martin-benninghoff\/\">Hier geht&#8217;s lang!<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Welcome back aus der Sommerpause! 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