{"id":1525,"date":"2015-11-04T13:39:36","date_gmt":"2015-11-04T11:39:36","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1525"},"modified":"2015-11-04T13:39:36","modified_gmt":"2015-11-04T11:39:36","slug":"er-ist-wieder-da","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1525","title":{"rendered":"Er ist wieder da!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.opinion-club.com\/2015\/11\/er-ist-wieder-da\/\"><strong>Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (04.11.2015)<\/strong> <\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Endlich wieder viel Phil Collins. Der britische Musiker hat sein Comeback angek\u00fcndigt. F\u00fcr seine Ver\u00e4chter ist das zwar ein Alptraum, aber denen geschieht es recht! Sussudio!<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In meiner Jugend \u2013 ja, die ist noch gar nicht so lange her -, da war eine gewisse Verbeugung vor den musikalischen Leistungen von Phil Collins in popkulturell interessierten Kreisen ungef\u00e4hr gleichbedeutend mit einem Loblied auf Erika Steinbach im linksalternativen Milieu. Hatte quasi den sozialen Tod zur Folge. B\u00e4h, Collins, Fahrstuhlmusik. B\u00e4h, Mainstream. B\u00e4h, Formatradiogedudel ohne Tiefgang. Und dann noch diese sterile Stimme! Die Effekte! <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ulIruwn40Yo\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #006fbb;\">Sussudioooooo<\/span><\/a>! B\u00e4h!<\/p>\n<p>Nach seinem R\u00fcckzug 2011 und tempor\u00e4rem Ruhestand kommt er jetzt wieder \u2013 er, der die Achtziger und Teile der Neunziger mit einer Hit-Kette und seiner Pr\u00e4senz dominierte, ja fast erstickte. Er will seine Alben neu auflegen und an neuer Musik arbeiten. Ein Soloalbum, eine Tournee. \u201eDas Pferd ist aus dem Stall, und ich sitze in den Startl\u00f6chern\u201c, sagte er dem Magazin \u201eRolling Stone\u201c.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte das noch f\u00fcr m\u00f6glich gehalten? Oder anders ausgedr\u00fcckt: F\u00fcr die \u201eMusikerpolizei\u201c, die Collins immer schon verachtete, wird ein schlimmer Alptraum Wirklichkeit. Und ich find\u2019s gut.<\/p>\n<p>Die schlimmsten Phil-Collins-Ver\u00e4chter stammten wie \u00fcblich aus den Kreisen ganz \u00fcbler Zeitgenossen, der \u201eMusikerpolizei\u201c: Menschen, die sich popkulturell definierten und dabei ganz besonders \u00fcber irgendwelche Hipster-Bands (egal wie schlecht die waren)\u00a0 sich irgendwie alternativ, intellektuell und subkulturell abgrenzten zu all dem angeblichen popul\u00e4ren Wischiwaschisounds, die unsere Aufz\u00fcge, Superm\u00e4rkte und Formatradios bev\u00f6lkerten. Phil Collins war f\u00fcr diese, pardon, Musikfaschisten das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel, das personifizierte Grauen.<\/p>\n<p>Musikerkollegen waren da differenzierter, wie so h\u00e4ufig in solchen Fragen. Zwar mochten viele Phil Collins auch nicht, einige f\u00fchlten sich nicht ber\u00fchrt von seiner Musik, andere konnten allenfalls noch mit dem Fr\u00fchwerk von \u201eGenesis\u201c, Collins Band, etwas anfangen, als die Musiker mit Peter Gabriel am Mikrofon und Collins am Schlagzeug Progressive-Frickel-Mucke zum Besten gaben. Fan bin ich auch nie geworden, daf\u00fcr reichte es nicht. Collins war okay, einige Songs fand ich gelungen.<\/p>\n<p>Aber immer haben echte Musiker zumindest anerkannt, was Collins auf die Beine gestellt hat: eine Reihe von Hits, darunter Klassiker wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ylITtfio9Mg\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #006fbb;\">\u201eIn the air tonight\u201c<\/span><\/a>, einen eigenen Stil und viel handwerkliches K\u00f6nnen in Komposition, musikalischer Umsetzung und Vermarktung. Dass Collins nicht nur ein passabler S\u00e4nger mit viel Wiedererkennungswert, sondern ein recht guter Drummer war und ist, d\u00fcrfte bekannt sein. Das muss man erst einmal selbst auf die Beine stellen \u2013 nicht so einfach, wie die Jungs der \u201eMusikerpolizei\u201c nat\u00fcrlich niemals erfahren werden. Weil sie es nie probiert haben.<\/p>\n<p><strong>Rapper ohne Ber\u00fchrungs\u00e4ngste<\/strong><br \/>\nJa, ich mag den Popstar Collins, nicht nur dessen Fr\u00fchwerk oder seine Jazz-Ausfl\u00fcge oder seine Gastschlagzeugspuren f\u00fcr Brian Eno oder Jethro Tull. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=53n2LeCU-Go\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #006fbb;\">Er wurde gesampelt und verhackst\u00fcckt von Rappern wie Tupac Shakur<\/span><\/a>, die immer schon ein unbelastetes Verh\u00e4ltnis zu musikalischen Heroen der Popwelt hatten und wenig Ber\u00fchrungs\u00e4ngste. Ihr eigenes Produkt war so stark, dass sie keinerlei nervt\u00f6tende Abgrenzung zu angeblich uncoolen Acts wie Collins n\u00f6tig hatten.<\/p>\n<p>Im Grunde \u2013 zu der These w\u00fcrde ich mich versteifen -, haben sich gerade die fachfremden Rapstars einen unverbauten Blick auf s\u00e4mtliche Pop- und Rockgew\u00e4chse erhalten. Und erst so einen Blick auf das Werk erhascht, w\u00e4hrend andere sich nur vom Image haben blenden lassen \u2013 in die eine wie die andere Richtung. Wenn sich Pop nur noch \u00fcber Abgrenzung definiert, dann ist Pop tot.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen spielt daf\u00fcr keinerlei Rolle, ob ein 64-j\u00e4hriger Mann wie Collins in Zukunft noch etwas Neues und Relevantes abliefert. Wenn man der These Glauben schenkt, dass K\u00fcnstler nur einige wenige Jahre bis zu einem Jahrzehnt in Hochform sind und danach in Ausdrucksst\u00e4rke und Kreativit\u00e4t abschlaffen, nun gut, dann wird ein \u00e4lterer Herr, dessen letzte Werke schon ein wenig an Zug vermissen lie\u00dfen, vielleicht nicht mehr zur\u00fcck auf den Musik-Olymp steigen.<\/p>\n<p>Aber wen interessiert\u2019s? Collins ist ein echter Mucker, ein Musiker mit Proberaumgeruch. Einer, der gerne mit anderen jammt, sich ans Drumset setzt und improvisiert. Solche Leute sind gern gesehen in einer Welt, die \u2013 Achtung, pauschale Kulturkritik \u2013 sich \u00fcberproportional mit Impression-Management, also der bewussten und unbewussten Selbstdarstellung, besch\u00e4ftigt. Davon gibt es wahrlich genug. Und wenn man Phil Collins einen Kalenderspruch wahrlich zugestehen kann, dann diesen: Ist der Ruf erst ruiniert, spielt sich\u2019s g\u00e4nzlich ungeniert. In diesem Sinne:<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6cCAcYOM7UQ\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #006fbb;\"> <em>Jesus he knows me \/ and he knows I\u2019m right.<\/em><\/span><\/a><\/p>\n<p><strong>Martin Benninghoff<\/strong>, <em>Journalist in Berlin und Redakteur bei \u201eG\u00fcnther Jauch\u201c, schreibt die OC-Kolumne \u201eGrenzg\u00e4nger\u201c jeden zweiten Mittwoch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolumne GRENZG\u00c4NGER bei OPINION CLUB (04.11.2015) Von Martin Benninghoff Endlich wieder viel Phil Collins. 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