{"id":1627,"date":"2016-03-27T13:07:28","date_gmt":"2016-03-27T11:07:28","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1627"},"modified":"2016-03-27T13:09:39","modified_gmt":"2016-03-27T11:09:39","slug":"reden-nicht-hassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1627","title":{"rendered":"Reden, nicht hassen!"},"content":{"rendered":"<div class=\"\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/migrationsdebatte-reden-nicht-hassen-14147233.html?printPagedArticle=true#\/elections\">Kommentar, erschienen bei FAZ.NET (27.03.2016)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Fl\u00fcchtlingskrise und Islam: In diesem Jahr dr\u00e4ngen politische Auseinandersetzungen ins Private wie lange nicht mehr. Gut so! Ein Kommentar.<\/strong><\/p>\n<p><a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/stil\/thema\/ostern\" data-rtr-id=\"f1794c287c21e96f26de10912af683340574782c\">Ostern<\/a>, das ist ja vor allem ein Familienfest. Wenn am Ostersonntag die Verwandtschaft anr\u00fcckt, im Keller die Torte k\u00fchlt steht und die Oma am Morgen noch schnell bunte Osterhasen hinterm Baum im Garten versteckt, damit die Enkel alsbald auf die Suche gehen k\u00f6nnen \u2013 dann riecht das alles nicht nur nach Fr\u00fchling, sondern vor allem nach Harmonie.<\/p>\n<p>In diesem Jahr allerdings drohen atmosph\u00e4rische St\u00f6rungen. Das Politische \u2013 die Fl\u00fcchtlingsfrage und die islamistischen Anschl\u00e4ge von Br\u00fcssel \u2013, dr\u00e4ngt so stark ins Private wie schon lange nicht mehr. Die Frontlinien verlaufen quer durch die Kaffeetafeln und Wohnzimmer; selten war die Gesellschaft bis hinein in die Doppelhaush\u00e4lften so polarisiert in der Frage, wie viel Einwanderung \u2013 und vor allem welche \u2013 gut f\u00fcr Europa sei.<\/p>\n<p>Das hat etwas Gutes. Endlich besteht die Chance, die Unkultur des Verdr\u00e4ngens und der Sprachlosigkeit in der Debatte um Einwanderung und den <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/islam\" data-rtr-id=\"4ed9b6363aa7dce4900db3bd3acf505bb95a71c2\">Islam<\/a> zu durchbrechen. Der Klo\u00df, der manchen im Hals steckt, wann immer es um Zuwanderung geht, geh\u00f6rt geschluckt. Das k\u00f6nnte die Debatte versachlichen. Wo bislang die Emotionen regierten, k\u00f6nnte wieder Raum f\u00fcr Sachlichkeit und die Kraft der Argumente entstehen.<\/p>\n<p>Die Sprachlosigkeit vieler bei der Frage, wie viel Einwanderung ein Land wie Deutschland vertr\u00e4gt, hat viel Schaden angerichtet: Der Sprachlose frisst Frust in sich hinein, was zu einer schleichenden Radikalisierung der Gedanken f\u00fchren kann. Negative Gef\u00fchle und leidlich versteckte Aggression bestimmen das Denken und \u00fcberdecken eine rationale Argumentation.<\/p>\n<p><strong>Die n\u00f6tigen Differenzierungen gehen verloren<\/strong><\/p>\n<p>Mit \u00fcblen Folgen: Die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft durch die Globalisierung und ihre immer massivere zeitliche Verdichtung werden pauschal \u201edem Fremden\u201c zur Last gelegt; den Einwanderern, den Muslimen, den Fl\u00fcchtlingen. Die notwendige Unterscheidung zwischen problematischen Entwicklungen \u2013 der \u00fcbersteigerten Religiosit\u00e4t mancher <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/muslime\" data-rtr-id=\"f3ba86260add0a0f7b1de1ba898af1e833bc190c\">Muslime<\/a>, den Problemen bei der Integration, der Gefahr der Radikalisierung bis hin zum Islamismus im Gegensatz zur positiven Entstehung eines modernen, europ\u00e4isch gepr\u00e4gten Islam \u2013 geht in solchen Schwarz-Wei\u00df-Debatten verloren.<\/p>\n<p>Verantwortlich daf\u00fcr ist ein Teufelskreis aus Sprachlosigkeit, dem Hang zum lauten Monologisieren bei gleichzeitigem Nichtzuh\u00f6ren, einem zunehmenden Fruststau und der steigenden Emotionalisierung der Debatte. Ergebnis: eine teils hassgepr\u00e4gte Debattenunkultur, die uns in Deutschland seit einigen Jahren um die Ohren fliegt, und eine fortschreitende Polarisierung, die die Gesellschaft in zwei Teile zu rei\u00dfen droht.<\/p>\n<p>Dabei bahnt sich diese Entwicklung schon lange an. Nach meinem <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/beruf-chance\/thema\/auslandssemester\" data-rtr-id=\"9dc3a00e70758074eebaedf2c2ae538aca75a754\">Studium<\/a> 2006 arbeitete ich eine Weile f\u00fcr die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akg\u00fcn. Das Besondere an ihr war nicht in erster Linie ihre europapolitische Arbeit im Parlament, sondern das, was sie war und wof\u00fcr sie im Politikbetrieb stand. Akg\u00fcn war eine der ersten t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Parlamentarierinnen im Bundestag und noch dazu\u00a0 Muslimin, auch wenn sie selbst nicht praktizierend war und f\u00fcr eine strikte Trennung von Staat und Religion eintrat.<\/p>\n<p>Trotzdem war die Kombination muslimisch und t\u00fcrkischst\u00e4mmig f\u00fcr etliche B\u00fcrger schon eine pure Provokation. Manche schrieben hasserf\u00fcllte Mails und Briefe an das Bundestagsb\u00fcro, was weniger \u00fcberraschte, weil derlei Beschimpfungen nicht erst seit <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/thema\/facebook\" data-rtr-id=\"47e0b3e1a25a8c8ea5d799a0bc2d6e74a811615d\">Facebook<\/a> immer h\u00e4ufiger werden. Viel bemerkenswerter waren die Klischees und die sprachlose Zur\u00fcckweisung Akg\u00fcns in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis. Selbst bei diesen \u2013 wie ich bis dahin dachte \u2013 aufgekl\u00e4rten Mitmenschen dominierten negative Klischees \u00fcber Einwanderer (selbst wenn diese, wie Akg\u00fcn, schon seit Anfang der sechziger Jahre in Deutschland leben und selbst konservative Positionen wie Kritik am Kopftuch \u00e4u\u00dfern).<\/p>\n<p><strong>Auf Schlagworte folgte Sprachlosigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur, dass manchen offenbar nicht mehr einfiel als \u201eEhrenmord\u201c oder \u201eParallelgesellschaft\u201c, sobald die Rede auf Einwanderung kam. Schlimmer war die Sprachlosigkeit, die stets auf die Schlagworte folgte. Statt \u00fcber die richtigen und falschen Ans\u00e4tze in der Einwanderungspolitik zu debattieren, die Missst\u00e4nde klar zu benennen, aber auch die m\u00f6glichen positiven Seiten der Migration f\u00fcr unsere Gesellschaft zu sehen, \u00e4u\u00dferten manche nur noch vage Mutma\u00dfungen und Andeutungen \u2013 offenbar hatte ihnen der Klo\u00df im Hals, den sie beim Thema Einwanderung versp\u00fcrten, die Sprache verschlagen. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der mir, nachdem zwei Bier die Zunge gelockert hatten, verschw\u00f6risch zuraunte: \u201eDie Integration ist gescheitert.\u201c Triumphierender Blick. Ende der Diskussion.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland de facto bereits ein Einwanderungsland und die Integration eben nicht auf ganzer Linie gescheitert, wie manche Schlagzeilen weismachen wollten. Viele im Land wollten das nur nicht wahrhaben, und manche in der Politik nutzten die Stimmen im Volk f\u00fcr ihre Zwecke. Im europ\u00e4ischen Ausland \u2013 in Frankreich, den Niederlanden, in \u00d6sterreich und anderen Staaten \u2013 war der als Rechtspopulismus bem\u00e4ntelte Rechtsextremismus schon l\u00e4ngst im Parteienspektrum angekommen, alleine in Deutschland fehlte noch eine Partei, die solche Stimmen lautstark in die Debatte brachte. Die <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/afd\" data-rtr-id=\"87b843b4a748f9fbc00b47fa4b20f8b6c9dfad29\">AfD<\/a> war noch nicht geboren.<\/p>\n<p>Aber auch ohne die AfD wurde das Thema Einwanderung, auf dem sich mit pragmatischen Weichenstellungen relativ viel erreichen l\u00e4sst, weitgehend einer gef\u00fchlsgesteuerten Stimmungsmache \u00fcberlassen, statt eine rationale, den Bed\u00fcrfnissen von Einheimischen und Einwanderern zugewandte\u00a0 Politik zu verfolgen. Migrationswissenschaftler waren merkw\u00fcrdig still oder wurden nicht geh\u00f6rt. Mit dem Resultat, dass das Einwanderungsland Deutschland noch immer kein Einwanderungsland sein durfte, das die Dinge pragmatisch regelt \u2013 etwa mit einem sinnvollen Punktesystem zur Steuerung von Einwanderung oder einer klaren und unmissverst\u00e4ndlichen Islampolitik, die zu unterscheiden wusste zwischen fortschrittlicher Theologie und dem vielerorts in Koranschulen verbreiteten R\u00fcckschrittislam, der den N\u00e4hrboden f\u00fcr Extremismus bereitet.<\/p>\n<p>Die Folgen waren kurios: Als die vom damaligen SPD-Bundeskanzler <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/gerhard-schroeder\" data-rtr-id=\"3b653db0222213576cfaf7b889a08c55fd8f05f7\">Gerhard Schr\u00f6der<\/a> eingesetzte und von der CDU-Politikerin Rita S\u00fcssmuth geleitete Kommission zur Steuerung von Zuwanderung 2001 ein Punktesystem zur Auswahl von Migranten nach \u00f6konomischen Kriterien vorschlug, hielten die Konservativen in Politik und Gesellschaft dagegen, weil viele eine Punkteregelung f\u00fcr das Eingest\u00e4ndnis hielten, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. Womit sie ja durchaus richtig lagen. Doch sp\u00e4testens zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tten wir uns als Gesellschaft eingestehen m\u00fcssen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Nur wer sich der Realit\u00e4t bewusst ist, kann die n\u00f6tigen Weichenstellungen vornehmen.<\/p>\n<p><strong>Mit Sarrazin ver\u00e4nderte sich die Debatte<\/strong><\/p>\n<p>Doch die Debatte dar\u00fcber blieb zun\u00e4chst eine Debatte der politisch-publizistischen Eliten. Viele Normalb\u00fcrger, die sich mit der real existierenden Einwanderungsgesellschaft und dem sich ver\u00e4ndernden Status Quo nicht arrangieren konnten, f\u00fchlten sich nicht repr\u00e4sentiert und blieben sprachlos \u2013 bis <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/thilo-sarrazin\" data-rtr-id=\"2a404bb1173c30bcb774738f613bd1c7341be74c\">Thilo Sarrazin<\/a> kam. 2010 avancierte der ehemalige Bundesbankvorstand und SPD-Politiker mit seinem Buch \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c zum Stichwortgeber und Stellvertreter-Aussprecher f\u00fcr die Sprachlosen im Land. Endlich einer, der die Probleme anspreche, dachten und \u00e4u\u00dferten sich viele. Sarrazins Buch wurde deshalb zum Bestseller, weil es f\u00fcr viele stellvertretend zum Ablassventil wurde, um den Frust zumindest kurzzeitig loszuwerden.<\/p>\n<p>Die Einwanderungsdiskussion war nach Sarrazin eine andere, die D\u00e4mme des Schweigens erhielten erste Risse. Auch in meinem weiteren Bekanntenkreis trauten sich nun manche, bei Facebook oder anderswo Partei f\u00fcr Sarrazin zu ergreifen. Aber vorsichtig, denn noch immer herrschte die Angst, in eine rechte Ecke gestellt zu werden. Einige posteten den Vorabdruck von Sarrazins Buch, kommentierten diesen aber nur zur\u00fcckhaltend oder gar nicht.<\/p>\n<p>Mit der Fl\u00fcchtlingspolitik, die die deutsche Einwanderungsdebatte seit 2015 dominiert, brachen dann endg\u00fcltig die D\u00e4mme. Die Grenzen zwischen den berechtigten Sorgen \u00fcber die Aufnahme- und Integrationskapazit\u00e4t der Kommunen und irrationalen Fremden\u00e4ngsten verwischten. Mit den Vorf\u00e4llen an Silvester in K\u00f6ln kulturalisierte sich die Debatte zunehmend \u2013 hatten manche zu \u201eSarrazin-Zeiten\u201c noch die angeblich mangelnde Integrationsbereitschaft der T\u00fcrken beklagt, r\u00fcckten nun arabischst\u00e4mmige Einwanderer aus Nordafrika in den Fokus der Diskussion.<\/p>\n<p>Und ich \u00fcberlegte erstmals, ob ich bei Facebook nicht dringend einige Bekannten \u201eentfreunden\u201c m\u00fcsste. Einer fing pl\u00f6tzlich an, tendenzi\u00f6se Zeitungsartikel zu posten, verlinkte Hetzartikel \u00fcber angebliche Verbote von Schweinefleisch in Schulkantinen, \u00fcber Muslime, die blonde Frauen bedr\u00e4ngten oder Weihnachtsm\u00e4rkte, die angeblich umbenannt werden sollten, weil sich Muslime gest\u00f6rt f\u00fchlten von christlichen Veranstaltungen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;No go areas in deutschen Kleinst\u00e4dten?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das war zwar alles erlogen oder hatte ganz andere Gr\u00fcnde,aber er nahm die Hetzgeschichten grunds\u00e4tzlich f\u00fcr bare M\u00fcnze. Anderen merkte man ihr neues Vokabular des Hasses an, das sie auf rechtsextremen Internetseiten wie \u201ePolitically Incorrect\u201c aufgesaugt hatten, \u201eKulturbereicherer\u201c f\u00fcr Muslime zum Beispiel. Einer behauptete, in seiner Kleinstadt nicht mehr sicher auf die Stra\u00dfe gehen zu k\u00f6nnen und Angst um seine Kinder zu haben. Auch das ein M\u00e4rchen zwar, aber ein wirkm\u00e4chtiges, das die Behauptungen der AfD fortf\u00fchrte, in deutschen St\u00e4dten wie Bergkamen gebe es \u201eno go areas\u201c.<\/p>\n<p>Durch die Fl\u00fcchtlingsdebatte, die rechtspopulistische Stimmungsmache wie von der AfD und die sich h\u00e4ufenden islamistischen Anschl\u00e4ge wie zuletzt in Br\u00fcssel hat sich die Emotionalit\u00e4t der Debatte noch weiter aufgeheizt. Selbst eher analytische Typen argumentieren pl\u00f6tzlich v\u00f6llig irrational, wenn es um Einwanderung geht \u2013 aber woher kommen diese Angst und diese Emotionalit\u00e4t? Der K\u00f6lner Psychoanalytiker Matthias Wellershoff hat neulich in der \u201eZeit\u201c berichtet, welche Motive ihm in seiner Praxis begegneten: Es seien eher die \u00c4ngstlichen und Depressiven, die sich in Abschottung und Sprachlosigkeit \u2013 und hinterher m\u00f6glicherweise in Hass \u2013 fl\u00fcchteten. Jene, die in der Unf\u00e4higkeit verharrten, \u201eaus einem vorgefertigten Leben mit mutigen Entscheidungen\u201c ihr eigenes Leben zu machen. Deren Inseln der Abschottung \u2013 das Private, die Kleinstadt und die griechische Urlaubsinsel \u2013 werden in der Fl\u00fcchtlingskrise erstmals direkt mit der Globalisierung und ihren Schattenseiten wie der Armuts- und Fluchtmigration konfrontiert. F\u00fcr viele ist das eine Zumutung. Menschen, die sich in ihrem Leben ohnehin ohnm\u00e4chtig und den Dingen ausgeliefert f\u00fchlen, neigen entsprechend st\u00e4rker als andere dazu, sich angesichts der neuen Herausforderungen noch hilfloser und ungesch\u00fctzter zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Das passt auch zu den Erkenntnissen \u00fcber den durchschnittlichen Pegida-Demonstranten: Es sind ja nicht ausschlie\u00dflich die real Abgeh\u00e4ngten, die ihre Angstgef\u00fchle in einen Zorn auf \u201edas Fremde\u201c projizieren; es sind Teile der Mittelschicht, die Angst vor dem Abstieg haben, die ihr Leben lang Erwartungen erf\u00fcllt, ihr H\u00e4uschen zusammengespart, aber stets auch das Risiko gescheut haben. Unternehmertypen, die Erfolg und Niederlage kennen, ohne in Depressivit\u00e4t und Passivit\u00e4t zu verharren, darauf macht auch der Psychoanalytiker Wellershoff aufmerksam, werden f\u00fcr die Angstparolen der AfD weniger anf\u00e4llig sein.<\/p>\n<p>Was die Frage nach den psychologischen Ursachen f\u00fcr Fremdenfeindlichkeit und den Gegenma\u00dfnahmen aufwirft: Reicht es aus, Ungleichheit \u00f6konomisch auszutarieren, um Konkurrenzgef\u00fchle der einheimischen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen zu vermeiden? Wohl kaum, da die \u00f6konomische Sicherheit der Mittelschicht offenbar eben nicht ausreichend gegen Fremdenfeindlichkeit impr\u00e4gniert. Im Gegenteil: Wer hat, der hat auch Angst \u2013 vor Verlust. Machen Fl\u00fcchtlinge, die um ihr Leben k\u00e4mpfen, auch deshalb Angst, weil die Arrivierten um nichts (mehr) k\u00e4mpfen m\u00fcssen? Macht der Islam auch deshalb Angst, weil die anderen mit Glauben nichts mehr am Hut haben?<\/p>\n<p><strong>Demokratie bietet nicht allen gen\u00fcgend Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama weist darauf hin, dass die liberale Demokratie zwar Wohlstand und Sicherheit biete, aber deshalb noch lange keine Identit\u00e4t stifte. Und um Identit\u00e4t geht es ja immer, wenn von Einwanderung die Rede ist. Die Nation bildet da f\u00fcr manchen einen Rettungsanker, der Stolz, Halt und ein Gemeinschaftsgef\u00fchl gibt; psychisch stabilisiert durch eine Abgrenzung gegen das Andere, das Fremde. So wie f\u00fcr andere \u2013 ob Migrant oder nicht \u2013 der Salafismus eine Flucht zur Selbstwertstabilisierung ist. Sie holen sich dort ihre Identit\u00e4t, wo wir es als Gesellschaft nicht verm\u00f6gen, ihnen gen\u00fcgend Halt zu geben.<\/p>\n<p>Die Frage bleibt, was tun? Zun\u00e4chst einmal sollten wir die psychologischen Ursachen der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft in den Blick nehmen \u2013 und eine ernsthafte Auseinandersetzung suchen, die sich nicht in Schlagworten, Monologen oder gar Sprachlosigkeit ersch\u00f6pft. Bislang habe ich deshalb kaum jemanden bei Facebook entfreundet. Eine Verweigerungshaltung, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, versch\u00e4rft nur die Polarisierung. Und sollte ich bei Partys k\u00fcnftig wieder fremdenfeindliche Spr\u00fcche h\u00f6ren, werde ich die Diskussion suchen. F\u00fcr Oster-Harmonie bleibt in Zukunft noch gen\u00fcgend Zeit.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentar, erschienen bei FAZ.NET (27.03.2016) Von Martin Benninghoff Fl\u00fcchtlingskrise und Islam: In diesem Jahr dr\u00e4ngen politische Auseinandersetzungen ins Private wie lange nicht mehr. Gut so! Ein Kommentar. Ostern, das ist ja vor allem ein Familienfest. Wenn am Ostersonntag die Verwandtschaft&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1627\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Reden, nicht hassen!<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,11,1],"tags":[149,302,304,375],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1627"}],"collection":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1627"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1630,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1627\/revisions\/1630"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}