{"id":1643,"date":"2016-05-03T12:32:30","date_gmt":"2016-05-03T10:32:30","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1643"},"modified":"2016-05-03T12:36:20","modified_gmt":"2016-05-03T10:36:20","slug":"jetzt-reden-die-leser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1643","title":{"rendered":"Jetzt reden die Leser"},"content":{"rendered":"<div class=\"\">\n<p class=\"First PreviewPagemarker\"><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/leser-reaktionen-auf-fluechtlingskrise-islam-in-deutschland-14206348.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">Erschienen bei FAZ.NET (03.05.2016)<\/a><\/p>\n<p class=\"First PreviewPagemarker\"><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p class=\"First PreviewPagemarker\"><em>In der Einwanderungsdebatte machen wir alle unsere \u00c4u\u00dferungen, setzen Punkte und Ausrufezeichen, aber nur selten Fragezeichen. So kommen wir nicht ins Gespr\u00e4ch. Deshalb haben wir mal ein paar Leser angerufen.<\/em><\/p>\n<p id=\"pageIndex_1\" class=\"First PreviewPagemarker\">Wer als Journalist \u00fcber Einwanderung, den <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/islam\" data-rtr-id=\"4ed9b6363aa7dce4900db3bd3acf505bb95a71c2\">Islam<\/a> oder andere Themen schreibt, die die Leser emotionalisieren, darf sich nicht wundern, harsche Reaktionen zu ernten. Sachliche und weniger sachliche, bedenkenswerte, aber auch solche, die den Autor blo\u00df herabw\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>In dieser Bandbreite ist das auch nach der Ver\u00f6ffentlichung eines l\u00e4ngeren <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/migrationsdebatte-reden-nicht-hassen-14147233.html\">Kommentars auf FAZ.NET geschehen,<\/a> in dem es um die <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/fluechtlinge\" data-rtr-id=\"4dd49ae10f17468059dd276404b10b6085707732\">Fl\u00fcchtlingskrise<\/a> und den Islam ging, vor allem aber um die Frage, wie sehr in diesem Jahr \u00f6ffentliche und politische Auseinandersetzungen \u00fcber den richtigen Kurs in der Fl\u00fcchtlingspolitik ins Private dr\u00e4ngen und f\u00fcr Risse mitten durch Familien und Freundeskreise sorgen.<\/p>\n<p>Die Reaktionen auf den Kommentar lie\u00dfen nicht lange auf sich warten: Im moderierten Leserforum der F.A.Z. liefen bis zur Schlie\u00dfung der Kommentarfunktion 130 Meinungsbeitr\u00e4ge von Lesern ein. An den Autor selbst gingen Dutzende Mails, und auch in den nicht immer sozialen Netzwerken <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/technik-motor\/thema\/facebook\" data-rtr-id=\"47e0b3e1a25a8c8ea5d799a0bc2d6e74a811615d\">Facebook<\/a> und Xing meldeten sich viele zu Wort \u2013 einige mit sachlicher Kritik, andere mit Wutausbr\u00fcchen (\u201eDu Volldepp\u201c).<\/p>\n<p><strong>Shitstorm inklusive<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem die FA.Z.-Lesermeinungen waren sachlich-kritisch, und nur am Rande lie\u00dfen sich pers\u00f6nliche Herabw\u00fcrdigungen oder Beleidigungen des Autors erahnen. Alles nicht schlimm. Aber auf der rassistischen Internetseite \u201ePoliticially Incorrect\u201c regnete ein Shitstorm mit mehr als 200 Kommentaren auf den Autor herab, nachdem dort Ausz\u00fcge aus dem Kommentar, aus dem Zusammenhang gerissen und sinnentstellend kommentiert, ver\u00f6ffentlicht worden waren, die anstacheln mussten, weil sie anstacheln sollten.<\/p>\n<p>Auf so etwas als Journalist zu reagieren, bringt nichts. Die Menschen, die auf solchen Seiten unterwegs sind, k\u00f6nnen oder wollen nicht \u00fcber Sachargumente streiten. Ihre w\u00fctenden Tiraden gegen \u201edas Fremde\u201c und vor allem \u2013 in aller Pauschalit\u00e4t \u2013 gegen Muslime richten sich blind und \u2013 offenbar in einer dichotomen Schwarz-Wei\u00df-Welt gefangen \u2013 gegen alles, was sie als Teil eines vermeintlich linksliberalen \u201enaiven Gutmenschen-Kartells\u201c verorten. Sie lesen nur das heraus, was sie lesen wollen, und sie machen sich noch nicht einmal die M\u00fche, den Originaltext zu lesen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, nicht verbal und nicht mit der Computertastatur.<\/p>\n<p><strong>Aus der Ferne br\u00fcllt es sich leichter<\/strong><\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich mit vielen Diskutanten bei FAZ.NET. Im Leserforum herrschte zwar ebenfalls ein emotionaler und leicht aggressiver Ton, aber meist auf der Grundlage von Argumenten. Das muss man als Journalist aushalten. Zumal harsche Formulierungen m\u00f6glicherweise der Distanz zwischen Journalisten und den Lesern geschuldet sind \u2013 aus der Ferne br\u00fcllt es sich eben auf beiden Seiten leichter, erst recht, wenn man sich nicht pers\u00f6nlich kennt, dem Gegen\u00fcber nicht in die Augen schaut und seine Stimme nicht h\u00f6rt. Ein Gespr\u00e4ch ist somit nur bedingt m\u00f6glich und besteht eher aus gegenseitigen apodiktischen \u201eSo ist es\u201c-Aussagen. Schwierig f\u00fcr einen Dialog.<\/p>\n<p>Also, was nun? Wollen wir uns weiter anschreien? Oder vielleicht miteinander reden? Ich habe deshalb einfach mal bei einigen Lesern angerufen. Die waren ziemlich \u00fcberrascht, dann aber bis auf zwei Ausnahmen zu einem Telefongespr\u00e4ch bereit.<\/p>\n<p id=\"pageIndex_2\">Erste Erkenntnis: Die Stimmung war gut. Manche erkl\u00e4rten, sie h\u00e4tten sich zu diesem oder jenem harten Kommentar hinrei\u00dfen lassen, was fast entschuldigend klang, aber sie h\u00e4tten sich einfach so aufgeregt \u00fcber diesen oder jenen Punkt, auch wenn andere Aspekte richtig seien. Und sie seien an einem echten Austausch sehr interessiert, wenn es nicht nur darum gehe, \u201eals Freaks aus der rechten Ecke vorgef\u00fchrt zu werden\u201c, wie ein Leser bef\u00fcrchtete. Nein, danke, kein Bedarf an der Vorf\u00fchrung rechter Freaks. Zumal unter den Gespr\u00e4chspartnern, soweit man das beurteilen konnte, keine rechten Freaks zu finden waren.<\/p>\n<p>Vier Hauptkritikpunkte der Leser \u2013 und einige Nachfragen:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Kritische Fragen nach dem Sinn und Unsinn von Einwanderung und der aktuellen Fl\u00fcchtlingspolitik traut man sich nicht auszusprechen, weil man gleich mit der Moralkeule erschlagen wird.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Frank Kr\u00fcger, ein 58 Jahre alter Polizist aus Neckargem\u00fcnd, meint, \u201edie Medien\u201c kaschierten Probleme wie eine angeblich besonders hohe Fl\u00fcchtlingskriminalit\u00e4t, indem sie beispielsweise nicht \u00fcber die Herkunft der T\u00e4ter berichteten. Das stimmt zwar so nicht, weil die meisten Medien, auch die F.A.Z., der Empfehlung des Deutschen Presserates folgen, wonach Religion oder Herkunft zu nennen sind, wenn es einen begr\u00fcndeten Sachbezug zur Straftat gibt. Trotzdem: Der Leser hat das Gef\u00fchl, einer Art medialem Schweigekartell ausgeliefert zu sein, und wie ihm geht es allen Lesern, die am Telefon waren.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug: <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/andreas-mueller\" data-rtr-id=\"d4948b655b5b67808e82a4b77fa44373ca036cc1\">Andreas M\u00fcller<\/a>, 29 Jahre alt und Lehramtsstudent aus Frankfurt, st\u00f6\u00dft am Journalismus \u201edie p\u00e4dagogische Attit\u00fcde\u201c auf, den Lesern nicht nur Fakten zu pr\u00e4sentieren, sondern sie gleichsam erziehen zu wollen. Das Curriculum: Ein guter, ein besserer Mensch zu werden, nach einer Moral, die in der Politik und in der journalistisch-publizistischen Elite erdacht werde. Eine starke Moralisierung der Fl\u00fcchtlingsdebatte beispielsweise, so M\u00fcller, bei der die \u00d6ffnung der Grenzen zur menschenrechtlich-humanistischen Alternativlosigkeit verkl\u00e4rt werde, w\u00e4hrend die Gegner dieser Politik zu dumpfen Nazi-Backen erkl\u00e4rt w\u00fcrden, verhindere eine sachliche Auseinandersetzung \u00fcber die Folgen von Zuwanderung f\u00fcr die Integrationsf\u00e4higkeit des Landes.<\/p>\n<p>Ein Argument, das andere ebenfalls umtreibt: \u201eMoral muss diskutabel sein\u201c, fordert ein Leser aus K\u00f6ln, und eine Leserin aus Bochum sagt: \u201eReden ist gut. Oder soll doch nur wieder ein bestimmtes Reden zugelassen werden?\u201c<\/p>\n<p>Offenbar herrscht bei manchen ein Gef\u00fchl der Marginalisierung im Diskurs vor, manchmal f\u00e4llt auch das Wort \u201eZensur\u201c. Interessanterweise werden die Hinweise auf die Vielzahl einwanderungskritischer Stimmen in den Medien \u2013 so auch bei der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/buchautor-thilo-sarrazin-ueber-fluechtlingskrise-und-afd-14195873.html\">FAZ k\u00fcrzlich etwa das Interview mit Thilo Sarrazin<\/a> \u2013 zwar als mildernde Umst\u00e4nde hingenommen. Am Gesamteindruck, in der Debattenkultur irgendwie unter die R\u00e4der zu kommen, \u00e4ndert das aber nichts.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sachliche Positionen werden oft pauschal in die rechte Ecke gestellt und psychologisierend als \u00c4ngste abgetan.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Viele Leser haben den Eindruck: Wer f\u00fcr Einwanderung argumentiere, gelte in der \u00f6ffentlichen Debatte als sachlich, rational und intellektuell; wer kritisch sei, hingegen als Hasenfu\u00df, dessen \u00c4ngste allenfalls in einem pathologischen Sinne ernst genommen werden m\u00fcssten. Eine Leserin aus dem Ruhrgebiet beschreibt dies so: \u201eAuf der einen Seite stehen Humanit\u00e4t und Moral, Offenheit und Modernit\u00e4t und Zukunftsvision, auf der anderen Seite stehen Schweigen, Bunker, irrationale Angst, Dumpf- und Dummheit und Hass.\u201c<\/p>\n<p id=\"pageIndex_3\">Auf diese Art und Weise werde man als kritischer Geist \u201einfantilisiert\u201c, merkt Leser Andreas M\u00fcller an. \u201eIn diesem Klima ist keine Debatte m\u00f6glich.\u201c Und ein K\u00f6lner Leser sagt: \u201eIst es verwunderlich, wenn jemandem die Meinungsf\u00e4higkeit abgesprochen oder seine Meinung freundlich l\u00e4chelnd als pathologisch eingestuft wird, dass da auch Aggressionen aufkommen k\u00f6nnen?\u201c Eine andere Strategie sei die \u201eDiffamierung von Gegenrede als Hass\u201c.<\/p>\n<p>Das gibt in der Tat zu denken: H\u00e4ufig, wahrscheinlich zu h\u00e4ufig werden solche rhetorischen Strategien angewendet, um die Oberhoheit in einer Debatte zu erlangen und \u201esiegreich\u201c vom Feld zu gehen. Allerdings ist das kein exklusives Mittel der \u201elinken\u201c Seite. Auch Rechtskonservative bedienen sich solcher Mittel, indem sie linksliberale Ansichten als naiv, traumt\u00e4nzerisch oder als \u201eGutmenschentum\u201c abqualifizieren, derweil sie sich selbst eine gro\u00dfe Sachlichkeit und Faktentreue attestieren \u2013 eine bei <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/thilo-sarrazin\" data-rtr-id=\"2a404bb1173c30bcb774738f613bd1c7341be74c\">Thilo Sarrazin<\/a> und auch Frauke Petry sehr beliebte rhetorisch-argumentative Waffe. Die AfD hat diese Strategie gar zu ihrem Slogan gek\u00fcrt: \u201eMut zur Wahrheit\u201c. Wer die Wahrheit gepachtet hat, kann so falsch ja nicht liegen.<\/p>\n<p>Die Unterscheidung zwischen Fakt und Vorurteil ist allerdings nicht so einfach, wie es scheint. Nat\u00fcrlich haben sich manche Medien nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als sie \u2013 wie zu Beginn der Fl\u00fcchtlingskrise \u2013 besonders den syrischen Arzt als fast schon typischen Fl\u00fcchtling in den Mittelpunkt der Berichterstattung stellten oder \u00fcberproportional viele Familien und Kinder zeigten, obwohl Fl\u00fcchtlinge h\u00e4ufig junge M\u00e4nner sind.<\/p>\n<p>Wer das moniert, ist nat\u00fcrlich kein Rassist; allerdings ist die Sache mit den jungen M\u00e4nnern auch nicht ganz so harmlos wie es scheint: Warum in aller Welt sollen junge M\u00e4nner so viel bedrohlicher sein? Was wird jungen M\u00e4nnern per se unterstellt, und dann noch jenen aus dem arabischen Raum? Vielleicht w\u00e4re es gut, nicht nur Selbstkritik von anderen zu verlangen, sondern auch nach den eigenen Motiven und Vorurteilen im Kopf zu forschen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Debatten d\u00fcrfen emotional sein! Wer bestimmt, dass nur eine gewisse Terminologie benutzt werden kann, die von einer Seite als moralisch integer festgelegt wurde?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein Leser, der anonym bleiben m\u00f6chte, bef\u00fcrchtet \u201ePauschal-Urteile und Shitstorms, die zu erheblichen und sozialen Nachteilen f\u00fchren k\u00f6nnen\u201c, sobald er sich im privaten und beruflichen Umfeld kritisch zur Fl\u00fcchtlingskrise \u00e4u\u00dfere. Ein anderer behauptet, in den Achtziger Jahren seien harte Diskussionen \u2013 mit teils z\u00fcnftigen und \u201epolitisch inkorrekten\u201c Ausdr\u00fccken \u2013 noch m\u00f6glich gewesen, er bem\u00fcht das Bild der rauchgeschw\u00e4ngerten Fernsehdebatten mit Brandt, Wehner, Kohl und Strau\u00df, bei denen die Fetzen geflogen seien. Sein Pl\u00e4doyer: \u201eStammtische sind nichts Schlimmes.\u201c Heute, findet er, werde doch jede emotionsgeladene, vielleicht auch mal ungerechte \u00c4u\u00dferung gleich auf dem Altar der \u201ePolitical Correctness\u201c geopfert.<\/p>\n<p>Ganz allgemein mag an dieser Aussage etwas dran sein. Aber im Detail stellt sich die Sache schon etwas anders dar: Es kann doch nicht erstrebenswert sein, auf notwendige Differenzierungen zu verzichten, nur weil das fr\u00fcher gang und g\u00e4be war oder am Stammtisch angeblich so sein muss. Wer in der \u00f6ffentlichen Debatte permanent und pauschal von \u201edem Islam\u201c und \u201eden Muslimen\u201c spricht, die generell und f\u00fcr alle Zeit nat\u00fcrlich unvereinbar mit Demokratie und Rechtsstaat seien, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht wirklich an der L\u00f6sung real existierender Probleme mit Islamismus und bestimmten Gruppierungen und Lesarten des Islam interessiert zu sein. Denn nur wer differenziert, kann an den richtigen Stellschrauben drehen \u2013 und zum Beispiel die liberalen Muslime f\u00f6rdern, statt sie in einen Topf mit den Extremisten zu werfen.<\/p>\n<p id=\"pageIndex_4\">Das sehen die meisten angerufenen Leser auf Nachfrage \u00fcbrigens genauso \u2013 sie w\u00fcnschen sich mehr Differenzierung. Trotzdem beklagt ein Leser aber zugleich: \u201ePauschalisiert wird doch von beiden Seiten, wenn beispielsweise bei Menschen aus Nordafrika und dem Balkan von Fl\u00fcchtlingen gesprochen wird, obwohl das Menschen sind, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden kommen, aber nicht politisch verfolgt werden.\u201c<\/p>\n<p>Durch Differenzierungen auf beiden Seiten lie\u00dfe sich in der Tat ein echter Dialog ansto\u00dfen: Eine Leserin, die sich in ihrem Netzkommentar noch relativ unvers\u00f6hnlich in puncto Einwanderung ge\u00e4u\u00dfert hatte, umtreibt per telefonischer Nachfrage nicht eine allgemeine Fremdenangst, sondern vielmehr die Furcht vor einer Bev\u00f6lkerung, die durch problematische Einwanderung \u201ein ihren Wertma\u00dfst\u00e4ben zunehmend inhomogen\u201c sei. Darauf \u2013 was das Ziel einer allgemein anerkannten und gelebten modernen freiheitlichen-demokratischen Grundordnung angeht \u2013 k\u00f6nnen wir uns einigen. \u00dcber die Wahl der Mittel zur Erreichung dieses Ziels vielleicht vorerst nicht.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die politische Klasse und die journalistische Kaste sind von den Alltagserfahrungen der Menschen meilenweit entfernt.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn von den Angerufenen keiner das Unwort \u201eL\u00fcgenpresse\u201c in den Mund nahm, scheint das Vertrauen in die Urteilsf\u00e4higkeit von Journalisten zumindest bei dieser kleinen Auswahl an Menschen ersch\u00fcttert. Eine Beobachtung, die sich auch mit den Ergebnisse einer Studie deckt, nach der mehr als jeder zweiter Deutsche die Medien f\u00fcr &#8222;gelenkt&#8220; h\u00e4lt. Ein Leser schreibt: \u201eSie bewegen sich doch ausschlie\u00dflich in Ihrem journalistischen Elfenbeinturm. Mit normalen Menschen, die als Krankenschwester, Polizeibeamter, Sekret\u00e4rin oder Techniker arbeiten, haben Sie doch gar nichts zu tun.\u201c An anderer Stelle vermutet er Politiker und Journalisten in \u201eTown- und Penthouses, Lofts oder im alternativen Kiez\u201c, wo sie \u201esowieso nur mit ihresgleichen reden\u201c.<\/p>\n<p>Das ist zwar ma\u00dflos \u00fcberzogen (erst recht im pers\u00f6nlichen Fall), zumal der Journalistenberuf nur selten zu einem Leben in Saus und Braus bef\u00e4higt. Aber tats\u00e4chlich gibt es Journalisten, die sich vornehmlich in ihren eigenen Milieus herumtreiben und daraus ihre Weltsicht beziehen. Die Norm aber ist das bei den \u201edrau\u00dfen\u201c recherchierenden Kollegen sicherlich nicht, und au\u00dferdem gilt diese soziologische Diagnose wohl ann\u00e4hernd f\u00fcr jeden. K\u00f6nnte es nicht auch andersherum sein, dass ein Polizist, der ausschlie\u00dflich mit kriminellen Ausl\u00e4ndern zu tun hat, f\u00fcr sich selbst ein verzerrtes Bild von Einwanderung entwickelt? So wie auch eine sozialp\u00e4dagogische Fachkraft in der Familienhilfe m\u00f6glicherweise ein verzerrtes Bild der sozialen Wohnverh\u00e4ltnisse in der Gesamtheit entwickeln kann?<\/p>\n<p>Der Hinweis des Lesers ist nicht falsch \u2013 aber er ist ein Appell an uns alle, die eigenen \u00dcberzeugungen und Erfahrungen selbstkritisch unter die Lupe zu nehmen. Wer keine herk\u00f6mmlichen mehr Medien liest, weil er ihnen nicht glaubt, sollte ebenso kritisch mit denjenigen Quellen umgehen, aus denen er seine Informationen zieht.<\/p>\n<p>\u201eAuch bei unterschiedlichen, ja selbst divergenten Meinungen miteinander zu reden, ist stets besser als nur Meinungen abzugeben und dann weiterzuziehen.\u201c Auch das ist eine Lesermeinung.\u00a0 Der kann\u00a0 ich mich nurnur anschlie\u00dfen kann. Die Kommentarfunktion unter diesem Artikel ist offen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen bei FAZ.NET (03.05.2016) Von Martin Benninghoff In der Einwanderungsdebatte machen wir alle unsere \u00c4u\u00dferungen, setzen Punkte und Ausrufezeichen, aber nur selten Fragezeichen. So kommen wir nicht ins Gespr\u00e4ch. Deshalb haben wir mal ein paar Leser angerufen. Wer als Journalist&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1643\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Jetzt reden die Leser<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,156,11,1],"tags":[386,387,302,388,375],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1643"}],"collection":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1643"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1647,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1643\/revisions\/1647"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}