{"id":1697,"date":"2016-08-06T15:49:04","date_gmt":"2016-08-06T13:49:04","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1697"},"modified":"2016-08-06T15:50:15","modified_gmt":"2016-08-06T13:50:15","slug":"ein-gesundes-mass-an-streitlust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1697","title":{"rendered":"Ein gesundes Ma\u00df an Streitlust"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/islam-ein-gesundes-mass-streitlust-14375038.html\">Erschienen bei FAZ.NET (06.08.2016)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Justizminister Heiko Maas w\u00fcnscht sich mehr Politisierung statt Polarisierung. Dabei sind beides zwei Seiten derselben Medaille. Warum wir eher mehr als weniger Streitlust brauchen, zeigt in diesen Tagen die Debatte um Ditib. <\/strong><\/p>\n<p>Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat im \u201eSpiegel\u201c einen Satz gesagt, der das Dilemma in der deutschen Debatte um Einwanderung, Islam und Fl\u00fcchtlinge offenlegt: \u201eWir brauchen mehr Politisierung, aber weniger Polarisierung.\u201c<\/p>\n<p>Das klingt erst einmal gut, nach Unterscheidung zwischen ernstzunehmendem Debattenbeitrag und purem Hasskommentar etwa. Allerdings: In der Realit\u00e4t ist eine Politisierung kaum denkbar, die nicht auch zugleich polarisiert.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist der politisierte Islam. Muslime, die in Deutschland ihren Glauben gleichberechtigt neben Christen leben, die ihre Kinder in einen bekenntnisorientierten Islamunterricht an \u00f6ffentlichen Schulen schicken wollen und zudem daran arbeiten, dem Islam in Form von Verb\u00e4nden mittelfristig den Status von K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts zu verschaffen, um ihn Kirchen \u00e4hnlicher zu machen, bleibt gar nichts anderes \u00fcblich, als \u201eihren Islam\u201c zu politisieren.<\/p>\n<p>Muslime Verbandsvertreter m\u00fcssen in die politische \u00f6ffentliche Debatte gehen und sich mit denjenigen streiten, die dem Islam diesen Platz am liebsten verwehren wollen. Den Gaulands, Petrys oder von Storchs. Ihre Vertreter m\u00fcssen sich in TV-Talkshows setzen, um Einfluss auf die \u00f6ffentliche Debatte zu nehmen, und ihre Vertreter setzen sich mit dem zust\u00e4ndigen Minister an den Tisch der Islamkonferenz, um \u00fcber politische \u00c4nderungen in ihrem Sinne zu verhandeln.<\/p>\n<p><strong>Polarisierung als Aggregatzustand<\/strong><\/p>\n<p>Ob das allen gef\u00e4llt? Nat\u00fcrlich nicht! Die Polarisierung ist im Thema eingepreist, erst recht bei der Emotionalit\u00e4t, mit der die Debatte gef\u00fchrt wird. Ohne Polarisierung geht es nicht, weil sich sonst nichts bewegt. Polarisierung ist der nat\u00fcrliche Aggregatzustand der politischen Debatte. Sie wird in Fernsehstudios genauso wie in den Online-Foren der Zeitungen gef\u00fchrt. Auch daran ist nichts Schlechtes.<\/p>\n<p>Das sehen wir derzeit auch an Ditib: Der deutsche Ableger der t\u00fcrkischen Religionsbeh\u00f6rde geriert sich nach dem gescheiterten Putschversuch in der T\u00fcrkei mehr oder minder als Interessenvertretung Erdogans in Deutschland. Dass eine solche Organisation nicht automatisch zur inl\u00e4ndisch-deutschen Islamvertretung mit weitgehenden kirchen\u00e4hnlichen Rechten werden kann, liegt auf der Hand. Sollte sich Ditib nicht ernsthaft von Ankara entfernen, d\u00fcrfte es das gewesen sein mit weitergehenden Rechten. Streit dient hier der Standortkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Dabei muss klar sein: Jede Polarisierung, jede Standortkl\u00e4rung hat ihre Grenzen. Wenn es nicht mehr um politische Unterschiede geht, sondern ausschlie\u00dflich um pers\u00f6nliche Herabw\u00fcrdigungen des politischen Gegners, dann ist es richtig, die Gr\u00e4ben nicht noch tiefer zu graben, sich aus den Gr\u00e4ben der F\u00e4kalsprache herauszuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen bei FAZ.NET (06.08.2016) Von Martin Benninghoff Justizminister Heiko Maas w\u00fcnscht sich mehr Politisierung statt Polarisierung. Dabei sind beides zwei Seiten derselben Medaille. Warum wir eher mehr als weniger Streitlust brauchen, zeigt in diesen Tagen die Debatte um Ditib. 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