{"id":1825,"date":"2017-03-02T14:06:42","date_gmt":"2017-03-02T12:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1825"},"modified":"2017-03-03T14:21:43","modified_gmt":"2017-03-03T12:21:43","slug":"sinnvolle-diskussion-oder-propagandabuehne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1825","title":{"rendered":"Sinnvolle Diskussion oder Propagandab\u00fchne?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/sind-politische-tv-talkshows-sinnvoll-oder-propagandabuehnen-14877345.html?GEPC=s6&amp;utm_medium=Social&amp;utm_source=Facebook&amp;utm_campaign=SF?printPagedArticle=true?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">Erschienen bei FAZ.NET (02.03.2017)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Will, Plasberg, Maischberger, Illner: Politische Talkshows im Fernsehen sind umstritten. Dabei kann das Format mehr als unterhaltend sein, es kann n\u00fctzlich und erkenntnisf\u00f6rdernd sein. Oder einfach nur sch\u00e4dlich.<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich ist die Wahl Donald Trumps wie gemacht wie f\u00fcr eine politische Talkshow im Fernsehen. So aggressiv, so furchterregend und zugleich unterhaltsam d\u00fcrfte noch kein amerikanischer Pr\u00e4sident aufgetreten sein. Die deutschen Polit-Talkrunden im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen setzen deshalb h\u00e4ufig auf den Trump-Faktor, was nicht ganz leicht ist: Offenbar finden sich nur wenige Trump-J\u00fcnger, die den Chef im Wei\u00dfen Haus im Fernsehstudio verteidigen wollen. Einigkeit in der Runde kann aber f\u00fcr eine Sendung dieses Formats schwierig sein. Die politischen Talkshows leben von Kontroversen und manchmal zugespitzten Titeln. Den quotentr\u00e4chtigsten Sendeplatz hat \u201eAnne Will\u201c am Sonntagabend mit rund drei bis f\u00fcnf Millionen Zuschauer, je nach Attraktivit\u00e4t des Themas, den G\u00e4sten und Vorlauf im Programm. Dahinter folgen die Sendungen auf den vergleichsweise schw\u00e4cheren Pl\u00e4tzen \u2013 \u201eMaischberger\u201c, \u201eMaybrit Illner\u201c, \u201eHart aber fair\u201c \u2013, die aber in erstaunlicher Konstanz ebenfalls ein Millionenpublikum erreichen. Die ZDF-Moderatorin Maybrit Illner ist sogar schon rund 17 Jahre auf dem Sender.<\/p>\n<p>So beliebt sie sind, so umstritten sind politische Talks. Die Kritik entz\u00fcndet sich meist nicht am Thema der Sendung, sondern an der Konzeption: Darf man die einladen, die Islamistin, den Rechtspopulisten, den propagandistischen Putin-Freund? Waren deren Redeanteile halbwegs ausgeglichen, die Moderatorin neutral und die G\u00e4steauswahl fair? Oder war die Sendung kaum mehr als eine geb\u00fchrenfinanzierte Schauveranstaltung, um Muslime, Putin oder eben Trump abzuwatschen? Zwar unterhaltsam, aber ansonsten \u00e4rgerlich?<\/p>\n<p><strong>Puppentheater mit verteilten Rollen?<\/strong><\/p>\n<p>So viel vorweg: Es gibt keine eindeutigen Belege, wie wirksam oder bedeutend Talkshows in der Politik sind. Einst bescheinigte der CDU-Politiker Friedrich Merz der Sendung \u201eSabine Christiansen\u201c einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die politische Agenda als die Reden im Bundestag. Das war 2003. F\u00fcr den Politik-Berater Michael Spreng, selbst ein h\u00e4ufiger Talkshowgast (in 2015 vier Auftritte), klingt das auch heute plausibel: \u201eTalks sind ein Ort der kontroversen Debatte\u201c, sagt er. \u201eWer verfolgt schon den Bundestag?\u201c F\u00fcr den Medienforscher Bernd G\u00e4bler, der 2011 im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung eine Studie \u00fcber Talkshows erarbeitet hat, sind die Sendungen eher Beispiele f\u00fcr \u201edie nach wie vor bestehende Differenz zwischen Darstellungs- und Entscheidungs-Politik\u201c. Ist Talk also vor allem Show, ein Puppentheater mit festen Rollen oder auch \u201escripted reality\u201c, wie es in G\u00e4blers Studie hei\u00dft?<\/p>\n<p>Es ist plausibel, dass dieses Format Wirkungen auf die politischen Debatten im Land aus\u00fcbt \u2013 abseits der reinen Unterhaltung seiner Zuschauer. Es kann interessante Einblicke in bestimmte gesellschaftliche Gruppen erm\u00f6glichen, oder es kann vorhandene Klischees verst\u00e4rken und S\u00fcndenb\u00f6cke ausmachen. Es kann politische Tabu-Grenzen in sinnvoller Weise verschieben helfen, oder es kann extremistische Positionen salonf\u00e4hig machen. Es kann richtige Informationen liefern oder falsche Tatsachenbehauptungen verbreiten. All das ist m\u00f6glich \u2013 das ist Teil der Gratwanderung Talkshow.<\/p>\n<p>Talkshow-Themen haben Konjunkturen, und sp\u00e4testens mit dem Aufkommen der Fl\u00fcchtlingskrise sind Islam und Islamismus Talkshow-Dauerbrenner. Den meisten \u00e4lteren Zuschauern (das Durchschnittsalter liegt, je nach Sendung, bei 60 bis 65 Jahren) sind die Lebenswelten muslimischer Einwanderer eher fremd, Talkshows k\u00f6nnten hier interessante Einblicke bieten und Gespr\u00e4che zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen \u00f6ffentlich organisieren.<\/p>\n<p>Die ARD-Talkmoderatorin Sandra Maischberger hat das in einer ihrer Sendungen im vergangenen Jahr versucht: Sie lie\u00df statt der gewohnten Verbands- und Politikvertreter mehrheitlich nicht prominente Muslime und Nicht-Muslime \u00fcber den Islam diskutieren und bot damit Einblicke in die gesellschaftlichen Debattengr\u00e4ben dieses brisanten Themas. Dabei verzichtete die Redaktion auf extreme Vertreter, die sich unvers\u00f6hnlich bek\u00e4mpfen, sie hatte weder einen Rechtspopulisten noch eine vollverschleierte Islamistin eingeladen. Anders die Moderatorin Anne Will in ihrem gleichnamigen Talk: Die Redaktion lud 2016 die vollverschleierte Schweizer Islamistin und Konvertitin Nora Illi ein. Im Gespr\u00e4ch verteidigte diese ihre orthodox-fundamentalistische Islam-Interpretation und behauptete, der Niqab, also die Vollverschleierung, biete ihr als Frau \u201eSelbstbestimmung und Freiheit\u201c. Die Sendung wurde von der Politik und vielen Zuschauern harsch kritisiert, manche sahen darin gar Propaganda f\u00fcr den \u201eIslamischen Staat\u201c, und das zur besten Sendezeit am Sonntagabend.<\/p>\n<p><strong>Freak-Show mit schr\u00e4gen V\u00f6geln <\/strong><\/p>\n<p>Doch ganz so einfach ist es nicht: In der Talk-Runde sa\u00df auch der Psychologe und Autor Ahmad Mansour, selbst ein Muslim, der Illi gemeinsam mit dem Talkshowdauergast Wolfgang Bosbach (CDU) vehement widersprach. Ein durchaus interessanter Schlagabtausch mit Einblicken in die innerislamische Debatte zwischen liberalem und fundamentalistischem Islam. Doch alleine das extreme Erscheinungsbild der vollverschleierten Frau dr\u00fcckte der Sendung einen unguten Stempel auf: Was beim Zuschauer letztlich h\u00e4ngengeblieben sein d\u00fcrfte, ist ein einseitig-verzerrtes und fundamentalistisches Islambild, repr\u00e4sentiert durch eine randst\u00e4ndige Vertreterin der Religion, einer Fundamentalistin. Eine Freak-Show mit einem \u201eschr\u00e4gen Vogel\u201c, wie Medienforscher G\u00e4bler sagt, mit dem sich die anderen G\u00e4ste balgen.<\/p>\n<p>Dabei hatte die Redaktion von \u201eAnne Will\u201c ihre Hausaufgaben gemacht und der Schweizer Konvertitin starke Debattengegner in die Runde gesetzt \u2013 und zugleich viel Gl\u00fcck gehabt: Mansour bliebt standhaft an dem Abend, er war gut aufgelegt und ein verl\u00e4sslicher Pol im Pro- und Kontrasetting der Sendung. W\u00e4re er als Ankergast ausgefallen, was in der Livesituation einer Sendung immer passieren kann, w\u00e4re die Runde m\u00f6glicherweise in absolute Einseitigkeit gekippt. Wie es dem Moderator G\u00fcnther Jauch, Wills Vorg\u00e4nger auf dem Sendeplatz am Sonntagabend, 2014 beim selben Thema ergangen war. \u00a0Damals war der islamische Prediger Abdul Adhim Kamouss (\u201eQuassel-Imam\u201c) eingeladen, der zu dem Zeitpunkt nur wenigen bekannt und vor allem bei jungen Muslimen ein Star im Netz gewesen war. Sein Redeanteil geriet zu gro\u00df, mit immer lauterer Stimme und ausladenden Gesten kaperte er, der sich als Muslim offenbar in die Ecke gedr\u00e4ngt f\u00fchlte, die Sendung.<\/p>\n<p>Der als Widerpart eingeladene Heinz Buschkowsky, damaliger Bezirksb\u00fcrgermeister in Berlin-Neuk\u00f6lln, fiel als starker Debattenkontrahent weitgehend aus. Die Sendung geriet zur Kamouss-Show und teilweise zur bef\u00fcrchteten Propaganda-Plattform \u2013 obwohl die Redaktion Kontrahenten in die Runde gesetzt hatte (Wolfgang Bosbach war auch hier dabei, er ist einer der meist eingeladenen Talkg\u00e4ste der vergangenen Jahre).<\/p>\n<p><strong>Verschobene Tabugrenzen oder verst\u00e4rkte Ressentiments <\/strong><\/p>\n<p>Ein Problem, das keineswegs nur dem Islamismus-Thema vorbehalten ist. Der Umgang mit Rechtspopulisten ist genauso kompliziert, wie die AfD zeigt: Noch bis vor wenigen Jahren taten sich die Talkshowredaktionen schwer, einen vergleichsweise moderaten Politiker wie den AfD-Gr\u00fcnder Bernd Lucke einzuladen. Noch am Abend der Bundestagswahl 2013 durfte der sich bei Jauch nicht in die Hauptrunde setzen, sondern musste mit dem Publikumsraum und einem Kurzinterview Vorlieb nehmen \u2013 seine Partei war knapp an der F\u00fcnfprozenth\u00fcrde gescheitert. Zu gro\u00df war die Sorge, die schon damals umstrittene Partei und ihren Chef aufzuwerten und durch einen Fernsehauftritt zu adeln.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst sind solche Ber\u00fchrungs\u00e4ngste pass\u00e9. Heute sitzen wesentlich radikalere AfD-Politiker wie Beatrix von Storch, Frauke Petry und Alexander Gauland (alle jeweils f\u00fcnf Mal in 2016) in den Talkstudios, nicht nur, weil die Talkshowredaktionen, sondern Politik und Medien insgesamt erkannt haben: Die Strategie, die AfD kleinzuhalten, indem man sie totschweigt und ignoriert, ist gescheitert. Im Gegenteil, die Partei konnte in ihrer Paria-Zeit den Mythos kreieren, eine Art Anti-Establishment-Kraft zu sein, die von den \u201eetablierten\u201c Parteien und Medien geschnitten w\u00fcrde. Das machte sie zum Opfer, zum Au\u00dfenseiter \u2013 und damit interessant. Seit sich AfD-Politiker auf Augenh\u00f6he mit den Politikern anderer Parteien in den Talkarenen (und den Print- und Onlinemedien) streiten, ist die Partei \u201egew\u00f6hnlich\u201c geworden. Talks haben ihren Anteil daran, dass sich ihr Paria-Mythos abgenutzt hat \u2013 allerdings auch daf\u00fcr gesorgt, dass die AfD heute wesentlich bekannter ist als noch vor zwei, drei Jahren.<\/p>\n<p>Talkshows helfen bei der Standortbestimmung, ziehen politische Grenzen und ver\u00e4ndern Tabus. Darf ein Politiker etwa von \u201eLawine\u201c sprechen, wenn er eigentlich Fl\u00fcchtlinge, also Menschen, meint? Darf ein CDU-Politiker Dinge sagen, f\u00fcr die ein AfD-Politiker \u00f6ffentlich gescholten w\u00fcrde? Steckt in einer neuen Partei wirklich ein gem\u00e4\u00dfigt-b\u00fcrgerlicher Kern, wie der Vorsitzende stets beteuert, oder bestimmen die Agenda l\u00e4ngst die Radikalen des Rechtsau\u00dfen-Fl\u00fcgels?<\/p>\n<p><strong>H\u00f6ckes Moment der Selbstentlarvung bei Jauch <\/strong><\/p>\n<p>Der skurrile Auftritt von Bj\u00f6rn H\u00f6cke bei \u201eG\u00fcnther Jauch\u201c im Oktober 2015 war ein Moment der Selbstentlarvung. Der Th\u00fcringer AfD-Politiker des rechten Parteifl\u00fcgels, den die Parteivorsitzende Frauke Petry wegen dessen \u00c4u\u00dferungen zum Berliner Holocaust-Mahnmal am liebsten loswerden w\u00fcrde, entrollte ein Deutschland-F\u00e4hnchen im Studio und \u00fcberdrehte im Interview derart, dass sich die Petry damals schon von dessen Auftreten distanzierte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Michael Spreng war es dennoch ein Fehler, jemanden wie H\u00f6cke einzuladen: Der Politik-Berater zieht eine Grenze zwischen rechtskonservativen Politikern wie Alexander Gauland, deren Ansichten \u201egesellschaftliche Realit\u00e4t\u201c seien, mit denen man sich argumentativ auseinandersetzen m\u00fcsse, und Leuten wie H\u00f6cke, denen es einzig und allein um das Ressentiment gegen Ausl\u00e4nder und \u201eS\u00fcndenb\u00f6cke\u201c gehe. \u00a0Bei solchen Grenzziehungen kann eine Talkshow durchaus hilfreich sein \u2013 allerdings zu dem Preis, dass sie einen radikalen Politiker wie H\u00f6cke einem Millionenpublikum bekannt macht. Die Frage bleibt unbeantwortet, ob dieser Preis nicht zu hoch ist. F\u00fcr Spreng ist die Antwort klar: \u201eDas sollte man besser sein lassen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Talks k\u00f6nnen Informationen liefern \u2013 oder L\u00fcgen verbreiten <\/strong><\/p>\n<p>Bei G\u00e4sten wie H\u00f6cke oder gar Ivan Rodionov, der w\u00e4hrend der Krim-Krise als Chef von \u201eRT Deutsch\u201c die Sicht des Kremls und Wladimir Putins in die deutschen Talkstudios brachte, d\u00fcrfte den meisten Zuschauern klar sein, dass sie knallharte Propagandisten ihrer eigenen Sache sind. Nur: Wie ist das bei G\u00e4sten, die durch ihr Amt oder ihre Partei weniger exponiert sind? \u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article159208088\/Talkshows-verkaufen-Propagandisten-als-Experten.html\">Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift \u201eInternationale Politik\u201c, kritisierte vor einiger Zeit<\/a>, dass sich Propagandisten in Talkshows als \u201eExperten\u201c tarnen d\u00fcrften \u2013 ihre Beispiele: Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, und der fr\u00fchere CDU-Bundestagsabgeordnete und Publizist J\u00fcrgen Todenh\u00f6fer. F\u00fcr Michael Spreng ist das ein Missverst\u00e4ndnis: \u201eAuch ein Mann wie der bayerische Finanzminister Markus S\u00f6der ist nicht interessiert, eine echte Diskussion einzugehen\u201c, sagt er. \u201eEr will seine Statements setzen.\u201c Den Zuschauern m\u00fcsse deshalb klar sein: \u201eDie meisten Talkg\u00e4ste sind ausschlie\u00dflich Vertreter der eigenen Sache.\u201c Deswegen sei es notwendig, parteipolitisch unabh\u00e4ngige Journalisten einzuladen, die der Runde mehr Neutralit\u00e4t verliehen.<\/p>\n<p>Der Medienforscher Bernd G\u00e4bler zweifelt an echtem Expertentum in Talkshows: \u201eEin tats\u00e4chlicher Experte verk\u00f6rpert eher Tugenden, die in der Talkshow hinderlich sind\u201c, sagt er. \u201eEr ist nicht jedermann bekannt, er sch\u00e4tzt empirische Belege, benutzt Nebens\u00e4tze, dr\u00fcckt sich kompliziert aus, l\u00e4sst Einw\u00e4nde gelten, kennt den Zweifel, revidiert vielleicht sogar gef\u00e4llte Urteile.\u201c Frei nach dem verstorbenen Publizisten Roger Willemsen, der einmal rhetorisch gefragt haben soll: \u201eHaben Sie schon mal erlebt, dass jemand in der Talkshow seine Meinung ge\u00e4ndert hat?\u201c Tats\u00e4chlich sitzen solche Experten eher seltener in den Talkrunden, die auf Kontroverse und Zuspitzung ausgelegt sind und nur selten auf Abw\u00e4gung. In 2016 waren Sahra Wagenknecht (Linke) und Markus S\u00f6der (CSU) mit neun beziehungsweise acht Auftritten die Spitzenreiter in den Talksendungen von ARD und <a href=\"http:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM\">ZDF<\/a> \u2013 beide beherrschen das Spiel aus selbstbewusster Zuspitzung und Lust an der Provokation perfekt.<\/p>\n<p><strong>Umstrittene Solo-Auftritte von Spitzenpolitikern <\/strong><\/p>\n<p>Dennoch gibt es erkl\u00e4rende und sachliche Anteile: \u201eHart aber fair\u201c bietet beispielsweise einen \u201eFaktencheck\u201c auf seiner Homepage an, um unbewiesene Behauptungen aus der Sendung nachtr\u00e4glich zu best\u00e4tigen oder als Falschaussagen zu entlarven. Die Redaktionen der Talksendungen bem\u00fchen sich zudem, w\u00e4hrend der Sendung strittige Fragen zu recherchieren und die Ergebnisse dem Moderator ins Studio zu reichen. In einer perfekten Talkshowwelt k\u00f6nnen Einspielfilme die sachlichen Hintergr\u00fcnde liefern und falsche Aussagen oder gar L\u00fcgen aufdecken. Wahr ist auch: Das gelingt nicht immer.<\/p>\n<p>Das ist vor allem dann schwierig, wenn die Redaktionen einen besonders hochrangigen Gast zum Einzelgespr\u00e4ch laden (weil dieser sich einer Debatte mit mehreren G\u00e4sten verweigert). Wiederholt ging Bundeskanzlerin Angela Merkel zu \u201eAnne Will\u201c, um ihre Fl\u00fcchtlingspolitik und ihre politische Zukunft im Kanzleramt zu erkl\u00e4ren. Eine \u201ewin-win-Situation\u201c, sagt Medienforscher G\u00e4bler. \u201eMerkel hat ein Forum gefunden, in dem sie sich direkt und ungest\u00f6rt an das Volk wenden kann, ohne journalistische Instanzen zu umgehen. Und Anne Will hat sich einen Sonderstatus erarbeitet, ohne allzu offensichtlich journalistische Standards zu verraten.\u201c \u00a0Das Kalk\u00fcl beider ist klar: Die Kanzlerin geht nur in eine solche Sendung, wenn sie recht sicher sein kann, eine \u00fcberzeugende Figur abzugeben. Ein zu kontrovers-kritisches Interview k\u00f6nnte Will um den n\u00e4chsten Merkel-Auftritt bringen \u2013 und damit um die gute Quote und Reputation als wichtigster politischer Talk im Fernsehen. F\u00fcr G\u00e4bler haben solche Runden \u2013 zuletzt auch mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz bei \u201eAnne Will\u201c \u2013 den \u201eHauch des H\u00f6fischen\u201c. Statt solcher Runden pl\u00e4diert er f\u00fcr neue Formen: \u201emehr konkrete Themen, Jugendforen, entscheidungsnahe Diskurse, unorthodoxe Konstellationen oder sogar open-end-Debatten\u201c. Das w\u00fcrde die \u201eBedeutung des Fernsehens f\u00fcr die politische Willensbildung unterstreichen\u201c. Bleibt nur die Frage: Wie viele Zuschauer w\u00fcrden da einschalten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/sind-politische-tv-talkshows-sinnvoll-oder-propagandabuehnen-14877345.html\">Der Text war eine Leserdebatte bei FAZ.NET. Die Kommentare dazu &#8211; insgesamt um die 190 &#8211; lesen Sie hier.] <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen bei FAZ.NET (02.03.2017) Von Martin Benninghoff Will, Plasberg, Maischberger, Illner: Politische Talkshows im Fernsehen sind umstritten. Dabei kann das Format mehr als unterhaltend sein, es kann n\u00fctzlich und erkenntnisf\u00f6rdernd sein. Oder einfach nur sch\u00e4dlich. 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