{"id":1840,"date":"2017-04-11T16:05:28","date_gmt":"2017-04-11T14:05:28","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1840"},"modified":"2017-04-13T18:12:29","modified_gmt":"2017-04-13T16:12:29","slug":"nordkorea-sucht-aerger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1840","title":{"rendered":"&#8222;Nordkorea sucht \u00c4rger&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/atomstreit-mit-kims-regime-nordkorea-sucht-aerger-14967655.html\">Analyse erschienen bei FAZ.NET (11.04.2017)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Eskalationsspirale im Atomstreit zwischen Nordkorea und Amerika nimmt weiter Fahrt auf \u2013 Donald Trump droht abermals mit einem Alleingang. Ob er das Regime in Pj\u00f6ngjang dieses Mal damit beeindruckt? Eine Analyse.<\/strong><\/p>\n<p id=\"pageIndex_1\" class=\"First PreviewPagemarker\">ie spannende Frage wird sein: Was kommt nach der ultimativen verbalen Eskalationsstufe im Atomstreit zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten? Nachdem sich das nordkoreanische Regime in Pj\u00f6ngjang angesichts der j\u00fcngsten Machtdemonstration in Syrien zu \u201ejeder von Amerika gew\u00fcnschten Art des Krieges\u201c bereit erkl\u00e4rt hatte, legte der amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump am Dienstag nach: \u201eNordkorea sucht \u00c4rger\u201c, twitterte er, um dann neuerlich China dazu aufzufordern, an der L\u00f6sung des Problems mitzuwirken. Das Entscheidende kam aber danach: Wenn sich China dazu nicht durchringen k\u00f6nne, \u201ewerden wir das Problem ohne sie l\u00f6sen\u201c.<\/p>\n<p>Trump hatte bereits fr\u00fcher mit einem Alleingang Amerikas gedroht, sollte China im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm nicht den Druck auf den Verb\u00fcndeten in Pj\u00f6ngjang erh\u00f6hen. Beobachter sind sich einig, dass der Luftangriff gegen eine syrische Luftwaffenbasis auch ein Signal f\u00fcr Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sein sollte. Untermauert wird das durch eine Flugzeugtr\u00e4gergruppe, die die ohnehin hohe milit\u00e4rische Pr\u00e4senz der Amerikaner in der Region der koreanischen Halbinsel erh\u00f6hen soll.<\/p>\n<p>Bleibt allerdings eine bislang unbeantwortete Frage: Kann Trump Diktator Kim Jong-un damit beeindrucken? Nordkorea unterh\u00e4lt seit Jahren ein Atomwaffenprogramm \u2013 trotz umfassender Sanktionen. In den vergangenen elf Jahren hat die stalinistisch regierte Diktatur f\u00fcnf Atomwaffentests unternommen, zwei im vergangenen Jahr. Der neuerliche Start einer Rakete war zwar nur f\u00fcr die Mittelstrecke, aber die Wissenschaftler des Regimes arbeiten an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengk\u00f6rper sogar bis zu amerikanischem Territorium fliegen k\u00f6nnten. Solange dies nicht in die Realit\u00e4t umgesetzt ist, bleibt Nordkorea mit seiner \u2013 was die reine Soldatenzahl angeht &#8211; ohnehin gro\u00dfen Armee vor allem eine Bedrohung f\u00fcr S\u00fcdkorea.<\/p>\n<p>Die nukleare Abschreckung ist f\u00fcr das nordkoreanische Regime \u00dcberlebensstrategie. Der Fall des gest\u00fcrzten und get\u00f6teten libyschen Diktators Muammar Gaddafi war Pj\u00f6ngjang Lehre und Mahnung zugleich, dass der einzig effektive Schutz vor einer amerikanischen Intervention atomare Waffen sind. Unklar ist es noch, ob Nordkorea bereits die F\u00e4higkeit hat, eine Wasserstoffbombe zu z\u00fcnden, die eine besonders hohe Zerst\u00f6rungskraft h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir betteln niemals um Frieden&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Bomben- und Raketentests hat die Regierung in Pj\u00f6ngjang mehrmals rund um bedeutende Staatsfeierlichkeiten herum angeordnet, das ist der Grund, weshalb Beobachter auch f\u00fcr diese Woche eine erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit eines solchen Tests annehmen: Am Samstag feiert die Volksrepublik den 105. Geburtstag von Staatsgr\u00fcnder Kim Il-sung, den Gro\u00dfvater des amtierenden Diktators. Zudem tagte am Dienstag die Oberste Volksversammlung in Pj\u00f6ngjang, eine Art Parlament, das nur selten zusammenkommt, um meist ein Mal im Jahr die Politik des Regimes abzusegnen.<\/p>\n<p>Nordkorea wiederum nutzt die verbalen Schlagabtausche f\u00fcr die eigene, auch nach innen gerichtete Propaganda. \u201eWir betteln niemals um Frieden, sondern werden h\u00e4rteste Gegenschl\u00e4ge gegen die Provokateure unternehmen, um uns mit machtvoller Waffengewalt zu verteidigen\u201c, zitiert die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA einen Ministeriumssprecher. Der syrische Pr\u00e4sident Baschar Assad schickte ein Gl\u00fcckwunschschreiben zum bevorstehenden Jahrestag, mit einer Breitseite gegen die\u00a0\u201ewilden Ambitionen von Gro\u00dfm\u00e4chten, alle L\u00e4nder ihrer Expansionspolitik und Dominanz zu unterwerfen\u201c.<\/p>\n<p>So weit, so wenig \u00fcberraschend. Entscheidend d\u00fcrfte sein, wie sich China und Russland in Zukunft verhalten: \u201eWir sind besorgt dar\u00fcber, was Washington mit Nordkorea vorhat, nachdem es die M\u00f6glichkeit einer einseitigen Milit\u00e4raktion angedeutet hat\u201c, teilt das russische Au\u00dfenministeriums kurz vor dem Besuch des amerikanischen Au\u00dfenministers Rex Tillerson in Moskau mit.<\/p>\n<p>China kommt offenbar dem amerikanischen Ruf nach st\u00e4rkeren Sanktionen ein St\u00fcck weit nach: Eine Flotte vollbeladener nordkoreanischer Kohlefrachter soll unverrichteter Dinge wieder abgefahren sein, nachdem die Regierung in Peking angeblich die Importeure angewiesen hatte, nordkoreanische Kohle nicht mehr aufzukaufen. Ein grundlegender Politikwechsel ist darin aber nicht zu erkennen: Schon in der Vergangenheit belegte China Nordkorea mit Strafma\u00dfnahmen, schloss zum Beispiel zeitweise die Grenzen f\u00fcr chinesische Touristen \u2013 ein herber R\u00fcckschlag f\u00fcr die nordkoreanischen Kasinos, die eigens f\u00fcr chinesische Kundschaft gebaut worden waren.<\/p>\n<p>An einem milit\u00e4rischen Vorgehen Amerikas ist China nat\u00fcrlich nicht interessiert, im Gegenteil: Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel mit den Folgen eines m\u00f6glicherweise entstehenden Fl\u00fcchtlingsstroms in Richtung China gilt als Horror-Szenario. Deshalb wird das nordkoreanische Pingpong-Spiel aus Provokation und Verhandlung vermutlich weitergehen, bis zu dem Tag, an dem es Nordkorea tats\u00e4chlich schafft, eine atomare Bedrohung auch f\u00fcr das amerikanische Territorium zu sein. Der chinesische Nordkorea-Beauftragte Wu Dawei versucht derzeit, die Amerikaner zu multilateralen Verhandlungen zu \u00fcberreden, und hat angek\u00fcndigt, den Druck auf Nordkorea erh\u00f6hen zu wollen. Doch bislang hat dieser Druck Kim Jong-un wenig beeindruckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse erschienen bei FAZ.NET (11.04.2017) Von Martin Benninghoff Die Eskalationsspirale im Atomstreit zwischen Nordkorea und Amerika nimmt weiter Fahrt auf \u2013 Donald Trump droht abermals mit einem Alleingang. Ob er das Regime in Pj\u00f6ngjang dieses Mal damit beeindruckt? 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