{"id":1843,"date":"2017-04-13T18:10:14","date_gmt":"2017-04-13T16:10:14","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1843"},"modified":"2017-04-13T18:11:27","modified_gmt":"2017-04-13T16:11:27","slug":"droht-ein-neuer-korea-krieg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1843","title":{"rendered":"Droht ein neuer Korea-Krieg?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/droht-ein-neuer-korea-krieg-14971223.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">Analyse erschienen bei FAZ.NET (13.04.2017)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Ob Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Samstag eine neue Atombombe z\u00fcndet oder nicht: Der Konflikt mit Amerika k\u00f6nnte zu einem gro\u00dfen Krieg ausarten, wenn rote Linien \u00fcberschritten werden.<\/strong><\/p>\n<p id=\"pageIndex_1\" class=\"First PreviewPagemarker\">Der n\u00e4chste Atomwaffentest Nordkoreas k\u00f6nnte unmittelbar bevorstehen: Zumindest deuten darauf Satellitenaufnahmen vom 12. April hin, die erh\u00f6hte Aktivit\u00e4ten auf dem nuklearen Testgel\u00e4nde Punggye-ri zeigen, wie die meist gut informierten Nordkorea-Analysten des amerikanischen Korea-Institutes der John-Hopkins-Universit\u00e4t in Washington berichten. Vor allem am Nordportal der Anlage, ebenso wie im Hauptverwaltungsbereich.<\/p>\n<p>Reporter k\u00f6nnen sich vor Ort davon kein Bild machen. Das Gel\u00e4nde ist ein hermetisch abgeriegelter Sicherheitsbereich im entlegenen Nordosten des Landes, gut 200 Kilometer von der russischen und 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass vergleichbare Aktivit\u00e4ten ein guter Indikator f\u00fcr einen bevorstehenden Atombombentest sind. Dem Test 2013 gingen wochenlang Bewegungen von Lasttransportern auf dem Gel\u00e4nde voraus. Erdbebenwarten in China oder S\u00fcdkorea haben die tats\u00e4chliche Z\u00fcndung der Bombe dann aufgezeichnet \u2013 die H\u00f6he der seismischen Aktivit\u00e4ten lie\u00df R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Durchschlagkraft der Bombe zu.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Am Samstag gibt es in Nordkorea etwas zu feiern. Und Symbolik ist in der stalinistisch regierten Diktatur keine Petitesse, sondern ein zentrales Element politischen Handelns. Als sich das Land 2012 offiziell zur Atommacht erkl\u00e4rte, geschah dies im Umfeld der Feierlichkeiten des hundertsten Geburtstages von Staatsgr\u00fcnder Kim Il-sung. Der Gro\u00dfvater des amtierenden Diktators Kim Jong-un soll schon w\u00e4hrend des Korea-Krieges 1950 bis 1953 davon getr\u00e4umt haben, Anf\u00fchrer einer starken Atommacht zu sein.<\/p>\n<p><strong>Die Phase der Machtkonsolidierung ist vorbei<\/strong><\/p>\n<p>Am Samstag w\u00e4re Kim Il-sung 105 Jahre alt geworden, w\u00e4re er nicht bereits 1994 an einem wenig heroischen Herzinfarkt in seinem Pj\u00f6ngjanger Arbeitszimmer verstorben. Sein Enkel setzt nun alles daran, den Traum des Gro\u00dfvaters endg\u00fcltig umzusetzen. Nach der Phase seiner Machtkonsolidierung innerhalb des Staatsapparates \u2013 er lie\u00df den Vertrauten seines Vaters Kim Jong-il, seinen Onkel Jan Song-thaek, hinrichten, und wahrscheinlich auch seinen Halbbruder Kim Jong-nam. Mitte Februar in Malaysia vergiften \u2013, erh\u00f6ht Kim nun den Druck nach au\u00dfen, indem er die Schlagzahl nuklearer Tests erh\u00f6ht. Seit den beiden Atomtests 2006 und 2009, die noch sein 2011 verstorbener Vater angeordnet hatte, gab es noch vermutlich drei weitere \u2013 in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Aus Sicht der nordkoreanischen F\u00fchrung dienen die Tests mehreren Zielen: Zuerst ist die Bombe eine Sicherheitsgarantie gegen einen m\u00f6glichen \u201eregime change\u201c durch die Amerikaner, die Schutzmacht S\u00fcdkoreas. Schon der Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion war f\u00fcr die F\u00fchrung in Pj\u00f6ngjang, damals noch unter Kim Il-sung, ein politisches Trauma. War die Sowjetunion noch eine Macht, die zum Schluss Amerika in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr viel entgegenzusetzen hatte, so st\u00fcrzten in der Folge Machthaber wie Iraks Saddam Hussein und Libyens Muammar Gaddafi, die Amerika in milit\u00e4rischer Hinsicht deutlich unterlegen waren. Zuletzt musste Syriens Pr\u00e4sident Baschar al Assad einen amerikanischen Luftschlag auf eine seiner Luftwaffenbasen tatenlos hinnehmen. Selbst die Russen mit ihren in Syrien stationierten Luftabwehrsystemen konnten sich angesichts des Milit\u00e4rschlags mit zahlreichen hochpr\u00e4zisen Lenkflugk\u00f6rpern nur im Nachhinein beschweren, ihn aber nicht verhindern.<\/p>\n<p>Zudem sch\u00f6pft Pj\u00f6ngjang sein Haupt-Propagandamaterial aus der amerikanischen Bedrohung: Wer in Nordkorea Schulen und Kinderg\u00e4rten besucht, st\u00f6\u00dft nicht nur auf die vielen von Kinderhand gemalten Atomraketen, sondern auch auf allgegenw\u00e4rtigen Anti-Amerikanismus. Der amerikanische Soldat als \u201egr\u00f6\u00dfter Feind\u201c und \u201eUngl\u00fccksbringer\u201c f\u00fcr die Kinder Nordkoreas \u2013 gefolgt von \u201everschlagenen Japanern\u201c und naiven \u201eVasallen\u201c aus S\u00fcdkorea. Von dieser Erz\u00e4hlung wird Kim Jong-un nicht leichtfertig die Finger lassen, sie h\u00e4lt den Staatsapparat von innen zusammen.<\/p>\n<p><strong>Der wirtschaftliche Aufstieg ist mit dem Status als Atommacht verbunden<\/strong><\/p>\n<p>Wird sich Nordkorea also durch Drohungen einsch\u00fcchtern lassen? Vermutlich nicht, denn nur solange das Regime mit Atombomben drohen kann, ist ihm die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft, allen voran Amerikas, gewiss. Eine Aufmerksamkeit, die Kim Jong-un in diplomatische und wirtschaftliche Gewinne umm\u00fcnzen will. So l\u00e4sst sich zumindest eine \u00c4u\u00dferung deuten, die er im M\u00e4rz 2013 auf einer Tagung des Zentralkomitees seiner Arbeiterpartei fallen lie\u00df: Der Status als Atommacht und der wirtschaftliche Aufstieg Nordkoreas seien untrennbar miteinander verbunden.<\/p>\n<p>Wie das? Nach der Logik Kims erh\u00f6hen Kernwaffen den diplomatischen Spielraum, was derzeit deutlich zu sehen ist: Donald Trump hat den chinesischen Pr\u00e4sidenten Xi Jinping in der vergangenen Woche \u00f6ffentlich aufgefordert, in Sachen Nordkorea endlich aktiv zu werden. Xi wiederum war \u00fcber das offensive Vorgehen Trumps offenkundig wenig erfreut. Chinesischen Zeitungsberichten zufolge rief er den amerikanischen Pr\u00e4sidenten zu einer friedlichen L\u00f6sung des Konfliktes auf. Zwar untersagte er auch die Kohle- und Erzimporte aus Nordkorea, aber das sind alles Kleinigkeiten, zumal China auch schon in der Vergangenheit Strafma\u00dfnahmen gegen Nordkorea erlie\u00df. Zum Beispiel, als es die Grenzen f\u00fcr chinesische Touristen schlie\u00dfen lie\u00df, um den neu gewachsenen Tourismussektor (Skigebiete und Kasinos f\u00fcr Chinesen) ins Mark zu treffen. Ein grundlegender Politikwechsel Chinas ist nicht zu erkennen.<\/p>\n<p>Stattdessen bringt Trump ungewollt die beiden Gro\u00dfmacht-Kontrahenten China und Russland n\u00e4her zueinander. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Moskau und Washington ist nach dem amerikanischen Luftschlag gegen Syrien ohnehin an einem Tiefpunkt angelangt. Der russische Au\u00dfenminister Lawrow warnte die Amerikaner vor einem einseitigen Vorgehen auch gegen Nordkorea, China blies ins selbe Horn. Obwohl sowohl China als auch Russland immer wieder deutlich warnende Worte in Richtung Kim Jong-un verlieren, hat dieser in diesen Tagen eher wieder zwei \u201ealte neue\u201c Verb\u00fcndete gewonnen.<\/p>\n<p>Die Situation ist verfahren: Nordkorea wird an seinem Atomprogramm festhalten und es ausbauen. Um den Druck zu erh\u00f6hen, wird es versuchen, die Raketentechnologie im Langstreckenbereich zu verbessern, um amerikanisches Territorium erreichen zu k\u00f6nnen. Zudem wird das Regime alles daran setzen, die Sprengkraft mit Wasserstoffbomben um ein Vielfaches zu erh\u00f6hen. Im Januar 2016 registrierten amerikanische und chinesische Erdbebenwarten seismische Aktivit\u00e4ten, die von dem Testgel\u00e4nde Punggye-ri ausgingen. Nordkorea behauptete, eine Wasserstoffbombe gez\u00fcndet zu haben, was amerikanische Experten zur\u00fcckwiesen: Zu schwach sei die Ersch\u00fctterung gewesen.<\/p>\n<p>Die Ungewissheit \u00fcber die tats\u00e4chliche Schlagkraft spielt dem nordkoreanischen Regime eher in die H\u00e4nde. Zudem verf\u00fcgt das Land \u2013 was oftmals vergessen wird \u2013 \u00fcber eine riesige konventionelle Armee, nach der chinesischen die zweitgr\u00f6\u00dfte Asiens. In einem Bericht des Pentagon von 2012 hei\u00dft es, das Land verf\u00fcge \u00fcber mehr als 4000 Panzer und 730 (wenn auch veraltete) Kampfflugzeuge. Mehr als 1 Million Soldaten sollen immer in Waffen stehen, und das Volk ist durch jahrelange Propaganda im permanenten Kriegsmodus. Leidtragender einer milit\u00e4rischen Eskalation w\u00e4re zuerst der Nachbar S\u00fcdkorea, die Hauptstadt Seoul befindet sich nur unweit der innerkoreanischen Grenze.<\/p>\n<p><strong>Nordkoreanischer Angriff eher unwahrscheinlich<\/strong><\/p>\n<p>Geht man davon aus, dass Kim Jong-un und sein Regime (in ihrem Interesse) halbwegs rationale Entscheidungen treffen, dann ist ein Angriff von Nordkoreas Seite aus eher unwahrscheinlich. Denn das h\u00e4tte unweigerlich den Sturz der Kim-Dynastie, die das Land in dritter Generation regiert, zur Folge. Insofern w\u00e4re es auch eine rote Linie f\u00fcr Kim, nukleares Material und entsprechende Technologien an Terrorgruppen wie den \u201eIslamischen Staat\u201c zu verkaufen. Das w\u00e4re f\u00fcr Amerika ein sicherer Kriegsgrund. Der renommierte Nordkorea-Forscher R\u00fcdiger Frank pl\u00e4diert deshalb daf\u00fcr, Nordkorea Wege zu lassen, auf legalem Wege Geld zu verdienen. Wer klug sei, lasse der Gegenseite immer einen Ausweg.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte dieser aussehen? Der von Amerika gen Korea geschickte Flottenverband l\u00e4sst eher darauf schlie\u00dfen, dass Donald Trump den Konflikt milit\u00e4risch l\u00f6sen will. Oder ist das die ultimative Drohung, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen? Schon die Regierung unter Pr\u00e4sident Bill Clinton hatte 1993 mit einem milit\u00e4rischen Schlag gegen den Atomreaktor Yongbyon gedroht \u2013 und war kurz davor, die Drohung in die Tat umzusetzen. Dem ebenfalls fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter gelang es damals, einen Kompromiss auszuhandeln, der m\u00f6glicherweise einen neuen Korea-Krieg verhinderte: F\u00fcr Roh\u00f6llieferungen und den Bau von Leichtwasserreaktoren verpflichtete sich das Kim-Regime zur nuklearen Abr\u00fcstung. Ein Deal, der allerdings nicht lange hielt.<\/p>\n<p>Aber welcher Pr\u00e4sident w\u00e4re besser geeignet, einen neuen Deal ins Auge zu fassen? Nordkorea ist im Kern ein Industrieland, allerdings mit veralteten Anlagen. Der \u201eDealmaker\u201c Trump h\u00e4tte auf dem wirtschaftlichen Parkett einiges anzubieten, was f\u00fcr das devisenschwache Regime in Pj\u00f6ngjang Anreiz genug sein k\u00f6nnte, \u00fcber ein neuerliches Abr\u00fcstungspaket zu verhandeln. Bis dahin wird Kim Jong-un allerdings weiter an der Bombe bauen \u2013 und aller Welt vor Augen f\u00fchren. Ob sie am Samstag oder erst in einigen Wochen gez\u00fcndet wird, sei dahingestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse erschienen bei FAZ.NET (13.04.2017) Von Martin Benninghoff Ob Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Samstag eine neue Atombombe z\u00fcndet oder nicht: Der Konflikt mit Amerika k\u00f6nnte zu einem gro\u00dfen Krieg ausarten, wenn rote Linien \u00fcberschritten werden. 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