{"id":1862,"date":"2017-05-23T15:33:33","date_gmt":"2017-05-23T13:33:33","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1862"},"modified":"2017-05-23T15:36:12","modified_gmt":"2017-05-23T13:36:12","slug":"man-fuehlt-sich-in-solchen-momenten-alleine-gelassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1862","title":{"rendered":"&#8222;Man f\u00fchlt sich alleine gelassen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/manchester-attentat-erinnert-an-pariser-bataclan-anschlag-15029420.html\">Artikel erschienen bei FAZ.NET (23.05.2017)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Trag\u00f6die in Manchester erinnert an den Anschlag auf das Bataclan 2015 in Paris. Dutzende Rockfans starben. Julia Schmitz entkam knapp. Im Interview schildert sie, was ihr damals geholfen hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frau Schmitz, Sie haben vor knapp zwei Jahren mit Ihrem Mann den Bataclan-Anschlag in Paris knapp \u00fcberlebt. Seitdem gab es einige Terroranschl\u00e4ge, dieses Mal wieder auf ein Konzert. Weckt das Erinnerungen? <\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df zumindest genau, was die \u00dcberlebenden und die Angeh\u00f6rigen der gestorbenen Opfer nun durchmachen m\u00fcssen. Bei uns haben damals ja viele gesagt, mit dem Bataclan-Anschlag sei eine neue, rote Linie \u00fcberschritten worden. Das ist jetzt auch wieder so, weil der Angriff auf ein Konzert von einem Teenie-Star auf Jugendliche zielt \u2013 im Gegensatz zu einem \u201eEagles-of-Death-Metal\u201c-Konzert. Bei uns ist das Erlebte anderthalb Jahre her. Der Anschlag von Manchester erinnert einen daran. Aber es nicht so, dass man wieder in ein Loch f\u00e4llt. Bei mir zumindest nicht.<\/p>\n<p><em>Was war damals passiert? Es ist die Nacht vom 13. November 2015. Pl\u00f6tzlich, mitten im Gitarrensolo in der Pariser Konzerthalle bricht eine Schie\u00dferei los. Panik bricht aus, Julia und Thomas fliehen von ihrem Platz auf der Galerie des Bataclans, laufen durch G\u00e4nge, hetzen Treppen runter und wieder hoch. Und verschanzen sich schlie\u00dflich in einem Raum, der sich sp\u00e4ter als Backstage-Bereich der Band herausstellen wird.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Bange Stunden in der stickigen Luft des Raumes, sie kauern auf dem Boden zusammen mit einigen anderen. Dann h\u00f6ren sie Schreie und Sch\u00fcsse und irgendwann die Attent\u00e4ter vor der T\u00fcr, die versuchen, in den Raum zu gelangen. Es ist der Moment, als Thomas und Julia mit ihrem Leben abschlie\u00dfen: \u201eWir haben wirklich gedacht, wir sterben jetzt. Hoffentlich geht es schnell und tut nicht weh.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie sich noch gut an die erste Zeit nach dem Anschlag erinnern? Was war wichtig f\u00fcr Sie, um das Erlebte zu verarbeiten?<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem solchen Konzert sind es ja Tausende Menschen, die aus der Halle str\u00f6men und gar nicht richtig wissen, was passiert ist. Die gehen vielleicht nach Hause und wissen aber gar nicht, wie ihnen geschieht. Die haben auch Fragen. Brauche ich Hilfe? Man f\u00fchlt sich in solchen Momenten alleine gelassen.<\/p>\n<p><em>Julia und Thomas Schmitz kamen in Paris nur knapp mit dem Leben davon: Sie mussten von Einsatzkr\u00e4ften befreit werden und wurden von ihnen herausgebracht. Am Abend des Anschlags warteten vor der Halle in Paris Psychologen, die sich vor Ort k\u00fcmmerten, auch wenn es einige sprachliche H\u00fcrden gab. F\u00fcr diejenigen, die zu Beginn der Schie\u00dferei direkt aus dem Bataclan fliehen konnten, stellten sich viele Fragen erst, als sie schon zu Hause waren. Etliche Opferangeh\u00f6rige und \u00dcberlebende haben sich auch deshalb via soziale Medien gesucht \u2013 und bis heute in Selbsthilfeorganisationen gefunden.<\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie den \u00dcberlebenden und den Opferangeh\u00f6rigen irgendwas raten, wie man mit dem Erlebten besser klarkommt? <\/strong><\/p>\n<p>Das ist schwer zu sagen und von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich bin damals sehr offensiv damit umgegangen, wollte alles wissen, was die Medien bringen, habe alle Informationen aufgesaugt. Mein Mann Thomas war da zur\u00fcckhaltender. F\u00fcr uns beide war es aber hilfreich, mal professionelle Hilfe zu suchen. Nicht, dass wir die hinterher total gebraucht haben. Aber zu wissen, da ist jemand, zu dem wir im Notfall gehen k\u00f6nnen, war sehr hilfreich.<\/p>\n<p><em>Einige Wochen nach dem Bataclan-Anschlag flogen die beiden nach Australien \u2013 die Reise war schon lange geplant gewesen. Zwei Wochen vorher hatten sie eine Psychotherapeutin aufgesucht. Nach der R\u00fcckkehr von der Reise ging es f\u00fcr die beiden auch emotional aufw\u00e4rts. Thomas ging wieder arbeiten, und der Alltag funktionierte wieder.<\/em><\/p>\n<p><strong>Leider sind die Reaktionen auf Anschl\u00e4ge ja fast schon ritualisiert: Trauerbekundungen, Prominente twittern und so weiter. Hilft das eigentlich den Opfern? Hat es Ihnen geholfen? <\/strong><\/p>\n<p>Ob irgendwelche Popstars etwas twittern, das ist an uns vorbeigegangen und war mir egal. Aber nat\u00fcrlich hilft die Anteilnahme, aber vor allem die von Freunden und Familie. Die Berichterstattung hilft auch, weil sie die Menschen auf das Erlebte aufmerksam macht.<\/p>\n<p><em>Die Fragen stellte Martin Benninghoff. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel erschienen bei FAZ.NET (23.05.2017) Von Martin Benninghoff Die Trag\u00f6die in Manchester erinnert an den Anschlag auf das Bataclan 2015 in Paris. Dutzende Rockfans starben. 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