{"id":1872,"date":"2017-06-15T11:32:17","date_gmt":"2017-06-15T09:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1872"},"modified":"2017-06-15T11:33:12","modified_gmt":"2017-06-15T09:33:12","slug":"der-fall-otto-warmbier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1872","title":{"rendered":"Der Fall Otto Warmbier"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/nach-nordkoreanischer-haft-entlassener-amerikanischer-student-liegt-nun-in-klinik-15061906.html\">Erschienen bei FAZ.NET (15.06.2017)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Monatelang sa\u00df der amerikanische Student Otto Warmbier in nordkoreanischer Haft \u2013 offenbar schon lange im Koma. Warum hat ihn das Regime in Pj\u00f6ngjang gerade jetzt freigelassen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Amerikaner Otto Warmbier, der in Nordkorea im vergangenen Jahr zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war, ist mittlerweile in seiner Heimat Cincinnati (Ohio) angekommen. Nach \u00fcbereinstimmenden Berichten mehrerer amerikanischer Medien erwarteten ihn seine Eltern am Flughafen und begleiteten den 22 Jahre alten Studenten direkt ins Universit\u00e4tsklinikum der Stadt. Fred und Cindy Warmbier best\u00e4tigten, dass ihr Sohn im Koma liege \u2013 nach nordkoreanischen Angaben bereits seit M\u00e4rz 2016.<\/p>\n<p>Laut \u201eWashington Post\u201c hatte sich Warmbier nach seinem Schauprozess in Pj\u00f6ngjang im M\u00e4rz 2016 eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Die nordkoreanischen Bewacher sollen ihm daraufhin aus nicht n\u00e4her erl\u00e4uterten Gr\u00fcnden eine Schlaftablette verabreicht haben, nach deren Einnahme er ins\u00a0 Koma gefallen sei. \u00dcberpr\u00fcfen lassen sich die Behauptungen nicht.<\/p>\n<p>Warmbier war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung mit der Reisegruppe \u201eYoung Pioneer Tours\u201c unterwegs, die Touren in das abgeschottete Land sowie an andere ungew\u00f6hnliche Reiseziele vor allem f\u00fcr junge Reisende organisiert. Der Gr\u00fcnder und Chef der Reiseagentur, Gareth Johnson, wollte sich auf Anfrage von FAZ.NET nicht zu dem Fall \u00e4u\u00dfern. Der Fall Warmbier ist\u00a0 gef\u00e4hrlich f\u00fcr Johnsons Reiseagentur, deren Lizenz f\u00fcr Nordkorea-Reisen jederzeit vom Regime in Pj\u00f6ngjang entzogen werden kann.<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe an den Veranstalter k\u00f6nnten lauten, die Reisegruppe nicht gen\u00fcgend unter Kontrolle gehabt zu haben: Warmbier wurde beschuldigt, ein Propagandaplakat im Pj\u00f6ngjanger Touristenhotel \u201eYanggakdo\u201c, wo er mit rund 100 anderen westlichen Touristen untergebracht war, gestohlen zu haben. Als \u201eBeweis\u201c ver\u00f6ffentlichte die KCNA, die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur, ein verwackeltes Video, auf dem Warmbier allerdings nicht eindeutig zu identifizieren ist.<\/p>\n<p><strong>Isoliertes Touristen-Hotel<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eYanggakdo\u201c-Hotel liegt auf einer Flussinsel in Pj\u00f6ngjang. Im Hotel selbst d\u00fcrfen sich die Touristen weitgehend frei bewegen: Im Erdgeschoss gibt es eine Bar sowie ein Andenkengesch\u00e4ft, in den Katakomben des Hotels eine\u00a0 Karaoke-Bar und einen Friseur. Zu Beginn solcher \u201eAbenteuer\u201c-Pauschalreisen nach Nordkorea werden die Teilnehmer der Gruppen in der Regel dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass Fotografieren in dem Land nur an besonderen Orten erlaubt ist (innerhalb Pj\u00f6ngjangs allerdings sind die Regeln weniger streng), und dass keinesfalls politische oder sonstige Banner entfernt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Bei seiner geplanten Ausreise \u2013 am 2. Januar 2016 \u2013 war Warmbier am Flughafen in der nordkoreanischen Hauptstadt festgenommen worden. In dem darauffolgenden Schauprozess \u201egestand\u201c Warmbier. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur behauptete, er habe sich schuldig bekannt, das Banner als \u201eTroph\u00e4e\u201c mit nach Hause zu nehmen.<\/p>\n<p>Offenbar ist Warmbier als amerikanischer Staatsb\u00fcrger in die M\u00fchle des Dauerstreits zwischen dem nordkoreanischen Regime und seinem ideologischen Hauptgegner, Amerika, geraten.<\/p>\n<p>Sein Verbleib und Gesundheitszustand waren bis vor wenigen Tagen v\u00f6llig unklar, selbst die Eltern hatten keine Nachricht von ihm. Die Freilassung ist nun m\u00f6glicherweise ein diplomatischer Erfolg der amerikanischen Regierung und von Au\u00dfenminister Rex Tillerson. In einer Erkl\u00e4rung am Dienstag ging er nicht darauf ein, wie die Freilassung zustande gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ob es tats\u00e4chlich ein diplomatischer Erfolg ist, sei allerdings dahingestellt: Denkbar w\u00e4re auch, dass sich das Regime in Pj\u00f6ngjang gezwungen sah, Warmbier freizulassen, bevor sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtere. Das h\u00e4tte man nicht nur in den Reihen der amerikanischen Regierung den Haftbedingungen zugeschrieben, was zu einer ernsthaften diplomatischen Konfrontation h\u00e4tte ausarten k\u00f6nnen. In der derzeitigen ohnehin schwierigen Lage wollten das die Nordkoreaner offenbar nicht riskieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen bei FAZ.NET (15.06.2017) Von Martin Benninghoff Monatelang sa\u00df der amerikanische Student Otto Warmbier in nordkoreanischer Haft \u2013 offenbar schon lange im Koma. Warum hat ihn das Regime in Pj\u00f6ngjang gerade jetzt freigelassen? 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