{"id":1975,"date":"2018-03-22T13:18:00","date_gmt":"2018-03-22T11:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1975"},"modified":"2018-03-22T13:18:00","modified_gmt":"2018-03-22T11:18:00","slug":"fragiler-schulfrieden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=1975","title":{"rendered":"Fragiler Schulfrieden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/streit-ueber-islamische-gebete-fragiler-schulfrieden-15476766.html\">Erschienen in der &#8222;FAZ Woche&#8220; und bei FAZ.NET (16.03. bzw. 22.03.2018) <\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Muslimische Sch\u00fcler, die im Schulflur beten? Als die Rektorin eines Gymnasiums ein Betverbot ausspricht, bricht ein internationaler Shitstorm los. Ein Jahr danach erz\u00e4hlt die Rektorin zum ersten Mal, wie es dazu kommen konnte. Hat die L\u00f6sung Modellcharakter f\u00fcr andere Schulen?<\/strong><\/p>\n<p>Christiane Genschel kann wieder durchatmen. Die Schulleiterin des Johannes-Rau-Gymnasiums im Wuppertaler Stadtteil Barmen sitzt in ihrem ger\u00e4umigen Arbeitszimmer, sichtlich erleichtert, endlich auf dieses Jahr zur\u00fcckblicken zu k\u00f6nnen, das sie so nie wieder erleben m\u00f6chte. Langsam kommt ihr Gymnasium zur Ruhe, allm\u00e4hlich ist an st\u00f6rungsfreies Lernen und Lehren zu denken. Die Fernsehteams sind weg, ihr Mailpostfach nicht mehr voller Droh- und Hassmails, der Streit im Lehrerkollegium etwas abgeflaut. Genschel mag sogar wieder mit einem Reporter sprechen, nachdem sie lange alle Kontaktversuche abgewehrt hat. Wer \u00fcber die Sache reden wollte, musste sich mit der Pressesprecherin der Bezirksregierung D\u00fcsseldorf begn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Was geschehen war: 2017 hatten Sch\u00fcler und Lehrer \u201ezunehmend beobachtet, dass muslimische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Schulgeb\u00e4ude f\u00fcr andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von entsprechenden K\u00f6rperhaltungen\u201c, wie Genschel in einem internen Schreiben ans Kollegium formulierte. \u201eDas ist nicht gestattet.\u201c Sie forderte die Kollegen auf, die Sch\u00fcler freundlich auf das Betverbot hinzuweisen, die Namen festzustellen und der Schulleitung zu melden. Die S\u00e4tze, die solche Sprengkraft entwickeln sollten, wurden aus dem Kollegium heraus an Sch\u00fcler weitergegeben und gerieten so in die \u00d6ffentlichkeit. T\u00fcrkisch-islamische Nationalisten verbreiteten die Nachricht weltweit, die regierungsnahe t\u00fcrkische Zeitung \u201eDaily Sabah\u201c interpretierte den Sachverhalt so: \u201eDeutsches Gymnasium bespitzelt betende Sch\u00fcler.\u201cHeute, mehr als ein Jahr sp\u00e4ter, erz\u00e4hlt Genschel, wie aus einem allt\u00e4glichen Schulproblem ein medialer Aufschrei wurde, wie sie ihn, eine Rektorin, die es eher mit der Lokalpresse zu tun hat, noch nie erlebt hat. Sch\u00fcler seien zu ihr und anderen Kollegen gekommen und h\u00e4tten von muslimischen Mitsch\u00fclern berichtet, die im Flur Gebetsteppiche ausrollten oder Kleinere aus den Schultoiletten dr\u00e4ngten, um sich einer rituellen Fu\u00dfwaschung zu unterziehen. \u201eDa war etwas in Gang gekommen\u201c, sagt sie, \u201edass diese Sch\u00fcler aus pubert\u00e4ren Gr\u00fcnden oder was auch immer austesten wollten, wie weit sie gehen k\u00f6nnen.\u201c Die Schulleiterin reagierte prompt, verfasste besagtes Schreiben, das \u201eals Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kollegen gedacht\u201c gewesen sei. Ihr Ziel: das Gespr\u00e4ch mit den betenden Sch\u00fclern suchen. Als ihr Stellvertreter Rainer Kokenbrink mit einem Sch\u00fcler ebenjenes Gespr\u00e4ch f\u00fchrte, fanden sich wenig sp\u00e4ter \u201eganze S\u00e4tze und Argumentationsstr\u00e4nge\u201c der vertraulichen Situation im Internet wieder. An eine interne Kl\u00e4rung der Sache war nicht mehr zu denken.<\/p>\n<p>Die Schule geriet zwischen die Fronten t\u00fcrkischer Nationalisten und orthodoxer Muslime \u2013 und wurde gefeiert von deutschen Rechtsradikalen. Kamerateams standen vor dem Schultor und boten laut Genschel Sch\u00fclern Geld f\u00fcr ein Interview an. Der Schulleiterin entglitt die Kontrolle, gegen die Anw\u00fcrfe oder den Beifall von falscher Seite konnte sie sich kaum wehren. Nach einem Hilferuf an die Bezirksregierung in D\u00fcsseldorf \u00fcbernahm die dortige Presseabteilung die Krisenkommunikation, nicht ohne Kritik an der ungl\u00fccklichen Wortwahl in dem Schreiben zu \u00e4u\u00dfern. \u201eWir haben nicht darauf geachtet, wie das ankommen w\u00fcrde, wenn es an die \u00d6ffentlichkeit kommt\u201c, sagt die Schulleiterin heute selbstkritisch. In der ersten Zeit danach habe sie kaum etwas zu Papier gebracht, aus Sorge, neuerlich zur Zielscheibe zu werden.<\/p>\n<p><strong>Der Streit eskaliert<\/strong><\/p>\n<p>Doch erledigt war der Aufruhr damit lange nicht, schon gar nicht nach innen, wo sich Risse quer durch die Elternschaft, Sch\u00fcler und Lehrer auftaten. Religi\u00f6se Eltern forderten nun ein Recht f\u00fcr ihre Kinder ein, \u00f6ffentlich in der Schule beten zu d\u00fcrfen \u2013 und beriefen sich auf die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit. Manche setzten sich f\u00fcr einen dauerhaften Gebetsraum ein, von dem andere s\u00e4kular oder gar laizistisch gepr\u00e4gte Eltern nichts wissen wollten. Zwischendrin gab es auch fremdenfeindliche oder pauschal gegen Einwanderer gerichtete T\u00f6ne. F\u00fcr eine Schule, die zwar eine Diskussionskultur hat, aber weder ein Parlament noch eine Partei ist, entwickelten sich die Konflikte zur Zerrei\u00dfprobe. Die Elternvertretung trat auf die Bremse und vertagte die Entscheidung \u00fcber den Wunsch der Sch\u00fclervertreter, einen Gebetsraum einzurichten. Erst sollte Ruhe einkehren, keine Schnellsch\u00fcsse. \u201eKommunikation musste erst wieder m\u00f6glich werden\u201c, sagt Genschel. Und das habe bis weit in den Sommer gedauert.<\/p>\n<p>Zumal es l\u00e4ngst nicht mehr nur ums Beten ging, andere religi\u00f6se Bekundungen wie Kopft\u00fccher oder Kreuzketten seien ohnehin nie ein Problem gewesen, sagt die Schulleiterin. Die Debatte rutschte im Laufe von Fr\u00fchling und Sommer ins Grunds\u00e4tzliche, alte Gr\u00e4ben wurden aufgerissen, gerade im Lehrerzimmer, wo pl\u00f6tzlich unvers\u00f6hnliche T\u00f6ne zu h\u00f6ren waren: Wie viel Religion darf sein in der Schule? Oder soll Schule ein offener Raum sein, wo sich eben auch Religi\u00f6se mit ihren Werten und Riten ebenso angenommen f\u00fchlen wie Religionsferne? Die Frage spaltet das Kollegium bis heute.<\/p>\n<p>Im Rektorzimmer ist Martin Schumacher zum Reportergespr\u00e4ch hinzugesto\u00dfen, Lehrer f\u00fcr Katholische Religion und Latein. Die Wunden, die die Auseinandersetzung gerissen hat, sind auch hier und jetzt noch nicht g\u00e4nzlich verheilt. Genschel findet den Bekenntnis-Islamunterricht, den die Schule f\u00fcr die achte und neunte Klasse anbietet, zwar sehr wichtig, dar\u00fcber hinaus sieht sie Religion im \u00f6ffentlichen Raum ihrer Schule skeptischer als ihr Kollege, der Religionslehrer. Das Kollegium glaubt sie in dieser Frage mehrheitlich hinter sich zu wissen, was Schumacher nicht so unterschreiben mag. Nein, ruft er einmal dazwischen. Klar sei, so Schumacher: \u201eEin Laizismus wie in Frankreich ist hier nicht gewollt.\u201c Zwischendurch fallen sich die beiden ins Wort, die Vehemenz der Debatte wirkt wie ein Phantomschmerz nach. \u201eEs gibt Narben, die noch wehtun\u201c, sagt Schumacher sp\u00e4ter. Und Genschel: \u201eWir sind hier besch\u00e4digt worden, das braucht Zeit.\u201c Immerhin: Die Stimmung im Kollegium sei wenigstens wieder durch \u201eganz viel Wertsch\u00e4tzung\u201c gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich unternehmen deutsche Gerichte seit Jahren die Gratwanderung, die weltanschauliche Neutralit\u00e4t der \u00f6ffentlichen Schule mit dem Recht auf individuelle Glaubensaus\u00fcbung auszutarieren \u2013 von Laizismus wie in Frankreich keine Spur. Die Glaubensfreiheit des Sch\u00fclers berechtigt ihn grunds\u00e4tzlich, w\u00e4hrend des Besuchs der Schule au\u00dferhalb der Unterrichtszeit ein Gebet zu verrichten, urteilte etwa das Bundesverwaltungsgericht 2011. Allerdings nur, solange der Schulfrieden nicht gef\u00e4hrdet ist. Das Bundesverfassungsgericht hob 2015 ein pauschales Kopftuchverbot (und anderer \u201ereligi\u00f6ser Bekundungen\u201c) f\u00fcr Lehrerinnen an \u00f6ffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen auf. Verbote m\u00fcssen nun im Einzelfall begr\u00fcndet werden, und \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Beten: Es ist prinzipiell erlaubt, es sei denn, der Schulfrieden ist konkret gef\u00e4hrdet. Das nachzuweisen ist Sache der Schulleitungen und keine leichte Entscheidung.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6sungsversuch nach gut einem Jahr<\/strong><\/p>\n<p>Ein pauschales Betverbot wird es in absehbarer Zeit nicht geben, auch wenn Genschel, wie sie durchblicken l\u00e4sst, nichts dagegen h\u00e4tte, wenn das Land NRW hier eine einheitliche Regelung f\u00e4nde. So aber musste sie nach den Beratungen mit den Lehrern, Eltern, Sch\u00fclern, Kirchen und dem Wuppertaler Moscheeverband, der \u201euns sehr unterst\u00fctzt hat\u201c, eine L\u00f6sung finden. Sie beauftragte den Religionslehrer Schumacher mit der praktischen Umsetzung, und dieser pr\u00e4sentierte seine Vorstellungen vor ein paar Tagen den Kollegen im Lehrerzimmer.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung sieht so aus: Ein Sch\u00fcler, der beten (oder sich einfach nur besinnen m\u00f6chte), kann dies zur Mittagszeit in einem freien Raum tun, der gerade leer steht. Aber nur einzeln, um \u201eGr\u00fcppchenbildung\u201c zu vermeiden, wie Genschel sagt, oder auch eine Gruppendynamik im Keim zu unterbinden, bei der sich muslimische Sch\u00fcler untereinander vorhalten, nicht beten zu gehen. So wie manche M\u00e4dchen andere manchmal fragten: \u201eWie, Du tr\u00e4gst kein Kopftuch? Bist Du keine richtige Muslima?&#8217;\u201c Der Modellversuch startet in diesen Tagen, angemeldet hat sich laut Schumacher \u201eeine \u00fcberschaubare Gr\u00f6\u00dfe\u201c, ausschlie\u00dflich muslimische Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung bekommt Genschel von Berufskollegen: \u201eDie Praxis, bei Bedarf in Pausen R\u00e4ume daf\u00fcr aufzuschlie\u00dfen, scheint mir ein gangbarer vern\u00fcnftiger Weg zu sein\u201c, sagt Heinz-Peter Meidinger, Pr\u00e4sident des Deutschen Lehrerverbandes. Feste Gebetsr\u00e4ume, also \u201eeigens daf\u00fcr ausgewiesene R\u00e4ume an Schulen, haben in der Vergangenheit oft zu zus\u00e4tzlichen Konflikten gef\u00fchrt\u201c, erkl\u00e4rt er, \u201eweil einzelne Gruppen (beileibe nicht alle muslimischen Sch\u00fcler) die Oberhoheit \u00fcber diesen Raum anstrebten und ihn zur \u00f6ffentlichen Demonstration nutzen\u201c. Auch der Rechts- und Islamwissenschaftler Mathias Rohe sieht das \u00e4hnlich: \u201eDas scheint eine pragmatische und f\u00fcr den Einzelfall angemessene L\u00f6sung zu sein. Es ist ein Zeichen f\u00fcr Offenheit und vermeidet, dass sich, wie teils schon geschehen, Gr\u00fcppchen bilden, die mit demonstrativer Religiosit\u00e4t Macht \u00fcber andere im \u00f6ffentlichen Raum demonstrieren wollen.\u201c Dauerhafte \u201eR\u00e4ume der Stille\u201c w\u00e4ren seiner Ansicht nach \u201esch\u00f6n\u201c, allerdings reines Wunschdenken angesichts \u201eweitgehend maroder\u201c Schulen.<\/p>\n<p>Am Ende des Schuljahres soll evaluiert werden, ob die Regelung gut ankommt oder nicht. Und ob \u00fcberhaupt weiterhin Interesse besteht: Denn die Sch\u00fcler, die im vergangenen Jahr durch angeblich provokantes Beten aufgefallen sein sollen, sind nach Angaben der Schule mittlerweile mit Abschluss von der Schule gegangen. Zu viele d\u00fcrften es ohnehin nicht werden, sagt Genschel, \u201edas k\u00f6nnten wir sonst nicht mehr organisieren\u201c. Schumacher: \u201eWir leiden unter Raummangel.\u201c Genschel: \u201eAber das ist nicht nur Raummangel. Das Land bezahlt die Kollegen nicht daf\u00fcr, dass sie R\u00e4ume zum Beten aufschlie\u00dfen, sondern dass sie Unterricht machen.\u201c Und: \u201eAuf alle Eventualit\u00e4ten k\u00f6nnen wir keine R\u00fccksicht nehmen.\u201c Schon bei der Diskussion um die Einrichtung eines Gebetsraumes habe es vonseiten mancher Eltern die Frage gegeben, inwieweit man \u00fcber Geschlechtertrennung in einem solchen Raum nachdenken m\u00fcsse. \u201eDas wollen wir nicht\u201c, sagt Genschel. Keine Segregation, erst recht nicht in einer Schule, die den Titel \u201eUnesco-Projekt-Schule\u201c tr\u00e4gt und stolz auf ihre integrativen Konzepte ist.<\/p>\n<p><strong>Pubert\u00e4res Verhalten als Grund f\u00fcr Provokationen?<\/strong><\/p>\n<p>Weniger die Teilnehmerzahl oder Raummangel sind die Sollbruchstelle der neuen Betregelung, sondern die Frage, ob sich alle Sch\u00fcler daran halten, nicht mehr im \u00f6ffentlichen Raum durch religi\u00f6se Bekundungen aufzufallen. Gerade da die Schule von pubert\u00e4rem Verhalten als Grund f\u00fcr die Provokationen ausgeht \u2013 warum sollte solches Verhalten abgestellt sein, in einer Schule? Geben sich die Sch\u00fcler und ihre Eltern mit einer diskreten, aber gleichsam unsichtbaren M\u00f6glichkeit zum Beten zufrieden? Ein fragiler Schulfrieden, das wei\u00df auch Schumacher: \u201eMan k\u00f6nnte \u00fcber Infiltrationen von au\u00dfen \u2013 etwa mit Predigten nach dem Motto: &#8218;Es ist Euer Recht, in der Schule zu beten!&#8216; \u2013 der Schule richtig schaden.\u201c Zumindest wenn es sich nicht um ein stilles Gebet handelt, sondern um das Einfordern einer t\u00e4glich ritualisierten Gebetszeit. Zumal Wuppertal als Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Islamisten sp\u00e4testens mit der \u201eScharia-Polizei\u201c, einer selbsternannten islamistischen B\u00fcrgerwehr des Salafisten Sven Lau, bundesweit Schlagzeilen machte.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler vor solchen Propagandisten zu sch\u00fctzen, ist p\u00e4dagogische Aufgabe und Gratwanderung zugleich: Unter den Sch\u00fclern des Johannes-Rau-Gymnasiums gibt es laut Genschel und Schumacher auch solche, die sich bei einem K\u00f6ln-Ausflug weigerten, den K\u00f6lner Dom zu betreten, mit dem Hinweis, als wahre Muslime verbiete sich das. Sch\u00fclerinnen dr\u00fcckten sich bisweilen vor dem Museumsbesuch, um ja keine anst\u00f6\u00dfigen Bilder zu sehen. Gruppenbildung, Abgrenzungsverhalten: F\u00fcr einige muslimische Sch\u00fcler im Teenager-Alter k\u00f6nne der Islam \u2013 oder das, was sie daf\u00fcr halten \u2013 zur Selbstwerterh\u00f6hung oder Provokation dienen. Da ist Fingerspitzengef\u00fchl gefragt, aber wohl kaum eine \u00fcberregionale mediale Debatte, die weitere Fronten aufmacht. In einer Schule dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung \u2013 rund 900 Sch\u00fcler aus 40 Nationen, darunter zwei Fl\u00fcchtlingsklassen \u2013 gibt es gen\u00fcgend Anl\u00e4sse, sich gegenseitig abzuwerten und abzugrenzen. \u201eWir schauen auch nicht mehr, ist das ein Junge oder M\u00e4dchen? Die Herkunft soll keine Rolle mehr spielen. Ich m\u00f6chte keine spaltenden Elemente\u201c, sagt Genschel. \u201eDa sind wir uns hundertprozentig einig\u201c, bekr\u00e4ftigt ihr Kollege Schumacher, dieses Mal ganz einer Meinung.<\/p>\n<p>Etwas\u00a0 Positives an diesem Jahr 2017 zu finden, f\u00e4llt den beiden P\u00e4dagogen nicht leicht. Aber dann doch dies: Sie h\u00e4tten Zuschriften bekommen von Lehrern anderer Schulen, die von \u00e4hnlichen Debatten um Gebetsr\u00e4ume oder Betregeln berichteten, zugleich aber monierten, diese nie gekl\u00e4rt zu haben. Stattdessen w\u00fcrden Hinhaltestrategien angewandt, etwa bei der Forderung nach einem Gebetsraum so lange angeblichen Raummangel vorzuschieben, bis die Sch\u00fcler abgegangen seien oder entnervt vom Thema ablassen w\u00fcrden. In den Zuschriften hofften sie auf einen Kl\u00e4rungsprozess, wie ihn das Johannes-Rau-Gymnasium durchlaufen hat. Oder auch: durchlaufen musste. Denn weder Genschel noch Schumacher w\u00fcnschen sich dieses Jahr 2017 zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen in der &#8222;FAZ Woche&#8220; und bei FAZ.NET (16.03. bzw. 22.03.2018) Von Martin Benninghoff Muslimische Sch\u00fcler, die im Schulflur beten? Als die Rektorin eines Gymnasiums ein Betverbot ausspricht, bricht ein internationaler Shitstorm los. 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