{"id":2069,"date":"2018-06-11T16:05:19","date_gmt":"2018-06-11T14:05:19","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2069"},"modified":"2018-06-11T16:05:19","modified_gmt":"2018-06-11T14:05:19","slug":"der-weg-ist-das-ziel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2069","title":{"rendered":"Der Weg ist das Ziel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/kim-jong-un-trifft-donald-trump-das-wird-besprochen-15629686.html\">Analyse erschienen bei FAZ.NET (11.06.2018)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Die H\u00fcrden sind hoch, der Ton gesetzt \u2013 es kann eigentlich nur schiefgehen. Und doch bietet das historische Treffen von Kim Jong-un und Donald Trump auch Chancen. Eine Analyse.<\/strong><\/p>\n<p>Kim Jong-un hat schon jetzt, einen Tag vor dem historischen Treffen mit dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"4c2d461052e4493568027a1f701a31d1ee4b8779\" data-cke-saved-href=\"#\">Donald Trump<\/a>, sein vorerst wichtigstes Etappenziel erreicht: Er spielt auf Augenh\u00f6he mit in der Reihe der m\u00e4chtigsten Staatslenker der Welt, so zumindest wird er es selbst sehen. Und den Weg dahin pflastert der nordkoreanische Machthaber mit prominenten Beigaben: Denn w\u00e4hrend die staatliche Nachrichtenagentur KCNA in der Vergangenheit vor allem die Fotos seiner skurrilen Vor-Ort-Anleitungen, bei denen er in der nordkoreanischen Provinz Fabriken oder Baustellen besucht, oder Gl\u00fcckwunschschreiben zum Geburtstag irgendeines unbedeutenden afrikanischen Autokraten verbreitete, so laufen nun wahre Bildersch\u00e4tze der weltpolitischen Prominenz \u00fcber den Ticker: Kim Jong-un mit dem amerikanischen Au\u00dfenminister Mike Pompeo, Kim mit dem russischen Chef-Diplomaten Sergej Lawrow, Kim mit S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sidenten Moon Jae-in. Eben all die vorbereitenden Treffen, die das m\u00f6glich machten, was sich Kim Jong-un morgen in sein Geschichtsbuch schreiben kann: das erste Gipfeltreffen eines nordkoreanischen Diktators mit einem amtierenden amerikanischen Pr\u00e4sidenten. Das Foto dieser pers\u00f6nlichen Kr\u00f6nungszeremonie folgt.<\/p>\n<p>Und Donald Trump? Er wird jenen Mann treffen, den er vor nicht langer Zeit noch als \u201elittle rocket man\u201c verspottete und dem er \u201eFeuer und Zorn\u201c androhte. Der Pr\u00e4sident schlie\u00dft sogar eine Einladung f\u00fcr Kim zu einem Besuch ins Wei\u00dfe Haus nicht aus, sollte der Gipfel in einem Singapurer Luxushotel positiv verlaufen. \u201eVielleicht fangen wir mit dem Wei\u00dfen Haus an\u201c, sagte der Pr\u00e4sident auf die Frage, ob er Kim sogar in sein Privatdomizil Mar-a-Lago in Florida bitten k\u00f6nnte. Alles scheint m\u00f6glich, zumindest noch an diesem Montag.<\/p>\n<p>Das Ziel des Gipfels in der Nacht zu Dienstag hiesiger Zeit ist der Gipfel selbst: \u201eUnabh\u00e4ngig davon, was die genauen Ergebnisse sein werden, ist das Treffen als solches historisch und einzigartig\u201c, sagt Hannes Mosler, Korea-Forscher an der FU Berlin. \u201eDas Stattfinden ist das Ziel.\u201c Es kann also nur darum gehen, keine Fehler zu machen, einen diplomatischen Eklat zu vermeiden und erst recht einen Abbruch. Zumal vor allem Trump Spezialist f\u00fcr Unvorhergesehenes ist, wie man zuletzt beim G-7-Gipfel sehen konnte. Dann w\u00e4re m\u00f6glicherweise die T\u00fcr verschlossen f\u00fcr weitere Treffen und konkretere Schritte in Richtung einer vollst\u00e4ndigen und unumkehrbaren Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel \u2013 das ist nach wie vor das Ziel der Amerikaner: Kim Jong-un habe verstanden, \u201edass das jetzige Modell nicht funktioniert\u201c, gab sich Au\u00dfenminister <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"449db2f532a0d806ee15eb6a25270d78395234b2\" data-cke-saved-href=\"#\">Mike Pompeo<\/a> vergangene Woche siegesgewiss. Eine atomare Abr\u00fcstung m\u00fcsse vollst\u00e4ndig nachweisbar und unumkehrbar sein. Trump, dem nachgesagt wird, sich nicht so sehr f\u00fcr Details zu interessieren, blieb eher blumig: \u201eWir haben das Potential, etwas Unglaubliches f\u00fcr die Welt zu schaffen. Und es ist mir eine Ehre, daran beteiligt zu sein.\u201c Zugleich will er bis zuletzt den Druck auf die nordkoreanische Regierung aufrechterhalten, indem er eine Absage des Gipfeltreffens weiterhin f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt und wiederholt die Absicht erkl\u00e4rte, den Verhandlungstisch zu verlassen, sollte er mit dem Verlauf der Gespr\u00e4che nicht zufrieden sein.<\/p>\n<p>Die H\u00fcrden sind also hoch, der Ton gesetzt \u2013 und es kann eigentlich nur schiefgehen. Andererseits: Das erste so symboltr\u00e4chtige Treffen k\u00f6nnte auch vergleichsweise leicht sein, Absichtsbekundungen des guten Willens sind nicht sonderlich kontrovers. Konkret wird es vielleicht erst sp\u00e4ter \u2013 und damit komplizierter. Beim morgigen Gipfel wird es erst einmal um Vertrauensbildung gehen und um einen Plan, an dessen Ziel eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel stehen k\u00f6nnte. Doch bis dahin ist es ein langer Weg \u2013 der mit diesen steinigen Themen gepflastert ist:<\/p>\n<p><strong>Gibt es einen Friedensvertrag?<\/strong><\/p>\n<p>Offiziell gilt noch immer das Waffenstillstandsabkommen von 1953, mit dem Nordkorea und Amerika den blutigen Korea-Krieg beendet hatten. Mit der provisorisch gemeinten Vereinbarung schufen die Staaten einen permanenten <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"2cb58c9f636c63c401e5ea7795adb26692109a82\" data-cke-saved-href=\"#\">Kalten Krieg<\/a> zwischen Nord- und S\u00fcdkorea und der Schutzmacht des S\u00fcdens, Amerika. Die rund vier Kilometer breite demilitarisierte Zone zieht sich seitdem wie eine tiefe, nie heilende Narbe durch das geteilte Land, immer in der Gefahr, wieder aufzurei\u00dfen und zu bluten. Alle wissen: Die n\u00e4chste Blutung wird kaum zu stoppen sein. Eigentlich h\u00e4tte es l\u00e4ngst eine Abmachung geben sollen, die den Kriegszustand beendet und die rund 30.000 amerikanischen Soldaten zum Abzug verpflichtet, aber nichts ist passiert in den vergangenen Jahrzehnten. Mit dem permanenten Kriegszustand legitimieren die nordkoreanischen Machthaber ihre Politik der Indoktrination der eigenen Bev\u00f6lkerung: Jedes Kleinkind lernt im Kinderg\u00e4rten, dass die Landesverteidigung gegen den \u201eamerikanischen Aggressor\u201c erste B\u00fcrgerpflicht ist. Die Koreanische Volksarmee ist nach der Chinas die zweitgr\u00f6\u00dfte Asiens, rund eine Million Menschen bei einer Bev\u00f6lkerungszahl von rund 24 Millionen stehen unter Waffen.<\/p>\n<p>Es ist logisch: Bevor Kim dar\u00fcber nachdenkt, seine wichtigste Waffe, die Atombombe, aus der Hand zu geben, wird er Sicherheitsgarantien verlangen, f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t des Landes und letztlich auch f\u00fcr sein Regime, das seit Gr\u00fcndung der Volksrepublik 1948 fest in Familienhand ist. Ein Friedensvertrag k\u00f6nnte der ber\u00fchmte erste Schritt sein, aus Nordkorea einen\u00a0\u201eganz normalen Staat\u201c zu machen, der diplomatische Kontakte auch mit Amerika h\u00e4lt. Bislang bestehen keine offiziellen diplomatischen Verbindungen nach Washington. Die Vorteile einer Friedensvereinbarung w\u00fcrden sowohl f\u00fcr Nordkorea als auch Amerika \u00fcberwiegen: F\u00fcr den weithin isolierten Norden k\u00f6nnten Sanktionsschranken fallen und der Tourismus angekurbelt werden. Trump k\u00f6nnte sich r\u00fchmen, das zu erreicht zu haben, woran alle seine Vorg\u00e4nger gescheitert sind: Frieden in Korea. Amerikas Einfluss w\u00fcrde \u00fcber den S\u00fcden Koreas hinaus wachsen, bis an die Grenzen Chinas (wor\u00fcber die Chinesen nicht begeistert w\u00e4ren).<\/p>\n<p>Ein solcher Friedensvertrag m\u00fcsste allerdings (ob explizit oder zwischen den Zeilen) eine Art Nicht-Angriffsversprechen beinhalten. Und darin liegt die Crux: Ein komplexer Vertrag m\u00fcsste Auskunft dar\u00fcber geben, ob amerikanische Truppen aus S\u00fcdkorea abziehen und was aus der schwerbewachten demilitarisierten Zone wird . Soweit wird es vorerst nicht kommen. Wahrscheinlicher erscheint eine lose Vereinbarung, in der sich beide Seiten den Verzicht auf feindliche Handlungen versprechen.<\/p>\n<p>Allerdings birgt ein Friede f\u00fcr beide Staaten innenpolitische Risiken: Kim Jong-un legitimiert seinen repressiven Staatsapparat zu einem gro\u00dfen Teil mit der angeblichen Aggression Amerikas. Selbst f\u00fcr die Hungersnot in den neunziger Jahren machte Pj\u00f6ngjang Washington\u00a0 verantwortlich. Amerika ist im Alltag der Nordkoreaner pr\u00e4sent, in einer Mischung aus Faszination f\u00fcr die Fast-Food- und Micky-Maus-Kultur (Disney-Figuren sind hoch im Kurs und an U-Bahnstationen zu kaufen) und Abscheu vor angeblichen Greueltaten der Amerikaner w\u00e4hrend des Korea-Krieges, wovon die Kriegsmuseen in vielen nordkoreanischen St\u00e4dten Zeugnis ablegen. Aber: \u201eDauerhaft wird das nordkoreanische Regime nicht \u00fcberleben, wenn es alleine das Feindbild USA als Existenzgrundlage ansieht\u201c, sagt Hanns-G\u00fcnther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Auch Trump steht innenpolitisch unter Druck: Ein Friedensvertrag sei eine der gr\u00f6\u00dften Fallen, in die der amerikanische Pr\u00e4sident zu tappen in Gefahr ist, sagte j\u00fcngst zum Beispiel Evans Revere, ein fr\u00fcherer Korea-Unterh\u00e4ndler, weil man Nordkorea k\u00fcnftig weniger unter Druck setzen k\u00f6nne und es unwahrscheinlicher werde, dass Kim bei der Abr\u00fcstung weitere Zugest\u00e4ndnisse mache.<\/p>\n<p><strong>Was passiert mit dem Atom- und Raketenprogramm?<\/strong><\/p>\n<p>Die zentrale Frage in den Verhandlungen. Suzanne DiMaggio, Direktor beim amerikanischen Think Tank \u201eNew America Foundation\u201c h\u00e4lt ein \u201eallgemeines Statement, das eine vollst\u00e4ndige Denuklearisierung als Zielmarke eines Prozesses vorsieht, f\u00fcr das bestm\u00f6gliche Ergebnis\u201c des morgigen Gipfels. Mit einer Friedensvereinbarung w\u00e4re der erste Schritt getan hin in Richtung einer Denuklearisierung \u2013 das ist das schwierigste Thema zwischen Nordkorea und Amerika. Nochmal erinnert: Bereits Staatsgr\u00fcnder <a class=\"rtr-entity\" href=\"http:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"ec0de4726dbd1db223547bee9d275595be45d64e\" data-cke-saved-href=\"#\">Kim Il-sung<\/a> hatte das Kernwaffenprogramm initiiert, das sein Sohn Kim Jong-il vorantrieb. Kim Jong-un hat da nahtlos weitergemacht, seit 2012 bezeichnet sich das Land in der Verfassung als Atommacht. F\u00fcr Kim Jong-un ist das Atomprogramm zentrale \u00dcberlebensgarantie seines Regimes, in Pj\u00f6ngjang ist man sich sehr bewusst, wie es anderen Diktatoren wie dem libyschen Revolutionsf\u00fchrer Muammar al-Gaddafi ergangen war, der auf sein allerdings noch nicht weit gediehenes Atomprogramm verzichtet hatte.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund ist es verst\u00e4ndlich, dass in Washington und Pj\u00f6ngjang verschiedene Ansichten dar\u00fcber existieren, was unter Denuklearisierung zu verstehen ist. Amerika will eine vollst\u00e4ndige Aufgabe des Atomprogramms und Zugang zu allen Anlagen, um sicherzustellen, dass die atomare Abr\u00fcstung vollst\u00e4ndig und endg\u00fcltig ist. Kim Jong-un hat mehrfach seinen \u201eunver\u00e4nderten, best\u00e4ndigen und festen Willen zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel\u201c bekr\u00e4ftigt. Das ist viel und zugleich vage: Wie lange ein solcher Prozess dauern k\u00f6nnte, und welchen Preis er daf\u00fcr von Amerika und der Staatengemeinschaft verlangt, sagt der k\u00fchle Stratege Kim nicht, bislang zumindest nicht. H\u00f6ren wir dazu morgen mehr? Es ist unwahrscheinlich, dass er in n\u00e4chster Zeit auf sein Atomprogramm verzichten wird. Und sollte er einem R\u00fcckbau zustimmen, hie\u00dfe das noch lange nicht, dass der Plan umgesetzt wird.<\/p>\n<p>Und so kann man nur \u00fcber m\u00f6gliche Varianten spekulieren, die teilweise in Libyen oder in L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks angewendet wurden, wie zum Beispiel der Abbau von Anlagen zur Urananreicherung und Infrastruktur und der Entsch\u00e4rfung von\u00a0 Atomsprengk\u00f6pfen im Land unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde IAEO. Oder indem man die Sprengk\u00f6pfe au\u00dfer Landes schafft, um sie im Ausland unbrauchbar zu machen. Die Befindlichkeiten der Verb\u00fcndeten sind dabei nicht zu ignorieren: Amerika k\u00f6nnte Nordkorea die Interkontinentalraketen zwar abverhandeln, mittels derer Kim Jong-un das amerikanische Festland bedroht \u2013 das k\u00f6nnte Trump zuhause als gro\u00dfen Erfolg verkaufen. Andererseits bliebe Japan in Reichweite kleinerer Raketen. Und auch im Falle einer eindeutigen atomaren Abr\u00fcstung w\u00fcrde S\u00fcdkorea weiter durch konventionelle Waffen bedroht: Die Hauptstadt Seoul liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zum Norden entfernt. Lege man die Kriterien an, die Trump bei Iran anlegte, dann m\u00fcsse \u201eer wohl auch verlangen, dass Nordkorea umfangreich konventionell abr\u00fcstet\u201c, sagt Wendy Sherman, die Bill Clintons Nordkorea-Beraterin war. Aber soweit wird es nicht kommen: Kim hat es alleine durch sein Atomprogramm geschafft, dass er in einer anderen Liga spielt als andere (aus der Sicht Amerikas) \u201eSchurkenstaaten\u201c.<\/p>\n<p>Tritt Amerika zu fordernd und forsch auf, wird sich Kim Jong-un zur\u00fcckziehen. Ohnehin ist die Frage: Wie verl\u00e4sslich ist Nordkorea heute? In der Vergangenheit war es wankelm\u00fctig: Das Land war noch zu Zeiten Kim Il-sungs dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten, wollte ganz Korea zur atomwaffenfreien Zone erkl\u00e4ren. Mit dem Genfer Rahmenabkommen unternahmen Amerika und Nordkorea den Versuch, den Atomkonflikt zu entsch\u00e4rfen \u2013 was nach Jahren der Verhandlungen und R\u00fcckschl\u00e4ge misslang. 2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus, nachdem der neue amerikanische Pr\u00e4sident George W. Bush Nordkorea in die \u201eAchse des B\u00f6sen\u201c eingruppiert hatte. Nach den hoffnungsvollen Jahren der Bill-Clinton-\u00c4ra folgten seitdem eigentlich nur weitere Tiefschl\u00e4ge \u2013 bis nun mit der Regierung Trump tats\u00e4chlich Bewegung in den eingefahrenen Konflikt gekommen ist. Jetzt kommt es allerdings auf einen guten Zeitplan an: Sollte sich Kim bereiterkl\u00e4ren, sein Atomwaffenarsenal zu verschrotten, w\u00e4re die Amtszeit Trumps bis Anfang 2021 ein m\u00f6glicher Zeitkorridor \u2013 wer wei\u00df, wer danach im Wei\u00dfen Haus ganz andere Vorstellungen in Sachen Korea entwickelt? So oder so: Seit die amerikanische Regierung das Iran-Abkommen hat platzen lassen, bestehen auch an der Verl\u00e4sslichkeit Amerikas Zweifel.<\/p>\n<p><strong>Werden die Sanktionen gelockert?<\/strong><\/p>\n<p>Die nordkoreanische Wirtschaft \u00e4chzt unter den strengsten Sanktionen, mit denen das Land je belegt war. Sie betreffen l\u00e4ngst nicht mehr nur Milit\u00e4rg\u00fcter, sondern blockieren praktisch den gesamten Au\u00dfenhandel: Rohstoffe, Luxusg\u00fcter, Maschinenteile, kommerzielle T\u00e4tigkeiten und Dienstleistungen, Geldtransfers, Reisen von Angeh\u00f6rigen der Elite. Die Vereinten Nationen haben damit einen festen undurchl\u00e4ssigen Ring um Nordkorea gelegt, und die EU flankiert dies mit eigenen Ma\u00dfnahmen, wie zum Beispiel damit, dass Arbeitskr\u00e4fte keine Genehmigung mehr bekommen, in einem EU-Staat t\u00e4tig zu werden. Kim Jong-un hat mehr als einmal versprochen, den Lebensstandard seiner noch immer in weiten Teilen verarmten Bev\u00f6lkerung zu heben. Ein Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft in Berlin betonte im Gespr\u00e4ch mit FAZ.NET mehrfach, wie wichtig es sei, die Sanktionen zu lockern. Es sei unm\u00f6glich, \u201eeine Maschine zu importieren\u201c. Die Lockerung der Sanktionen ist oberstes Ziel der Friedensbem\u00fchungen, vielleicht sogar das zentrale Motiv f\u00fcr Kim Jong-un, mit den Amerikanern zu verhandeln. Das wurde auch in diesem Gespr\u00e4ch deutlich.<\/p>\n<p>Diese Sanktionen wirken! Der amerikanischen Regierung ist klar, dass sie das druckvolle Instrument nicht zu schnell aus der Hand geben darf. Pr\u00e4sident Trump machte zuletzt mehrfach deutlich, dass die Sanktionen erst bei greifbaren Zugest\u00e4ndnissen der nordkoreanischen Seite gelockert werden k\u00f6nnten. Immerhin: Seine Regierung werde keine neuen Sanktionen verh\u00e4ngen, so lange die Gespr\u00e4che nicht zusammenbr\u00e4chen. Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis verlangte, Pj\u00f6ngjang m\u00fcsse in \u201eVorleistung\u201c gehen, bevor sie gelockert w\u00fcrden. Erforderlich seien \u201eunumkehrbare Schritte\u201c bei der atomaren Abr\u00fcstung. Entsprechende Forderungen kommen auch vonseiten der Demokraten und der Japaner, die vor zu schnellen Zugest\u00e4ndnissen der Amerikaner warnen. Vorstellbar w\u00e4re es, dass zun\u00e4chst die Beschr\u00e4nkungen gegen Einzelpersonen gelockert\u00a0 w\u00fcrden, danach die gegen G\u00fcter des t\u00e4glichen Lebensbedarfs, sagt Korea-Forscher Mosler. Konkrete Beschl\u00fcsse dazu sollte man besser f\u00fcr dieses Treffen nicht erwarten.<\/p>\n<p><strong>Werden Menschenrechte thematisiert?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte nein. Grunds\u00e4tzlich meine ich aber, dass die Frage der Menschenrechte getrennt von der Sicherheitsfrage behandelt werden sollte. Dann sind die Chancen wohl auch h\u00f6her, dass Nordkorea hier einlenkt\u201c, sagt Hanns-G\u00fcnther Hilpert. Der UN-Sonderberichterstatter Tomas Qjea Quintana forderte vor wenigen Tagen die Freilassung aller politischen Gefangenen Nordkoreas \u2013 als Signal des guten Willens. Dass es dazu nicht kommen wird, ist leicht vorherzusehen bei rund 100.000 (vermeintlichen) Oppositionellen, die Sch\u00e4tzungen zufolge in den Arbeitslagern des Regimes weggesperrt sind. Aber Quintana wollte den Finger in die Wunde legen und den Fokus auf das zentrale Thema der Menschenrechte schwenken, das dennoch kaum eine Rolle spielen d\u00fcrfte beim Gipfel. Zu hoch die Gefahr, dass Kim Jong-un das Treffen platzen lie\u00dfe. Denn offiziell bestreitet das Regime Kims die Existenz solcher Lager. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/exklusiver-film-ueber-nordkorea-die-jangmadang-generation-15578668.html\" data-cke-saved-href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/exklusiver-film-ueber-nordkorea-die-jangmadang-generation-15578668.html\">Unabh\u00e4ngige Berichte dazu gibt es nicht<\/a>, Journalisten und Inspektoren wie dem UN-Nordkorea-Fachmann Michael Kirby, der Zeugenaussagen zusammentrug,\u00a0 wurde die Einreise und damit auch der Zutritt verwehrt. Auf Durchbr\u00fcche bei diesem Thema sollte also vorerst niemand bauen. \u201eEs m\u00fcssen zun\u00e4chst die Voraussetzungen geschaffen werden, um sp\u00e4ter auch solche Themen anzugehen\u201c, sagt Hannes Mosler.<\/p>\n<p>Etwas gr\u00f6\u00dfer stehen die Chancen bei einem Anliegen, das Trump auf Bitte Japans ansprechen will: die R\u00fcckkehr von Japanern, die nach Nordkorea verschleppt worden waren. Sie waren einst an der Ausreise aus Nordkorea gehindert worden, weil sie nordkoreanischen Agenten helfen sollten, sich als Japaner auszugeben. Einige (nach japanischen Angaben um die 17) leben seit Jahrzehnten in Nordkorea. Die Freilassung w\u00e4re ein Signal des Entgegenkommens und f\u00fcr Kim vergleichsweise leicht zu gew\u00e4hren. Zumal sich Trump f\u00fcr symbolische Gesten, die die Atmosph\u00e4re verbessern, erw\u00e4rmen kann: Kim habe ihm einen \u201esehr warmherzigen\u201c Brief geschrieben. Der Pr\u00e4sident erkl\u00e4rte wiederholt, er wolle ein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zu Kim aufbauen. \u201eEs geht um die Grundhaltung. Es geht um die Bereitschaft, Dinge erledigen zu wollen.\u201c Und da kommt es auch auf vermeintlich unwichtige Fragen des Protokolls an: \u201eAuf jeden Fall muss verhindert werden, dass sich einer der beiden Spitzen, vor allem Kim, in irgendeiner Weise schlechter behandelt oder dargestellt f\u00fchlt\u201c, sagt Mosler. Genau darin k\u00f6nnte aber auch ein Scheitern des Gipfels begr\u00fcndet sein: Trump und Kim sind kaum zu kontrollierende Pers\u00f6nlichkeiten. Weder durch Fragen des Protokolls noch durch klug ausgehandelte Kommuniqu\u00e9s. Ein gro\u00dfer Rest Unsicherheit bleibt also. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass das erste Treffen eher erfolgreich \u00fcber die B\u00fchne geht, weil die guten Absichten mit einem Handshake der beiden besiegelt werden. Der Teufel liegt aber im Detail k\u00fcnftiger Verhandlungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse erschienen bei FAZ.NET (11.06.2018) Von Martin Benninghoff Die H\u00fcrden sind hoch, der Ton gesetzt \u2013 es kann eigentlich nur schiefgehen. Und doch bietet das historische Treffen von Kim Jong-un und Donald Trump auch Chancen. Eine Analyse. 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