{"id":2071,"date":"2018-06-12T15:41:20","date_gmt":"2018-06-12T13:41:20","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2071"},"modified":"2018-06-12T15:45:48","modified_gmt":"2018-06-12T13:45:48","slug":"war-es-das","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2071","title":{"rendered":"War es das?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/treffen-von-kim-und-trump-eine-analyse-15635533.html\">Analyse erschienen bei FAZ.NET (12.06.2018)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong><span id=\"work_110984\" class=\"p_textOutput\">Kim Jong-un und Donald Trump haben das historische Gipfeltreffen unfallfrei \u00fcber die B\u00fchne gebracht. Doch ob die gemeinsame Erkl\u00e4rung das Papier wert ist, auf dem sie steht, wird sich noch zeigen m\u00fcssen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>War das schon der gro\u00dfe Durchbruch, den manche erwartet, aber viele noch nicht einmal erhofft hatten? Der amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un haben sich auf die atomare Abr\u00fcstung auf der koreanischen Halbinsel verst\u00e4ndigt. Trump k\u00fcndigte bei dem Gipfel in Singapur an, die Abr\u00fcstung werde \u201esehr, sehr schnell beginnen\u201c. Nach mehr als vierst\u00fcndigen Beratungen unterzeichneten beide dazu eine Vereinbarung. Sp\u00e4ter pr\u00e4zisierte der amerikanische Pr\u00e4sident seine Pl\u00e4ne in einer langen Pressekonferenz.<\/p>\n<p>Dass es eine gemeinsame Vereinbarung gibt, ist eine gute Nachricht, wenn man die teilweise niedrig gesetzten Erwartungen zum Ma\u00dfstab nimmt. \u201eDas Stattfinden ist das Ziel\u201c, hatte beispielsweise Hannes Mosler, Korea-Fachmann an der FU Berlin, vor dem Gipfel gesagt. Nach dem Gipfeltreffen bewertet er die Vereinbarung gegen\u00fcber FAZ.NET so: \u201eIch finde, das ist insgesamt ein betr\u00e4chtliches Ergebnis, erst recht, wenn man die Umst\u00e4nde in Rechnung stellt. Mehr ist unter den Bedingungen gar nicht erreichbar.\u201c Bedingungen, Umst\u00e4nde: Nicht wenige hatten vor dem Treffen bef\u00fcrchtet, die beiden unberechenbaren Staatsf\u00fchrer k\u00f6nnten das Treffen kurzfristig doch noch platzen lassen oder auf dem Gipfel einen handfesten Eklat herbeif\u00fchren. Nichts davon ist passiert, man kann aufatmen. Aber wer mehr erwartet hat, vielleicht sogar konkrete Schritte hin zur vollst\u00e4ndigen Denuklearisierung Koreas, d\u00fcrfte sich entt\u00e4uscht die Augen reiben. Einen konkreten Fahrplan liefert das Abschlussdokument nicht. Vorerst nicht.<\/p>\n<p><strong>Coup f\u00fcr Kim Jong-un<\/strong><\/p>\n<p>Nordkoreas Staatsf\u00fchrer Kim Jong-un d\u00fcrfte sich hingegen verwundert die Augen reiben, was f\u00fcr einen weltpolitischen Coup er gelandet hat. Anders als seine Vorg\u00e4nger, sein Vater Kim Jong-il und sein Gro\u00dfvater Kim Il-sung, ist es ihm gelungen, sich mit dem m\u00e4chtigsten Mann der Welt, dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten, auf Augenh\u00f6he zu pr\u00e4sentieren. Der Leiter der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte dem \u201eSWR\u201c, erst einmal seien der Handschlag und das Treffen zwischen den beiden ein 2:0-Sieg f\u00fcr Kim.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass sich ein Kommentator bei \u201eCNN\u201c schon angesichts der sorgsam inszenierten Gipfel-Choreografie mit den drapierten amerikanischen und nordkoreanischen Flaggen bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlte, Kim Jong-un als \u201eworld leader\u201c zu bezeichnen. Der nordkoreanische Diktator gebietet \u00fcber rund 25 Millionen Menschen und ist alles andere als demokratisch legitimiert. Doch wenn man in Betracht zieht, wie es Kim gelungen ist, sich mit seinem Atom- und Raketenprogramm auf die B\u00fchne der Weltpolitik\u00a0zu drohen, dann bekommt dieser Begriff tats\u00e4chlich eine wahre Bedeutung.<\/p>\n<p>Doch die von Trump und Kim unterzeichnete Vereinbarung ist nur eine Erkl\u00e4rung der guten Absichten und des guten Willens: \u201eNeue Beziehungen f\u00fcr den Frieden und den Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel\u201c strebe man an, hei\u00dft es darin. Auch das wichtigste Ziel der Amerikaner, eine vollst\u00e4ndige atomare Abr\u00fcstung, ist in dem Papier erw\u00e4hnt. Allerdings \u00e4u\u00dferst vage, \u00fcber das, was Kim Jong-un schon in den letzten Wochen gesagt hat, geht das Papier nicht hinaus. Nordkorea wolle sich f\u00fcr eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel einsetzen \u2013 doch ein genauer Zeitplan ist in dem Dokument nicht erw\u00e4hnt. Und auch nicht, wie das Land abr\u00fcsten m\u00f6chte: Sollen die Atomsprengk\u00f6pfe au\u00dfer Landes geschafft oder in Nordkorea entsch\u00e4rft werden? L\u00e4sst Kim Jong-un Inspektoren in sein bislang abgeriegeltes Land?<\/p>\n<p><strong>Pompeo soll die Details liefern<\/strong><\/p>\n<p>Immerhin soll sich nun Amerikas Au\u00dfenminister Mike Pompeo m\u00f6glichst bald (laut Trump schon in der kommenden Woche) mit den Nordkoreanern zusammensetzen, damit aus den guten Absichtserkl\u00e4rungen konkrete Vorschl\u00e4ge zur Umsetzung folgen. Und erst dann werden wir wissen, ob dieser Gipfel tats\u00e4chlich etwas zum Guten ver\u00e4ndern wird. In Singapur wurden beispielsweise keine Schritte zur formellen Beendigung des Kriegszustandes auf der koreanischen Halbinsel unternommen \u2013 was man h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, auch wenn Trump noch einmal in der anschlie\u00dfenden Pressekonferenz bekr\u00e4ftigt hat, den Kriegszustand in der Zukunft beenden zu wollen. Genau das wird als n\u00e4chstes zu besprechen sein: Seit dem Ende des Koreakrieges 1953 ist bis heute kein Friedensvertrag zwischen den Kriegsparteien geschlossen worden. Um offizielle diplomatische Verbindungen aufzunehmen und Nordkorea eines Tages zu einem \u201enormalen Staat\u201c mit \u201enormalen\u201c Beziehungen zum Rest der Welt zu machen, bedarf es aber erst einmal dieses ersten Schrittes.<\/p>\n<p>Und was dann? Washington und Pj\u00f6ngjang haben beide verschiedene Ansichten dar\u00fcber, was unter vollst\u00e4ndiger Denuklarisierung zu verstehen ist. Amerika will eine vollst\u00e4ndige Aufgabe des Atomprogramms und Zugang zu allen Anlagen, um sicherzustellen, dass die atomare Abr\u00fcstung vollst\u00e4ndig und endg\u00fcltig ist. Dass Kim das \u00e4hnlich sieht, ist nicht sehr wahrscheinlich \u2013 dazu hat er sich vorerst auch auf dem Gipfel nicht ge\u00e4u\u00dfert. Auch auf die Frage, wie lange ein solcher Abr\u00fcstungsprozess dauern k\u00f6nnte und welchen Preis Kim daf\u00fcr von Amerika und der Staatengemeinschaft verlangt, gibt es vorerst keine Antworten. Immerhin m\u00f6chte Trump nun die Milit\u00e4rman\u00f6ver mit S\u00fcdkorea beenden, das ist schon lange eine zentrale Forderung der Nordkoreaner.<\/p>\n<p>Alleine deshalb ist es schon richtig, den Gipfel nicht schlechtzureden. Mehr Optimismus ist zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht angebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse erschienen bei FAZ.NET (12.06.2018) Von Martin Benninghoff Kim Jong-un und Donald Trump haben das historische Gipfeltreffen unfallfrei \u00fcber die B\u00fchne gebracht. 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