{"id":2073,"date":"2018-06-12T15:44:59","date_gmt":"2018-06-12T13:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2073"},"modified":"2018-06-12T15:45:19","modified_gmt":"2018-06-12T13:45:19","slug":"mehr-ist-unter-den-bedingungen-nicht-erreichbar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2073","title":{"rendered":"&#8222;Mehr ist unter den Bedingungen nicht erreichbar&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/interview-mit-korea-forscher-mosler-ueber-trump-kim-gipfel-15635650.html\">Interview mit Korea-Forscher Hannes Mosler, erschienen am 12.06.2018 bei FAZ.NET<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong>Was hat das Gipfeltreffen von Kim Jong-un und Donald Trump gebracht? Im Gespr\u00e4ch mit FAZ.NET ordnet der Korea-Fachmann Hannes Mosler von der FU Berlin das historische Ereignis ein \u2013 und findet lobende Worte f\u00fcr die Verhandlungspartner.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Mosler, Donald Trump und Kim Jong-un haben eine Vereinbarung unterzeichnet, in der von atomarer Abr\u00fcstung die Rede ist, aber ansonsten keine konkreten Ergebnisse festgehalten sind. Ist das nicht ein bisschen d\u00fcnn? <\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich finde, das ist insgesamt ein betr\u00e4chtliches Ergebnis, erst recht, wenn man die Umst\u00e4nde in Rechnung stellt. Mehr ist unter den Bedingungen gar nicht erreichbar. Es geht ja darum, einen Prozess anzusto\u00dfen und erst einmal f\u00fcr eine gute Atmosph\u00e4re zu sorgen \u2013 und f\u00fcr ein Sprungbrett f\u00fcr die weiteren Verhandlungen. Und es geht auch darum, Druck aus der Situation zu nehmen, ein sehr pragmatisches Vorgehen. Indem man sich in einem ersten Schritt m\u00f6glichst vage h\u00e4lt, bleiben alle M\u00f6glichkeiten auf dem Tisch. Sonst k\u00f6nnte es in der n\u00e4chsten Woche, wenn die Verhandlungen weiter gehen sollen, schnell hei\u00dfen: \u201eWie, das habt ihr uns doch versprochen!\u201c<\/p>\n<p><strong>Aber andererseits geht die Vereinbarung, was die atomare Abr\u00fcstung angeht, nicht \u00fcber das hinaus, was Kim Jong-un bereits im Vorfeld gesagt hat. Was ist der Unterschied? <\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied ist, dass die Vereinbarung von beiden unterzeichnet worden ist. Es ist ein politisches Dokument, ein St\u00fcck Symbolpolitik nat\u00fcrlich, kein Abkommen im legalen Sinne. Deshalb ist es aber nicht weniger wichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es exakt das, was man machen sollte.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem haben viele erwartet, dass zumindest eine zentrale konkrete Ank\u00fcndigung dabei herumkommt. Zum Beispiel, dass beide den seit 1953 geltenden Kriegszustand zumindest symbolisch beenden\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das h\u00e4tten sie tun k\u00f6nnen. Formell w\u00e4ren noch andere Beteiligte wie die Vereinten Nationen n\u00f6tig gewesen, vielleicht hat man das deshalb gescheut. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die Verhandlungspartner diesen Punkt f\u00fcr die weiteren Treffen aufheben. Es ist effektiver, wenn man sich ein paar Samenk\u00f6rner aufspart und nicht gleich alles beim ersten Mal verpulvert. Zumal Trump ja S\u00fcdkorea, Japan und China genannt hat, also sich sehr bewusst ist, dass auch andere Staaten mit einbezogen werden m\u00fcssen. Interessant, dass er nicht von Russland gesprochen hat\u2026<\/p>\n<p><strong>Angeblich soll Amerikas Au\u00dfenminister Mike Pompeo schon n\u00e4chste Woche weiterverhandeln. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sp\u00e4testens dann wieder alles Erreichte in Frage gestellt wird? <\/strong><\/p>\n<p>Das kann passieren. Aber ich sehe es andersherum: Wichtig ist doch, dass es jetzt losgeht. Beide haben ihre Haltung bekr\u00e4ftigt, Zugest\u00e4ndnisse zu machen. Kim hat versprochen, ein Raketentestgel\u00e4nde zerst\u00f6ren zu lassen, und Trump hat in Aussicht gestellt, die Milit\u00e4rman\u00f6ver mit S\u00fcdkorea einzustellen.<\/p>\n<p><strong>Eine Forderung der Nordkoreaner\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist ein wichtiger Punkt, eine gro\u00dfe Geste. Bisher haben ja nur die Nordkoreaner geliefert: Sie haben die amerikanischen B\u00fcrger aus der Gefangenschaft entlassen, ein Atombombentestgel\u00e4nde zerst\u00f6rt und ihre Raketentests eingestellt. Wenn Amerika die Man\u00f6ver jetzt tats\u00e4chlich einstellt, w\u00fcrde dies f\u00fcr die Nordkoreaner ein wichtiger Vertrauensbeweis sein und sie motivieren, ihrerseits weiter konkret auf die Forderungen der Amerikaner einzugehen.<\/p>\n<p><strong>Eine Lockerung der Sanktionen hat Trump Kim aber nicht in Aussicht gestellt. <\/strong><\/p>\n<p>Nein, das hat Kim wohl auch nicht erwartet. Er wei\u00df, dass es daf\u00fcr noch zu fr\u00fch ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trump hat Kim in seiner Pressekonferenz sehr gelobt. Fanden Sie das befremdlich? <\/strong><\/p>\n<p>Mein erster Gedanke war: Wenn er ihn zu viel lobt, k\u00f6nnte das von den Nordkoreanern als \u201esehr von oben herab\u201c bewertet werden. Da ist Trumps Charakter mit ihm durchgegangen, es ist offenbar seine Art, die Atmosph\u00e4re aufzulockern und Kim Respekt zu zeigen.<\/p>\n<p><strong>Es mutet aber auch merkw\u00fcrdig an. Schlie\u00dflich ist Kim Jong-un f\u00fcr politische Morde verantwortlich, sein Volk hungert, noch immer sind Zehntausende in Arbeitslagern kaserniert. Er f\u00fchrt das wohl repressivste politische Land der Welt. <\/strong><\/p>\n<p>Ja, und dennoch: Erst einmal muss es um die Atomfrage gehen. Wenn man das mit der Frage der Menschenrechte vermischt, dann erreicht man letztlich gar nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Korea-Forscher Hannes Mosler, erschienen am 12.06.2018 bei FAZ.NET Von Martin Benninghoff Was hat das Gipfeltreffen von Kim Jong-un und Donald Trump gebracht? 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