{"id":2115,"date":"2018-08-07T13:58:43","date_gmt":"2018-08-07T11:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2115"},"modified":"2018-08-07T13:58:43","modified_gmt":"2018-08-07T11:58:43","slug":"kein-kind-macht-gluecklich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2115","title":{"rendered":"(K)ein Kind macht gl\u00fccklich!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blogs.faz.net\/schlaflos\/2018\/08\/07\/kein-kind-macht-gluecklich-258\/\">F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (erschienen am 07.08.2018) <\/a><\/p>\n<p><strong>Sorgen Kinder f\u00fcr ein erf\u00fcllteres Leben, oder machen sie nur Dreck, kosten Geld und nerven? Ein paar Argumente pro und contra \u2013 zur Abk\u00fchlung der gelegentlich harsch gef\u00fchrten Debatte.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p>Wer es sich mit Eltern so richtig verscherzen m\u00f6chte, der sollte mal en passant fallenlassen, wie sch\u00f6n und erf\u00fcllt ja ein Leben ohne Kinder sei. Beim Geburtstagsbrunch vielleicht. Oder beim Kaffeetrinken. Nur als Testballon. Viel Spa\u00df! Das sorgt f\u00fcr Stimmung und Heiterkeit, und man erf\u00e4hrt nebenbei, wie sehr an sich unspektakul\u00e4re Aussagen zur ideologisch aufgeladenen Debatte taugen. Dazu kann jeder was sagen: Wir Eltern waren ja auch mal kinderlos und haben dazu eine Meinung. Und die Kinderlosen kennen Kinder-Beispiele aus der eigenen Familie, die vielleicht absto\u00dfend sein m\u00f6gen. Wie auch immer: Die Debatte erf\u00fcllt alle Kriterien einer Schwarz-Wei\u00df-Betrachtung, und am Ende hei\u00dft es nur noch: Bist du f\u00fcr oder gegen Kinder?<\/p>\n<p>Die Frage, ob wir Kinder wollen, stellen wir uns alle irgendwann im Leben. Teenager haben dazu h\u00e4ufig eine Meinung (\u201eja, sp\u00e4ter bestimmt!\u201c), bei Studierenden zwischen 20 und 30 hat man eher den Eindruck, dass sie das Thema scheuen; zumindest scheint es manchmal meilenweit weg von der Lebensrealit\u00e4t junger Erwachsener vor allem in den akademischen Gro\u00dfstadtmilieus zu sein. Dem Vernehmen nach sind Kinder in den Berlin-Neuk\u00f6llner Kneipen und vorm \u201eSp\u00e4ti\u201c in Kreuzberg nur ein Randthema, aber durchaus ein Thema, das noch mit einigem Abstand durchdiskutiert wird. Sp\u00e4testens mit 30 gibt es dann kein Entrinnen mehr, wenn die ersten Gleichaltrigen Familien gr\u00fcnden \u2013 und man selbst in Gespr\u00e4chen mehr oder minder deutlich aufgefordert wird, Farbe zu bekennen. \u201eWollt Ihr eigentlich Kinder?\u201c ist eine h\u00e4ufig gestellte Frage, auf die man sich besser eine gute Antwort \u00fcberlegt, sonst findet man sich in allerlei gestammelten Rechtfertigungsschleifen wieder.<\/p>\n<p>Etwa zur gleichen Zeit trennen sich die Freundeskreise ein bisschen in Spreu und Weizen \u2013 in die, die bei den Partys bis in die Puppen bleiben, und die, die fr\u00fcher ins Bett gehen, weil das Kind am n\u00e4chsten Morgen um sieben auf der Matte steht. F\u00fcr jene, die l\u00e4nger bei der Party bleiben, ist der Fall klar: Kinder zerst\u00f6ren das Privatleben. Doch ist das wirklich so? Auch in dem Alter, da man gerade mehr oder minder dem Studentenleben entwachsen ist, kann man differenzierter sein: Kinder \u201ezerst\u00f6ren\u201c (besser: beeintr\u00e4chtigen) zwar einen Teil des fr\u00fcheren Privatlebens, aber sie schaffen auch ein neues. Sie helfen, sich weiterzuentwickeln. Ob Kinder gl\u00fccklich machen, ist hingegen umstritten: Studien zeigen, dass sie das nicht zwangsl\u00e4ufig tun. Andere argumentieren, dass Eltern ab 40 wieder gl\u00fccklicher werden, wahrscheinlich deshalb, da bei den meisten Paaren die Kinder aus dem Gr\u00f6bsten heraus sind.<\/p>\n<p>Je nachdem, ob Sie zur Partei der \u00fcberzeugten Kinderlosen oder der Familienfans geh\u00f6ren, werden Sie den ein oder anderen Aspekt st\u00e4rker gewichten und akzentuieren. Der einzig sinnvolle Lebensentwurf ist jedoch keine der beiden M\u00f6glichkeiten. So wie sich manche den Islam oder den Katholizismus zur einzig wahren Religion zurechtinterpretieren, so scheinen die Vertreter dieser beiden Zivilreligionen \u2013 Eltern-Fanatiker und Kinder-Ablehner \u2013 ihre Messen nicht weniger entschlossen zu zelebrieren. Dabei bringen Kinder Vor- und Nachteile, \u00fcber die man sich im Klaren sein sollte. Genau wie Kinderlosigkeit. Mehr aber auch nicht: Letztlich muss das Bauchgef\u00fchl stimmen, wenn man sich f\u00fcr Kinder entscheidet. Ein paar \u00dcberlegungen k\u00f6nnen helfen:<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr Kinder spricht<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Kinder schaffen viele sch\u00f6ne Momente im Familienleben, erfreuen Eltern, Gro\u00dfeltern, Tanten und Onkel, sorgen f\u00fcr eine sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re.<\/li>\n<li>Kinder lassen einen auch mal wieder Dinge sehen, die man als Erwachsener v\u00f6llig vergessen hat. Wie sch\u00f6n es zum Beispiel sein kann, den Flug eines Schmetterlings nachzuvollziehen, ohne gleich\u00a0 \u00fcber das Artensterben nachzudenken.<\/li>\n<li>Kinder bewahren das eigene Erbe, und hier vor allem die gemeinsamen Erlebnisse, die Geschichte der Familie, vielleicht die Namen.<\/li>\n<li>Durch Kinder lassen sich neue Kontakte kn\u00fcpfen, mit anderen Eltern und Familien.<\/li>\n<li>Kinder bringen Kindergeld \u2013 und die M\u00f6glichkeit, Elternzeit zu nehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Was gegen Kinder spricht<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Kinder kosten Geld. Dazu gibt es eine Reihe von Rechnungen: Nimmt man die laufenden Konsumausgaben, dann belaufen sich die Kosten bis zum 18. Lebensjahr auf rund 130.000 Euro. Danach geht es aber munter weiter: Wohnung, Studium, Geldgeschenke.<\/li>\n<li>Kinder kosten Nerven. Sie sind anstrengend, verlangen ihren eigenen Zeittakt, sorgen f\u00fcr mangelnden Schlaf.<\/li>\n<li>Kinder k\u00f6nnen Berufsaussichten behindern. Teilzeit gilt noch immer als Karrierekiller, Elternzeit ist allen Beteuerungen zum Trotz auch nicht immer und \u00fcberall bef\u00f6rderungsf\u00f6rderlich.<\/li>\n<li>Kinder erschweren die Sozialkontakte mit Leuten ohne Kindern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Debatte ist nat\u00fcrlich nur was f\u00fcr Menschen, die den Luxus der Entscheidung haben. Wer ungewollt kinderlos bleibt, wird Kinder entweder durch die rosarote Brille sehen oder sie gleich verdammen. Wer hingegen ungewollt Mutter oder Vater wird, mag sich die Freiheit der Kinderlosigkeit zur\u00fcckw\u00fcnschen. Aber nehmen wir die F\u00e4lle freier Entscheidungen, dann haben beide Wege etwas f\u00fcr sich \u2013 und sind vielleicht sogar gesellschaftlich w\u00fcnschenswert, vor allem da sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander voraussetzen, also Empathie, und im besten Falle erzeugen. Das kann nur Gutes bewirken. Dazu ein paar \u00dcberlegungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer kinderlos bleiben m\u00f6chte, kann Tatkraft und Geld in andere Projekte stecken. Das muss nicht zwangsl\u00e4ufig egoistisch sein, wie Eltern Kinderlosen gerne unterstellen (Partys und Rucksackreisen), sondern kann auch ein Ehrenamt oder die Pflege der Eltern sein. Muss aber nicht. Wer weit herumgekommen ist und seine Zeit nicht im H\u00fcpfburgenparadies verbracht hat, ist f\u00fcr eine Gesellschaft genauso wertvoll.<\/li>\n<li>Wer Kinder hat, braucht das Verst\u00e4ndnis kinderloser Freunde. Es ist eben nicht so, dass das Kleinkind morgens l\u00e4nger schl\u00e4ft, wenn man es abends sp\u00e4ter ins Bett bringt. Wer mit Kind am n\u00e4chsten Tag verreist, braucht mehr Zeit zum Packen \u2013 und hat vielleicht auch keinen Nerv mehr f\u00fcrs Bierchen am Abend vorher. \u201eSpie\u00dfig\u201c (der Generalvorwurf mancher Kinderloser in Richtung Eltern) ist man deswegen lange nicht.<\/li>\n<li>Auch Eltern finden Eltern nervig, die sich nur noch \u00fcber ihre Kinder definieren. Wer bei Whatsapp oder Facebook dauerhaft nur seine Kinder als Profilbild pr\u00e4sentiert oder sich selbst nur noch als \u201eMama\u201c bezeichnet, k\u00f6nnte zu wenig an Eigenem haben. K\u00fcchenpsychologie? Vielleicht. Und Erfahrung!<\/li>\n<li>Andersherum gilt auch: Wer auf Geburtstagseinladungen schreibt, die Kinder seien zuhause zu lassen und nicht erw\u00fcnscht, nimmt die Spaltung der eigenen Bekanntschaft und des Freundeskreises in Kauf. Ich w\u00fcrde da jedenfalls nicht mehr hingehen wollen. Nicht, weil ich partout das Kind auf eine verrauchte Party schleppen m\u00f6chte, aber ich habe keine Lust auf Leute, die solche Regeln erlassen \u2013 wie auch nicht auf solche, die gegen Kinderspielpl\u00e4tze in der Nachbarschaft prozessieren oder nur noch in kinderfreie Hotels fahren. Die sind mir einfach unsympathisch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielleicht w\u00e4re es hilfreich, von den Funktionszuschreibungen wegzukommen: Kinder sind nicht f\u00fcr irgendwas da; sie m\u00fcssen ihren Eltern weder Sinn verschaffen, noch ihr Erbe weitertragen, noch ihnen die Angst vor dem Tod nehmen (sie tun das alles auch, aber es ist nicht ihr Sinn!). Kinder machen einen auch nicht zum besseren Menschen, der durchs Kinderkriegen etwas Besonderes f\u00fcr die Gesellschaft leistet. Das muss man Eltern sagen, wenn sie behaupten, Kinderlose k\u00f6nnten das, was mit Familie zusammenh\u00e4ngt, nicht beurteilen. Der Satz \u201eda spricht ein Blinder \u00fcber Farbe\u201c ist die erste Stufe der Verirrung, danach kommen manche auf die absurde Idee, eine kinderlose Person k\u00f6nne keine Familienministerin werden. Grotesk \u2013 oder muss ein Arbeits- und Sozialminister zuvor Hartz IV bezogen haben, um zu wissen, wor\u00fcber er spricht? Es ist gerade gut, wenn jemand (auf den ersten Blick) Fachfremdes f\u00fcr gelegentlichen Perspektivwechsel sorgt. Insofern er\u00fcbrigt sich auch der ideologische Blick aufs Kinderkriegen: Der Geburtstagsbrunch ist gerettet, wenn alle begreifen, wie bereichernd die Perspektiven kinderreicher <em>und<\/em> kinderloser Menschen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (erschienen am 07.08.2018) Sorgen Kinder f\u00fcr ein erf\u00fcllteres Leben, oder machen sie nur Dreck, kosten Geld und nerven? Ein paar Argumente pro und contra \u2013 zur Abk\u00fchlung der gelegentlich harsch gef\u00fchrten Debatte. Von Martin Benninghoff Wer es sich&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2115\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">(K)ein Kind macht gl\u00fccklich!<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[156,1],"tags":[578,577,576],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2115"}],"collection":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2115"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2116,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions\/2116"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}