{"id":2120,"date":"2018-08-17T16:19:15","date_gmt":"2018-08-17T14:19:15","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2120"},"modified":"2018-08-17T16:19:15","modified_gmt":"2018-08-17T14:19:15","slug":"sollen-kinder-wirklich-draussen-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2120","title":{"rendered":"Sollen Kinder wirklich drau\u00dfen bleiben?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/adults-only-restaurant-sollen-kinder-wirklich-draussen-bleiben-15742779.html\">Erschienen bei FAZ. NET (17.08.2018)<\/a><\/p>\n<p><strong>Ein Wirt auf R\u00fcgen hat sein Lokal abends zur kinderfreien Zone erkl\u00e4rt. Unsinn oder willkommene Ruhe? Unsere Autorin und unser Autor sind da geteilter Meinung.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Julia Anton und Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p>Kinder nerven. Kinder sind toll. Kinder erfreuen mit ihrer Lautst\u00e4rke. Kinder sind zu laut. Man k\u00f6nnte auch sagen: Es kommt auf die Situation an und den Ort. Und f\u00fcr manche Leute, die in Ruhe in einem Restaurant sitzen wollen, sind Kinder \u2013 vor allem schlecht erzogene Kinder \u2013 nur noch ein Dorn im Auge. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/unerwuenscht-im-restaurant-kinder-duerfen-abends-nicht-mehr-in-omas-kueche-15742091.html\" data-cke-saved-href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/unerwuenscht-im-restaurant-kinder-duerfen-abends-nicht-mehr-in-omas-kueche-15742091.html\">Ein Gastronom auf der Urlauberinsel R\u00fcgen zieht daraus Konsequenzen und sperrt Kinder ab 17 Uhr k\u00fcnftig aus.<\/a> Eine gute Idee? Vielleicht mit Modellcharakter f\u00fcr andere Branchen?<\/p>\n<p><strong>JA! Ruhe ist auch Service!<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Julia Anton<\/em><\/p>\n<p>Ich mag Kinder. Trotzdem fahre ich n\u00e4chste Woche in ein Erwachsenenhotel. Denn Kinder sind laut, und das ist auch in Ordnung. Aber wenn ich im Urlaub am Strand liege, dann darf es eben auch mal ruhig sein. Ich will die Augen zumachen und das Meeresrauschen h\u00f6ren, ohne lautes Gebr\u00fcll nach Mama und Papa. Beim Abendessen will ich mich mit meinem Partner unterhalten, ohne h\u00f6ren zu m\u00fcssen, wie Eltern sich am Nebentisch mit ihrem Kind streiten, weil es sein Gem\u00fcse nicht aufessen will.<\/p>\n<p>Wie der Wirt von \u201eOmas K\u00fcche\u201c auch sagt, sind die Eltern oft noch nerviger, als die Kinder selbst: Entweder, weil sie gar nichts tun, oder weil sie ihre Kinder \u2013 die nat\u00fcrlich trotzdem machen, was sie wollen \u2013\u00a0permanent anschnauzen. Neulich lag ich am See in der N\u00e4he einer Familie mit vier Kindern. Noch lauter als die schon ziemlich laut spielenden Jungen und M\u00e4dchen war die Mutter, die ihren Nachwuchs alle f\u00fcnf Minuten anherrschte: Spiel leiser, lauf nicht mit den Schuhen \u00fcber die Decke, du tropfst mit deinem Eis! Entspannen war da eher schwierig.<\/p>\n<p>Warum schlie\u00dft man also nicht diese Eltern aus, statt der Kinder, die ja nichts f\u00fcr diese k\u00f6nnen? Weil das genauso gut funktionieren w\u00fcrde wie das min\u00fctliche Ermahnen, n\u00e4mlich gar nicht. Keine dieser M\u00fctter oder der V\u00e4ter, die allen anderen auf die Nerven gehen, w\u00fcrden ein solches Schild lesen und sich angesprochen f\u00fchlen. Denn die meisten Eltern lassen sich nur ungern in ihre Erziehungsmethoden reinreden. Das ist auch ihr gutes Recht.<\/p>\n<p>Genauso ist es auch das gute Recht eines Wirts, den anderen G\u00e4sten mal einen besonderen Service anzubieten, n\u00e4mlich Ruhe. Nat\u00fcrlich ist das nicht besonders familienfreundlich, aber das behauptet auch niemand. F\u00fcr einen eigenen Kinder- und Familienbereich ist aber nicht in jedem Lokal Platz. Mit der kinderfreien Zone hingegen schafft Markl sich daf\u00fcr einen Mehrwert f\u00fcr manche Besucher. Wer das nicht gut findet, muss dort ja auch nicht hingehen. Liest man sich Beitr\u00e4ge zur Debatte durch, scheint Markls Idee mehr Anklang als Ablehnung zu finden, sowohl unter Kinderlosen als auch unter Eltern.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann jetzt nicht jedes Lokal Familien aussperren, sollte sich zeigen, dass \u201eOmas K\u00fcche\u201c mit dieser Strategie Erfolg hat. Das Ganze funktioniert nat\u00fcrlich nur, wenn es ausreichend Alternativen f\u00fcr Familien in der Umgebung gibt, wo diese vielleicht sogar besonders gern gesehen sind und sich die Kleinen die Zeit bis zum Essen in einer Spieleecke vertreiben k\u00f6nnen. Die gibt es, genauso wie Hotels, die auf Familien spezialisiert sind. Die findet ja auch niemand seltsam. Was ist also falsch daran, auch f\u00fcr kinderlose Paare oder Freunde ein besonderes Angebot zu haben?<\/p>\n<p>Solange sich f\u00fcr jeden etwas Geeignetes findet, ist doch nichts gegen den ein oder anderen kinderfreien Bereich einzuwenden: Die einen haben ihre Ruhe, die Kinder k\u00f6nnen spielen und ihre Eltern sind nicht st\u00e4ndig den genervten Blicken anderer ausgesetzt \u2013 zumindest mal f\u00fcr ein Abendessen oder einen Urlaub.<\/p>\n<p><strong>NEIN! Das ist schlichtweg nur kinderfeindlich!<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p>Keine Kinder mehr in \u201eOmas K\u00fcche\u201c, zumindest nicht mehr nach 17 Uhr. Der R\u00fcgener Wirt Rudolf Markl zieht Konsequenzen, die andere Gastronomen vielleicht auch gerne ziehen w\u00fcrden, sich aber nicht trauen: Er sperrt Kinder aus seinem Restaurant aus. Was fr\u00fcher zu einem Aufschrei gef\u00fchrt h\u00e4tte, scheint heutzutage ganz gut anzukommen. Kinder nerven manchmal ja auch, au\u00dferdem gibt es schon seit Jahren kinderfreie Hotels in der Karibik und in Spanien. Warum also nicht auch ein kinderfreies Restaurant? Es gehe ja \u201eexplizit nicht gegen den Nachwuchs, sondern gegen ignorante Eltern\u201c, meint der Wirt.<\/p>\n<p>Das klingt gut, ist aber Unsinn. Denn w\u00fcrde es ihm wirklich um die Eltern gehen \u2013 ja, warum sperrt er die dann nicht aus? Warum schreibt er auf seinen Aufsteller \u201eAdult only\u201c und nicht, dass Erwachsene unerw\u00fcnscht sind, die es nicht auf die Kette bekommen, ihre Kinder zu begrenzen? Warum malt er statt zweier Kinderfiguren nicht zwei Erwachsene auf die Tafel: \u201eWir m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben (wenn Ihr Eure Kinder nicht im Griff habt)\u201c? Dazu ist er dann doch nicht mutig genug, oder?<\/p>\n<p>Was h\u00e4ngenbleibt, ist die Botschaft: Kinder sind unerw\u00fcnscht, weil Kinder anstrengend sein k\u00f6nnen. Der Pr\u00e4sident des Hotel- und Gastst\u00e4ttenverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, der ansonsten kein Anh\u00e4nger der R\u00fcgener These ist, r\u00e4umt ja schon bereitwillig ein, dass manche Kinder noch etwas gute Erziehung genie\u00dfen k\u00f6nnten. Als ob das die Frage w\u00e4re. Aber kinderfreundlicher wird Deutschland so nicht, auch wenn sich hier in den vergangenen Jahren manches positiv ver\u00e4ndert hat. Im internationalen Vergleich stehen wir nur m\u00e4\u00dfig da.<\/p>\n<p>Erwachsenenhotels in Tourismusgebieten werden besonders gerne von Deutschen gebucht. Wer auf Sizilien oder anderswo in Italien abends in Restaurants geht, sieht, wie selbstverst\u00e4ndlich die Italiener ihre Kinderfreundlichkeit leben. In der T\u00fcrkei ist es nicht anders. Oder in Australien oder China. Wer von Sydney oder Peking in Richtung Dubai fliegt, wird im Flugzeug kein Problem mit den Mitinsassen haben, wenn der eigene Spross einmal mault und vielleicht zehn Minuten nicht zu beruhigen ist. Auf der weiteren Route nach Deutschland sieht das dann schon ganz anders aus, wenn der deutsche Mief in Sachen Kinderfreundlichkeit Platz genommen hat.<\/p>\n<p>Wir ertragen Hundertschaften von Seniorenreisegruppen, die das Deutsche Eck in Koblenz, das Brandenburger Tor in Berlin oder die Seilbahn auf die Zugspitze bev\u00f6lkern. Wie w\u00e4re es denn mit seniorenfreien Restaurants? Die Rollatoren nerven.<\/p>\n<p>Achtung, das ist nur ein Scherz!<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist: Auch mich bringen schlecht erzogene Kinder auf die Palme. Aber noch mehr die Eltern, die sie nicht begrenzen, weil sie Angst vor dem Liebesentzug ihrer Kinder haben. Das ist nat\u00fcrlich absurd: Kinder brauchen Grenzen und goutieren das auch, wenn sie begrenzt werden. Man tut Kindern einen Gefallen, wenn man ihnen nicht alles durchgehen l\u00e4sst. Vielleicht kann man sich als Eltern an einen Tisch in einem Bereich setzen, wo das Kind etwas laufen kann, bevor das Essen kommt. Wo es nicht so eng ist, dass sich andere G\u00e4ste gest\u00f6rt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Verbote m\u00fcssen nicht sein.\u00a0 Selbst wenn sich Erwachsene und ihre Kinder daneben benehmen: Traut es sich der Gastwirt nicht zu, in seinem Haus f\u00fcr Ruhe zu sorgen? Sollte das nicht fruchten, bleibt ihm das Hausrecht, den Gast zum Gehen aufzufordern. Damit tr\u00e4fe er den Ruhest\u00f6rer und nicht pauschal die Allgemeinheit. Die meisten anderen G\u00e4sten h\u00e4tten daf\u00fcr sicherlich Verst\u00e4ndnis, wenn der Gastwirt vern\u00fcnftig argumentiert. An Konfliktscheuheit kann es bei ihm ja nicht liegen. Zuletzt d\u00fcrfte ihm das \u00f6konomisch besser bekommen: Mag sein, dass sich auf R\u00fcgen eine Zielgruppe findet, die sich ein kinderfreies Restaurant w\u00fcnscht. Aber wie viele Kunden verliert er auf der anderen Seite? M\u00f6glicherweise nicht nur die genannten Eltern mit Kindern, sondern auch jene, die diese Attit\u00fcde einfach nur so finden wie ich: unsympathisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen bei FAZ. NET (17.08.2018) Ein Wirt auf R\u00fcgen hat sein Lokal abends zur kinderfreien Zone erkl\u00e4rt. Unsinn oder willkommene Ruhe? Unsere Autorin und unser Autor sind da geteilter Meinung. Von Julia Anton und Martin Benninghoff Kinder nerven. Kinder sind&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2120\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Sollen Kinder wirklich drau\u00dfen bleiben?<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[156,1],"tags":[581,582],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120"}],"collection":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2120"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2121,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions\/2121"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}