{"id":2149,"date":"2018-09-29T18:56:02","date_gmt":"2018-09-29T16:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2149"},"modified":"2019-03-13T12:02:53","modified_gmt":"2019-03-13T11:02:53","slug":"wir-muessen-die-scherben-dann-aufkehren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2149","title":{"rendered":"&#8222;Wir m\u00fcssen die Scherben dann aufkehren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/wie-die-ditib-moschee-koeln-spaltet-15813302.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\">Reportage bei FAZ.NET zum Erdogan-Besuch in Deutschland (erschienen am 29.09.2018)<\/a><\/p>\n<p>Mit Video!<\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff, K\u00f6ln<\/em><\/p>\n<p><strong>Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident weiht am Nachmittag die Ditib-Zentralmoschee in K\u00f6ln-Ehrenfeld ein. Am Mittag f\u00fcllt sich die Stadt mit seinen jubelnden Anh\u00e4ngern. F\u00fcr Unterst\u00fctzer aus der Stadtpolitik ist der Tag dagegen eine herbe Entt\u00e4uschung.<\/strong><\/p>\n<p>In Ehrenfeld herrscht an einem Samstag immer gesch\u00e4ftiges Treiben: Der K\u00f6lner Stadtteil ist ein ehemaliges Arbeiterviertel, das durch meist t\u00fcrkischst\u00e4mmige Einwanderer, Studierende und Alteingesessene gepr\u00e4gt ist. Es gibt kleine Gesch\u00e4fte, internationale Restaurants, eine multikulturelle Bev\u00f6lkerung. Ehrenfeld ist das Kreuzberg K\u00f6lns. Aber heute liegt dazu noch eine Spannung \u00fcber der Stadt. Der t\u00fcrkische Staatspr\u00e4sident Recep Tayipp Erdogan wird die gro\u00dfe Zentralmoschee in diesem Viertel offiziell einweihen. Hubschrauber kreisen in der Luft, Polizisten und Sicherheitskr\u00e4fte sichern das Gebiet rund um den Moscheekomplex mit der riesigen Kuppel und den beiden jeweils 55 Meter hohen Minaretten ab.<span class=\"btn-Base btn-Base-icon btn-Base-has-icon btn-Base-has-link\"><span class=\"js-btn-Base_Icon btn-Base_Icon btn-Base_Twitter o-Icon\">\u00a0<\/span> <\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Einweihung der Zentralmoschee: Erdogan in K\u00f6ln-Ehrenfeld\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5I5aQqZ_CIc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Die Zug\u00e4nge zur Moschee sind gesperrt. Nur durch einen Eingang d\u00fcrfen VIP-G\u00e4ste mit Einladung rein, die anderen m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben. Das ficht die angereisten und heimischen Erdogan-Fans, die keine Einladung haben, kaum an: An den Absperrungen entlang der Venloer Stra\u00dfe stehen Hunderte seiner Anh\u00e4nger mit t\u00fcrkischen Fahnen, Erdogan-Zeichnungen auf der Baseballkappe, Erdogan-Schals, T-Shirts mit wei\u00dfem Halbmond auf rotem Grund. Aus einem Fenster h\u00e4ngt ein riesiges Banner mit einem scharf gezeichneten Konterfei des Pr\u00e4sidenten, es reicht fast bis hinunter auf die Stra\u00dfe. Bis 15 Uhr f\u00fcllen sich dann die Stra\u00dfen mit Tausenden Erdogan-Anh\u00e4ngern, die \u201eErdogan, Erdogan\u201c skandieren oder \u201eT\u00fcrkei, T\u00fcrkei\u201c.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Es ist eine Mischung aus gr\u00f6\u00dftenteils t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Erdogan-Anh\u00e4ngern und weit weniger Gegnern des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten, der am Nachmittag eintreffen wird. Die meisten Kritiker protestieren derweil anderswo in K\u00f6ln, am Ebertplatz zum Beispiel, dort hat die Alevitische Gemeinde zur Gegendemo geladen. An der Deutzer Werft protestieren am Nachmittag etwa 2000 Erdogan-Gegner.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Jahrelange Kontroverse um die Ditib-Moschee<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">An der Moschee in Ehrenfeld sieht man viele Kopft\u00fccher, aber genauso viele weltlich-s\u00e4kular gekleidete Menschen. Aydan, 29, kommt aus K\u00f6ln, ist dort geboren, aber tr\u00e4gt eine gro\u00dfe t\u00fcrkische Flagge vor sich her. Auf die Frage, warum sie hierherkommt, sagt sie: \u201eDer Pr\u00e4sident hat die T\u00fcrkei gro\u00df gemacht. Das ist etwas, worauf man stolz sein kann.\u201c Andere sind nicht wegen Erdogan gekommen, sondern wegen der Er\u00f6ffnung der Moschee, die sie gelungen finden. Ein t\u00fcrkischst\u00e4mmiger Alevite, der ungenannt bleiben m\u00f6chte, hat sich in die Menschenmenge gemischt, er will \u201esich das angucken\u201c. Er traue sich aber nicht, seinen Protest hier offen zu zeigen.<span class=\"ctn-PlaceholderContent_DescriptionTextContainer\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Auch Deutsche ohne Migrationshintergrund sind unter den Schaulustigen. Viele zieht es hierher, weil sie jahrelang gegen den Bau der Moschee gek\u00e4mpft haben. Oder sich f\u00fcr das Gotteshaus eingesetzt haben, das die zehntausenden Muslime, die in K\u00f6ln leben, aus den Hinterh\u00f6fen und ehemaligen Fabrikgeb\u00e4uden holen sollte, wo bis dato gebetet wurde. Der Streit hat die Lokalpolitik K\u00f6lns mehr als ein Jahrzehnt besch\u00e4ftigt, eine rechtsradikale Kleinpartei schaffte es sogar mit diesem Thema in den Stadtrat. Deren Anh\u00e4nger standen zeitweise alle paar Tage vor dem Bauzaun der Moschee, um lautstark zu protestieren. Die Gruppierung hat sich mittlerweile aufgel\u00f6st, und es sind keine rechten Protestgruppen vor Ort, zumindest nicht direkt an der Moschee.<span class=\"ctn-PlaceholderContent_DescriptionTextContainer\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p id=\"pageIndex_2\" class=\"atc-TextParagraph\">Einer, der sich damals den Rechten entgegenstellte, ist Josef Wirges. Den SPD-Bezirksb\u00fcrgermeister von Ehrenfeld, immerhin seit 21 Jahren im Amt, nennen manche den \u201eHeinz Buschkowsky von K\u00f6ln\u201c, in Anspielung auf den fr\u00fcheren Bezirksb\u00fcrgermeister im anderen \u201eK\u00f6lln\u201c, in Berlin-Neuk\u00f6lln. Die \u00c4hnlichkeiten sind da: Beide sind zupackend, M\u00e4nner der Tat, bei der SPD \u2013 und stehen in ihren St\u00e4dten im Ruf, mit schnoddriger Schnauze zu sagen, was aus ihrer Sicht Sache ist. Dann h\u00f6ren die Gemeinsamkeiten auf, denn w\u00e4hrend sich Buschkowsky mit seinem Buch \u201eNeuk\u00f6lln ist \u00fcberall\u201c als Integrationskritiker einen \u00fcberregionalen Namen gemacht hat, ist Wirges lokal bekannt f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung des Moscheebaus. Auf dem H\u00f6hepunkt der Proteste postierte er sich vor dem Bauzaun, um sich den rechten Demonstranten in den Weg zu stellen.<\/p>\n<p><!-- IQ Controller END --><\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Eine lange Geschichte der Entfremdung<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das ist Jahre her. Heute steht Wirges vor der Moschee, die er nach wie vor \u201egelungen und sch\u00f6n\u201c findet. Der Rest aber ist eine Geschichte der Entfremdung. \u201eIch bin entt\u00e4uscht\u201c, sagt er an diesem Tag, der eigentlich der Tag der Freude sein sollte. Seit Jahren sitzt er im Beirat, den der Moscheeverein Ditib eigens gegr\u00fcndet hat, um besser ins Gespr\u00e4ch mit den K\u00f6lner B\u00fcrgern und Politikern zu kommen. Doch bei den Planungen zur Er\u00f6ffnungsfeier waren Wirges und die anderen gar nicht mehr involviert. Der Beirat steht nun kurz vor der Aufl\u00f6sung.<span class=\"ctn-PlaceholderContent_DescriptionTextContainer\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Andere federf\u00fchrende Stadtpolitiker wie die amtierende Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker (parteilos) oder der ehemalige Oberb\u00fcrgermeister Fritz Schramma (CDU) waren nur sehr kurzfristig eingeladen worden. Aus Frust und aus der Bef\u00fcrchtung heraus, bei der Einweihung nur noch als Statisten einer t\u00fcrkischen Propagandaveranstaltung geladen worden zu sein, sagten beide ab. \u201eEin Akt der Unh\u00f6flichkeit\u201c, beschreibt Schramma seine Gef\u00fchlslage. \u201eEine Unversch\u00e4mtheit\u201c, er f\u00fchlt sich von Ditib schlecht behandelt. \u201eWir h\u00e4tten uns einen Tag der offenen T\u00fcr oder ein Volksfest mit Beteiligung der Bev\u00f6lkerung gew\u00fcnscht\u201c, sagt er. Reker, die sich j\u00fcngst in einer Rede vor dem Rat \u201eauch die Oberb\u00fcrgermeisterin der K\u00f6lner muslimischen Glaubens\u201c nannte, zeigte sich in einer Erkl\u00e4rung ebenfalls entt\u00e4uscht von Ditib \u00fcber den \u201eUmgang mit Vertretern der Stadtgesellschaft\u201c. Auch Wirges schlug die Einladung aus: Den \u201eSultan vom Bosporus\u201c, wie er Erdogan nennt, will er nicht noch unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Aber zur Geschichte der Entfremdung geh\u00f6rt auch: Nur wer vorher Hoffnungen hatte, kann entt\u00e4uscht werden. Und die K\u00f6lner Lokalpolitik hatte Hoffnung. 2001 beantragte Ditib, auf eigenem Gel\u00e4nde und mit eigenem Geld eine gro\u00dfe Moschee zu bauen. Die Debatte, die sich danach entwickelte, zog sich wie ein Riss durch die Stadtgesellschaft. Intellektuelle wie der verstorbene Ralph Giordano warnten vor dem Machtanspruch eines politischen Islams, andere, wie der Journalist G\u00fcnter Wallraff, hofften auf eine weitere bauliche Attraktion in einer Stadt, die in der Nachkriegszeit ziemlich verbaut worden war. Ihre Kritiker versuchte die Ditib mit einem integrativen Konzept zu beruhigen: Zwar sollte die Moschee nat\u00fcrlich in erster Linie ein Haus f\u00fcr die gl\u00e4ubigen Muslime sein, aber eben auch ein Haus der offenen T\u00fcr f\u00fcr Andersgl\u00e4ubige und interessierte Atheisten: f\u00fcr T\u00fcrken, Deutsche, K\u00f6lner mit und ohne Migrationshintergrund. Der damalige Oberb\u00fcrgermeister Schramma lie\u00df sich \u00fcberzeugen, das Projekt wurde genehmigt. Allerdings musste sich die Ditib zu einem Architekturwettbewerb verpflichten.<!-- IQ Controller Begin --><\/p>\n<p><!-- IQ Controller END --><\/p>\n<h3 id=\"pageIndex_3\" class=\"atc-SubHeadline\">Streit mit dem Architekten<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Der Rest ist teilweise tragische Stadtgeschichte: Der Sieger, der renommierte Architekt Paul B\u00f6hm, geriet alsbald mit der Ditib wegen angeblicher Baum\u00e4ngel und gesteigerter Kosten aneinander. Die f\u00fcr 2012 geplante Er\u00f6ffnung wurde mehrfach verschoben. Seit knapp zwei Jahren wird die Moschee mit ihrem riesigen und schmuckvollen Saal, in dem etwa 1000 M\u00e4nner Platz finden, als Gotteshaus mit angrenzender Ladenzeile und B\u00fcrotrakt f\u00fcr die Ditib-Verwaltung genutzt. F\u00fcr Frauen finden sich eine Etage h\u00f6her Balkone, von denen sie in den Saal schauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Als Schramma im Beirat Anfang 2018 fragte, wann die offizielle Er\u00f6ffnung stattfinden soll, hatte die Ditib noch keine konkrete Antwort. Der erste Staatsbesuch von Erdogan in Deutschland war dann offenbar die geeignete Gelegenheit, die m\u00f6glicherweise auch die Ditib \u00fcberraschte. Das eilig zusammengezimmerte Sicherheitskonzept reichte der Stadt K\u00f6ln nicht aus. Stattdessen wurden Sicherheitszonen eingerichtet \u2013 am Nachmittag lie\u00df die Polizei weitere 600 Besucher in den Au\u00dfenbereich der Moschee. Zwei j\u00fcngere M\u00e4nner, die ihre Namen hier nicht lesen wollen, interpretieren die strengen Sicherheitsvorgaben der Beh\u00f6rden als bewusste Drangsal der Erdogan-Anh\u00e4nger. Wie sie darauf kommen? \u201eKeine Ahnung, denke ich mir so.\u201c<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">F\u00fcr Josef Wirges sind solche Gef\u00fchle das Resultat auch dieses Erdogan-Auftritts: \u201eDas rei\u00dft alte Wunde wieder auf\u201c, sagt er. Jeder koche da jetzt sein eigenes S\u00fcppchen, f\u00fcr die vielen Bem\u00fchungen um eine gute Integration sei das ein R\u00fcckschritt. Dabei gehe es eben nicht um Assimilierung der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Mitb\u00fcrger \u2013 verschiedene kulturelle Einfl\u00fcsse seien ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht. \u201eAlles auf dem Boden des Grundgesetzes und nicht aus dem Koran oder der Bibel\u201c, sagt er. Und bei aller Zuneigung f\u00fcr die eigenen Wurzeln oder die anderer: Erdogan sei einer, der sich, gelinde gesagt, \u00fcber Menschenrechte hinwegsetze. \u201eDa gibt es f\u00fcr mich eine Grenze.\u201c Als sei eine Best\u00e4tigung n\u00f6tig, wird am Samstagnachmittag gemeldet, dass die Istanbuler Polizei mit gepanzerten Wagen eine friedliche Demonstration der sogenannten Samstagm\u00fctter aufgel\u00f6st hat \u2013 und dabei auch Journalisten bedr\u00e4ngte. Wie viel dieser T\u00fcrkei unter Erdogan m\u00f6chte man in K\u00f6ln haben?<!-- IQ Controller Begin --><\/p>\n<p><!-- IQ Controller END --><\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Ditib \u2013 der verl\u00e4ngerte Arm Erdogans?<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Eine Frage, die zwangsl\u00e4ufig zur Ditib f\u00fchrt: Sie ist der Tr\u00e4gerverein der neuen Moschee und der deutsche Ableger der t\u00fcrkischen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet \u2013 und untersteht dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten. Erdogans Arm reicht also bis nach K\u00f6ln-Ehrenfeld. Als es damals um die Genehmigung f\u00fcr den Bau ging, stellte sich die Ditib als deutscher Verein dar, der er formal auch ist, ohne Einfluss aus der T\u00fcrkei. Die fr\u00fchere SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akg\u00fcn, selbst mit t\u00fcrkischen Wurzeln, warf der Ditib 2008 in einem Gastbeitrag vor, aus Ankara gesteuert zu sein. Die damaligen Verantwortlichen wehrten sich \u00f6ffentlich: \u201eDas ist schlichtweg nicht wahr. Der Vorstand fasst alle Beschl\u00fcsse selbst\u00e4ndig und setzt diese auch selbst\u00e4ndig um.\u201c<\/p>\n<p id=\"pageIndex_4\" class=\"atc-TextParagraph\">Der damalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Mehmet Yildirim versuchte alles, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sogar Karnevalsorden verteilte er gemeinsam mit Oberb\u00fcrgermeister Schramma \u2013 in K\u00f6ln ist das kein ganz unwichtiges Zeichen f\u00fcr gegenseitige Toleranz, Dialog und Integration. Yildirim war dann irgendwann weg, Schramma aber bemerkte in den vergangenen Jahren schon eine zunehmende Abschottung der Ditib gegen\u00fcber dem Moschee-Beirat, in dem er und Wirges an einem Tisch sitzen, und der \u00d6ffentlichkeit: \u201eDie Kommunikation mit Ditib verl\u00e4uft sehr schleppend.\u201c<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Das Jahr 2018 wirft dann ein deutlicheres Licht auf das Bild, das die Ditib abgibt. Erst versuchte der fr\u00fchere Generalsekret\u00e4r Bekir Alboga, der jahrelang seine Distanz zu Ankara betont hatte und als Dialogpartner f\u00fcr die deutsche Politik fungierte, auf die Liste der Erdogan-Partei AKP f\u00fcr die Parlamentswahlen zu kommen. Das klappte nicht. Dann die Nachricht, dass Staatspr\u00e4sident Erdogan die Einweihung pers\u00f6nlich \u00fcbernehmen w\u00fcrde. F\u00fcr die Unterst\u00fctzer der Moschee ein Schlag ins Gesicht, auch aus einem anderen Grund: \u201eMich \u00e4rgert, dass sich nun die Rechten die H\u00e4nde reiben\u201c, sagt Wirges. Es f\u00e4llt auf, dass kaum rechte Protestler auf den K\u00f6lner Stra\u00dfen sind. Wirges macht sich da seinen Reim: \u201eDas haben die gar nicht n\u00f6tig. Die schlagen sich jetzt schon lachend auf die Schenkel.\u201c Er habe Mails bekommen, in denen er als \u201eNaivling\u201c oder \u201eGutmensch\u201c beschimpft werde, jetzt, da man sehe, wie die Ditib agiere.<\/p>\n<h3 class=\"atc-SubHeadline\">Ein Beitrag zur Integration?<\/h3>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Auch der ehemalige Oberb\u00fcrgermeister Schramma berichtet von geh\u00e4ssigen Kommentaren. Er will sich aber nicht naiv schimpfen lassen: \u201eWir hatten vor zehn Jahren eine andere Gespr\u00e4chsebene mit der Ditib\u201c, sagt er. \u201eEs war vern\u00fcnftig und klug, mit denen im Gespr\u00e4ch zu sein.\u201c Beide, Wirges und Schramma, finden die Moschee gelungen, architektonisch und f\u00fcr das Stadtbild. Vom Konzept sei sie so geplant, dass \u201esie einen Beitrag zur Integration leisten kann\u201c, sagt Schramma.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\">Ob das gelingt, wird sich aber erst zeigen, wenn sich die Aufregung um den Erdogan-Besuch gelegt hat und der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident und seine Jubelschar wieder abgereist ist. Die Ehrenfelder, das wird auf der Stra\u00dfe an diesem Tag sehr deutlich, sind das friedvolle Zusammenleben gew\u00f6hnt \u2013 und sie wollen sich das durch politische Propagandaveranstaltungen nicht kaputtmachen lassen. Das sieht zumindest Wirges so: Seiner Sch\u00e4tzung nach seien 40 Prozent der t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Ehrenfelder in seinem Bezirk \u201enicht gl\u00fccklich mit dem Erdogan-Besuch. Und wir zusammen m\u00fcssen dann die Scherben wieder aufkehren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reportage bei FAZ.NET zum Erdogan-Besuch in Deutschland (erschienen am 29.09.2018) Mit Video! Von Martin Benninghoff, K\u00f6ln Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident weiht am Nachmittag die Ditib-Zentralmoschee in K\u00f6ln-Ehrenfeld ein. Am Mittag f\u00fcllt sich die Stadt mit seinen jubelnden Anh\u00e4ngern. 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