{"id":2210,"date":"2019-01-08T18:29:28","date_gmt":"2019-01-08T16:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2210"},"modified":"2019-01-08T18:31:51","modified_gmt":"2019-01-08T16:31:51","slug":"ich-verbitte-mir-die-einmischung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2210","title":{"rendered":"Ich verbitte mir die Einmischung!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blogs.faz.net\/schlaflos\/2019\/01\/08\/ich-verbitte-mir-die-einmischung-683\/\">Artikel im F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (08.01.2019)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><span id=\"work_3562\" class=\"p_textOutput\"><strong>Wenn ich zu meinem Sohn will, ist meine Frau oft schon da. Wie mogelt man sich als Vater in eine enge Mutter-Kind-Bindung?<\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Manchmal komme ich mir vor wie jemand, der sich beim Grillen oder Sp\u00fclmaschineausr\u00e4umen demonstrativ so doof anstellt, dass ihm alle Arbeiten abgenommen werden. Das betrifft bei uns weder Grillen noch Sp\u00fclmaschineausr\u00e4umen, denn in beiden Disziplinen bin ich ganz patent, w\u00fcrde ich sagen. Es betrifft aber die Kindererziehung.<\/p>\n<p>Wenn unser Sohn morgens aus dem Bettchen ruft und ich zu ihm gehe, kann es passieren, dass meine Frau schon da ist. Spreche ich mit ihm am Abendbrottisch, stelle ihm eine Frage \u2013 \u201eWie war es bei der Tagesmutter?\u201c \u2013, kann es passieren, dass sie antwortet. Oder noch besser: Sie erg\u00e4nzt meinen Satz, vervollst\u00e4ndigt ihn, f\u00fcgt an, relativiert ihn oder betont einen Aspekt, den ich gar nicht meinte. Es ist zum M\u00e4usemelken!<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt gelegentlich zu meinem von Reaktanz getriebenen Verhalten, mir jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten zwischen Sohn und Vater zu verbitten. Ich poche dann wenig diplomatisch auf mein Recht auf die v\u00e4terliche Souver\u00e4nit\u00e4t und Unverletzlichkeit meiner Autonomie. So wie Nordkorea sauer reagiert, wenn die Vereinten Nationen oder die Vereinigten Staaten mal wieder gute Ratschl\u00e4ge f\u00fcr Kim Jong-un parat haben.<\/p>\n<p>Damit ist die Verteilung klar, meine Frau ist die UN \u2013 und ich bin Nordkorea. Nat\u00fcrlich bin ich schuldig, und das jetzt fast ohne Ironie. Ich habe es selbst beg\u00fcnstigt, dass man mir nichts mehr zutraut und mich an die Hand nimmt, als w\u00e4re ich das Kind und nicht der Kleine. Ich arbeite Vollzeit, meine Frau halbtags. Ergo verbringt sie mehr Zeit mit dem Kind \u2013 und verantwortet all das, vor dem ich mich unverschuldet und verschuldet dr\u00fccke.<\/p>\n<p>Zum Beispiel, wenn es ans Windelwechseln geht. Sagen wir mal so, ich pflege einen gewissen Langmut, was die Wechselintervalle angeht. Meine Frau ist k\u00fcrzer getaktet, also springt sie h\u00e4ufiger als ich zur familieninternen S\u00e4uberung auf. Selbst bei lebenswichtigen Verrichtungen wie dem Essenfassen baue ich gelegentlich st\u00e4rker als sie auf die k\u00f6rpereigenen Fettreserven. Wenn dazu Fragen aufkommen, reagiere ich schon mal mit einem interessiert-abwartenden \u201egleich\u201c.<\/p>\n<p>Ich bin selbst schuld, das gebe ich zu, ja, ja und ja. Aber ich wei\u00df auch, dass dieses kleine Problem bei vielen Familien vorkommt, ich bin nicht allein der Dumme. Auch von anderen V\u00e4tern \u2013 und wenigen M\u00fcttern \u2013 h\u00f6re ich, dass es schwierig sein kann, zwischen Kind und Erstversorger zu schl\u00fcpfen und das eigene Pl\u00e4tzchen zu finden. Viele ziehen sich als Reaktion in ihren Schmollwinkel zur\u00fcck und sind froh, ihre Ruhe zu haben.<\/p>\n<p>Es wird vor allem den V\u00e4tern leichtgemacht, denn die klassische Rollenverteilung ist l\u00e4ngst noch nicht aus den K\u00f6pfen verbannt. Die meisten M\u00fctter, die ich kenne, akzeptieren sehr schnell, wenn sich ihre M\u00e4nner gedanklich oder auch sonst f\u00fcr eine Zeitlang aus dem Staub machen. Sie sind durchaus selbst daf\u00fcr verantwortlich, wenn sie so stark ans Kind gebunden sind, dass kaum noch f\u00fcr andere Platz ist.<\/p>\n<p>Was hilft? Spitzen und kritische Bemerkungen gegen\u00fcber dem Partner helfen zwar f\u00fcr den Moment, als psychologisches Entlastungsventil, aber ich garantiere, die n\u00e4chste \u00dcbergriffigkeit erfolgt in K\u00fcrze. Nachhaltiger ist es, die Verantwortlichkeiten von Beginn an etwas gleichverteilter anzugehen. So viel zur Theorie, die nicht immer leicht in die Realit\u00e4t \u00fcbertragen werden kann.<\/p>\n<p>Es ist ja so, wenn zwei berufst\u00e4tig sind, der eine aber mehr, der andere weniger, ergeben sich zwangsl\u00e4ufig unterschiedliche Bindungen ans Kind. Wenn der Kleine sich den Kopf st\u00f6\u00dft oder vom Sofa purzelt, bin ich der Vize-Tr\u00f6ster und meine Frau die Nummer Eins. Erst wenn sie nicht da ist, r\u00fccke ich auf den ersten Platz, und mein Sohn tut so, als sei das immer schon so gewesen. Das kann ich nicht verhindern, es sei denn, ich w\u00fcrde halbtags arbeiten gehen und meine Frau voll berufst\u00e4tig sein.<\/p>\n<p>Aber vieles schleicht sich ein, weil es bequem ist. Wer nicht so gerne Windeln wechselt, rei\u00dft sich nicht nach dieser T\u00e4tigkeit. Und wird dann als Konsequenz vom Kind nicht mehr als verl\u00e4ssliche Institution wahrgenommen. Ich werde deshalb meine Windelintervalle k\u00fcrzen und meine Verl\u00e4sslichkeit damit in den famili\u00e4ren Beziehungen unter Beweis stellen. So schafft man Vertrauen f\u00fcrs Kind, und so schafft man Vertrauen, Kim!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel im F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (08.01.2019) Von Martin Benninghoff Wenn ich zu meinem Sohn will, ist meine Frau oft schon da. Wie mogelt man sich als Vater in eine enge Mutter-Kind-Bindung? 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