{"id":2216,"date":"2019-01-10T14:55:00","date_gmt":"2019-01-10T12:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2216"},"modified":"2019-01-10T14:55:00","modified_gmt":"2019-01-10T12:55:00","slug":"weniger-migration-mehr-habeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2216","title":{"rendered":"Weniger Migration, mehr Habeck"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/politische-talkshows-der-habeck-faktor-15981653.html\">Analyse erschienen bei FAZ.NET (10.01.2019)<\/a><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p><strong><span id=\"work_747969\" class=\"p_textOutput\">Andere Besetzung, andere Themen: Niemand war 2018 so oft in Talkshows eingeladen wie der Gr\u00fcnen-Vorsitzende. Das sagt viel \u00fcber die Kriterien der G\u00e4steauswahl und die Themensetzung aus. Eine Analyse.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Twitter, das \u201eInstrument der Spaltung\u201c, mag <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"822cedb8c62fd488617c752aaa0690f58ea72f67\" data-cke-saved-href=\"#\">Robert Habeck<\/a> nicht mehr, und auch aus Facebook hat er sich nun zur\u00fcckgezogen. Dass der Gr\u00fcnen-Vorsitzende k\u00fcnftig auf diese nicht ganz unwichtigen sozialen Medien verzichtet, d\u00fcrfte ihn aber vermutlich nur bedingt schmerzen, solange er in den politischen Talkshows der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender so pr\u00e4sent ist wie derzeit. Offenbar haben die Fernsehredaktionen Gefallen an dem L\u00fcbecker gefunden, dessen Partei die SPD in den Umfragen hinter sich gelassen hat. Auch in der Parallelgesellschaft der Talkshows kommt die sozialdemokratische Konkurrenz kaum hinterher.<\/p>\n<p>Habeck sa\u00df 2018 insgesamt 13 Mal in den Talkrunden von Sandra Maischberger (<a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"6c653a9b27f94db2637ac30b06619d89c8beacaa\" data-cke-saved-href=\"#\">ARD<\/a>), Anne Will (ARD), Frank Plasberg (\u201ehart aber fair\u201c, ARD) und Maybrit Illner (ZDF), berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Donnerstag. Auf dem zweiten Platz: Habecks Kollegin an der Parteispitze, Annalena Baerbock, FDP-Chef Christian Lindner und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit jeweils zehn Auftritten. Dahinter Politiker wie die Justizministerin Katarina Barley (SPD), Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (Linke) und der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland.<\/p>\n<p>Das sagt zwar nicht viel dar\u00fcber aus, welche Partei letztlich am h\u00e4ufigsten ihre Vertreter in den Talkrunden platzieren konnte. Aber die Zahlen geben immerhin dar\u00fcber Auskunft, nach welchen Kriterien Talkshowredaktionen ihre G\u00e4ste aussuchen \u2013 und welche Themen Konjunktur haben. Zumal das RND gez\u00e4hlt hat, wie oft welches Streithema pr\u00e4sent war: Demnach besch\u00e4ftigten sich <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"78a7b820771ab671d400de4a5c4b8c2fbc2b0483\" data-cke-saved-href=\"#\">Anne Will<\/a> und Co. 13 Mal mit der gro\u00dfen Koalition, acht Mal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder dem amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump. Auf sieben Sendungen kam das Thema Migration.<\/p>\n<p><a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"075578cc1efb7cc55f229a886d99c0cfd4bb8f88\" data-cke-saved-href=\"#\">Merkel<\/a> und Trump \u2013 das \u00fcberrascht nicht, denn Personalisierungen funktionieren besonders gut im Fernsehen. Dass Migration erst dahinter kommt, ist hingegen eine \u00dcberraschung. Denn die Aspekte rund um Einwanderung \u2013 Islam, Fl\u00fcchtlinge \u2013 sind seit Jahren das gef\u00fchlte Dauerbrennerthema Nummer eins in den Talksendungen. Die Zahlen f\u00fcr 2018 zeichnen hingegen ein anderes Bild. In diesem Jahr spielte es auch deshalb eine geringere Rolle, weil die Fl\u00fcchtlingspolitik insgesamt an Brisanz verlor \u2013 Kritik an der Themenauswahl in den Talkshows war zuvor schon immer lauter geworden.<\/p>\n<p>So hatte das ARD-Magazin \u201eMonitor\u201c bereits im Januar 2017 den Finger in die Wunde gelegt und ausgerechnet, dass es 2016 ganze 40 Mal um Fl\u00fcchtlinge, 15 Mal um den Islam, Gewalt und Terrorismus ging. Meist mit dem entsprechenden Framing, so als sei Migration ausschlie\u00dflich mit Problemen behaftet. Zumindest im Talkshowkosmos ist es das auch: \u201eHart aber fair\u201c sorgte mit der Sendung \u201eFl\u00fcchtlinge und Kriminalit\u00e4t \u2013 Die Diskussion!\u201c im August 2018 im Vorfeld f\u00fcr Kritik, weil bereits im Titel eine Verbindung hergestellt wurde. Im November besch\u00e4ftigte sich Moderator <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"82891dc7b677a0a3e234921a6de56493ae91107a\" data-cke-saved-href=\"#\">Plasberg<\/a> mit dem Thema \u201eDas kriminelle Netz der Clans \u2013 sind Polizei und Justiz machtlos?\u201c.<\/p>\n<p>Das blieben aber einzelne Sendungen; das Jahr 2018 hat wieder eine Normalisierung bei der Wahl der Themen gebracht. Die oft geh\u00f6rte Kritik, die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"5d6c648d13c1ca2299878a10ff9d879c24f6f2dc\" data-cke-saved-href=\"#\">Talkshows<\/a> w\u00fcrden sich zu selten an relevante Themen wie Mietpreise oder Kohleausstieg heranwagen, kann so auch nicht mehr aufrechterhalten werden. Allein der Platzhirsch, die Talkrunde \u201eAnne Will\u201c am starken ARD-Sonntagabendsendeplatz nach dem \u201eTatort\u201c oder \u201ePolizeiruf\u201c, thematisierte vor der Winterpause den Ukraine-Konflikt, die Arbeitswelt, den Schwund bei den Volksparteien und den Brexit.<\/p>\n<p>Die neue Themengewichtung d\u00fcrfte auch der Grund sein, weshalb es AfD-Chef Alexander Gauland 2018 vergleichsweise selten in die Fernsehrunden schaffte. Die Talkshowredaktionen denken bei Themen wie Rente und Arbeitswelt eben seltener an die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"87b843b4a748f9fbc00b47fa4b20f8b6c9dfad29\" data-cke-saved-href=\"#\">AfD<\/a>, daf\u00fcr umso h\u00e4ufiger, sobald es wieder einmal um Fl\u00fcchtlinge geht. Zu behaupten, das l\u00e4ge nur an den Themen, w\u00fcrde allerdings in die Irre f\u00fchren. Die Redaktionen laden auch nach anderen Kriterien ein \u2013 und davon profitiert derzeit das Spitzenduo der Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Robert Habeck und seine Kollegin <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"15542e12ee57a6d9139092c74b182c7973c714ff\" data-cke-saved-href=\"#\">Annalena Baerbock<\/a> funktionieren als Talkg\u00e4ste gut, weil sie einerseits eloquent sind \u2013 das darf man von Spitzenpolitikern erwarten \u2013 , und weil sie zugleich f\u00fcr viele Fernsehzuschauer sympathisch r\u00fcberkommen. Die Mischung der von manchen als \u201eWohlf\u00fchlpartei\u201c geschm\u00e4hten Gr\u00fcnen mag den politischen Gegnern missfallen, im Fernsehen aber scheint sie einzuschlagen. Andere Parteien profitieren ebenso davon, zumindest solange sie entsprechendes Personal haben, etwa Gregor Gysi (Linke) oder Wolfgang Bosbach (CDU). Gefragt sind Typen, die sich nicht nur in Generalsekret\u00e4rspolitphrasensprech ausdr\u00fccken, sondern \u201eauthentisch\u201c reden \u2013 zumindest so, was man gemeinhin darunter versteht: menschlich, nicht in Phrasen, aktiv formuliert, vielleicht mit einem Qu\u00e4ntchen eigener Lebensgeschichte garniert.<\/p>\n<p>Dass diese angebliche Authentizit\u00e4t auch nur Teil einer Inszenierung sein kann? Geschenkt. Was z\u00e4hlt, ist neben der Information der Unterhaltungsfaktor einer politischen Talkrunde. Wie reagieren die Gespr\u00e4chspartner aufeinander? H\u00e4ngen die Zuschauer an den Lippen der G\u00e4ste, oder schalten sie gelangweilt weg? Kritiker monieren gelegentlich, dass Talkrunden nicht repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlt seien, sprich: die AfD zum Beispiel trotz ihrer guten Wahlergebnisse unterrepr\u00e4sentiert sei. Dieser Vorwurf l\u00e4sst sich so aber nicht halten. Denn die AfD profitierte in den letzten Jahren auch immer wieder von der B\u00fchne, die ihnen ARD und ZDF boten, so zum Beispiel, als Bj\u00f6rn H\u00f6cke 2015 bei \u201eG\u00fcnther Jauch\u201c (ARD) seine Deutschlandfahne ausbreitete. Sein Bekanntheitsgrad \u00fcber Th\u00fcringen hinaus d\u00fcrfte nach diesem Auftritt stark gewachsen sein.<\/p>\n<p>Es ist ein Missverst\u00e4ndnis, das der ehemalige Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert (<a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"30eb8234582224cf91e66839fb0c63a8cca9d541\" data-cke-saved-href=\"#\">CDU<\/a>) mit seiner Kritik an der Talkshow-Schwemme befl\u00fcgelt haben d\u00fcrfte: Talkshows sind kein Ersatz f\u00fcr Bundestagsdebatten, eine Besetzung anhand der Wahlergebnisse deshalb nicht zwingend. Ihm missfiel vor sieben Jahren, dass viele Spitzenpolitiker lieber im Fernsehen statt dem Plenum debattierten. 2011 war das \u2013 und seitdem hat sich vieles ge\u00e4ndert: Die Quoten der gr\u00f6\u00dften Talksendungen sind seit einiger Zeit im Sinkflug begriffen, trotz der politischen Polarisierung im Land bei gleichzeitiger Konsenstendenz unter einer gro\u00dfen Koalition in Berlin.<\/p>\n<p>Daran k\u00f6nnen weder das Thema <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\" data-rtr-id=\"9ccf09675be86789c68692c4018083492dcf6408\" data-cke-saved-href=\"#\">Migration<\/a> noch Robert Habeck etwas \u00e4ndern. M\u00f6glicherweise hat sich das Talkformat, das sich stark an die Generation 50 Plus richtet, auch einfach nur abgenutzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse erschienen bei FAZ.NET (10.01.2019) Von Martin Benninghoff Andere Besetzung, andere Themen: Niemand war 2018 so oft in Talkshows eingeladen wie der Gr\u00fcnen-Vorsitzende. 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