{"id":2222,"date":"2019-01-22T19:03:24","date_gmt":"2019-01-22T17:03:24","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2222"},"modified":"2019-01-22T19:06:13","modified_gmt":"2019-01-22T17:06:13","slug":"wenn-kein-blatt-papier-dazwischen-passt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2222","title":{"rendered":"Antwort an die Leser"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blogs.faz.net\/schlaflos\/2019\/01\/22\/wenn-zwischen-mutter-und-kind-kein-blatt-papier-passt-762\/\">Neuester Beitrag im F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (erschienen am 22.01.2019)<\/a><\/p>\n<p><strong>Von Martin Benninghoff<\/strong><\/p>\n<p><span id=\"work_17627\" class=\"p_textOutput\"><strong>Manchmal wird es eng in der Mutter-Kind-Beziehung. So eng, dass es f\u00fcr den Vater schwer wird. Leser haben kommentiert \u2013 der Autor antwortet.<\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Das soll hier zwar kein Fortsetzungsroman werden, aber aufgrund der Leserzuschriften und der Kommentare zu meinem Artikel &#8222;Ich verbitte mir die Einmischung&#8220;, der hier k\u00fcrzlich erschienen ist, scheint es noch Gespr\u00e4chsbedarf zu geben. In dem St\u00fcck ging es darum, dass man sich als Vater gelegentlich seinen Platz zwischen Kind und Mutter erk\u00e4mpfen muss. Nat\u00fcrlich gibt es tausendfache Gegenbeispiele, bei denen der Vater die meiste Zeit mit dem Kind verbringt \u2013 und die Mutter Schwierigkeiten hat, ihren Platz zu finden. Aber in der Mehrzahl leben die Familien dann doch noch das &#8222;klassische Modell&#8220;, bei denen die Mutter das gr\u00f6\u00dfere St\u00fcck Kindererziehung zu schultern hat.<\/p>\n<p>In dem Artikel hatte ich versucht, meine eigenen pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke etwas humorvoll aufzuschreiben, weil gerade Familienthemen nicht automatisch bierernst sein m\u00fcssen. Immerhin ein Leser hat das bemerkt und geschrieben, dass er beim Lesen &#8222;schmunzeln&#8220; musste, weil es ihm &#8222;verdammt \u00e4hnlich ergangen&#8220; sei. Offenbar gibt es also andere V\u00e4ter, die ihre Frau gelegentlich daran erinnern, dass auch der Vater Platz braucht in einer ansonsten engen Mutter-Kind-Beziehung. Die Zuschrift l\u00e4sst erahnen, dass sich mitunter die V\u00e4ter schwerer als die M\u00fctter tun, ihr Herz in solchen Fragen auszusch\u00fctten: &#8222;Ich habe meinen Unmut \u00fcber drei Jahre in mich hinein gegrummelt&#8220;, schreibt der Leser.<\/p>\n<p>V\u00e4ter d\u00fcrfen also auch ihr Herz aussch\u00fctten. Ja, warum eigentlich nicht? Eine Leserin scheint damit nicht so ganz einverstanden zu sein, denn sie schreibt leicht bis mittelschwer erbost: &#8222;Der ganze Text geht also darum, dass ein Vater sich beschwert, dass er in der Gunst seines Kindes nicht an erster Stelle steht.&#8220; Ja, kann ich nur antworten, muss auch mal sein. Zumal sich die meisten V\u00e4ter, soweit ich das beurteilen kann, nicht in den entsprechenden Erziehungs- und Familienforen wie &#8222;Urbia&#8220; herumtreiben, es sei denn als &#8222;Bienchen 82&#8220; oder unter einem anderen geschlechtsverschleiernden Nickname. Deshalb sollte es schon okay sein, sich auch als Mutter mal die Perspektive eines Vaters anzuh\u00f6ren oder durchzulesen.<\/p>\n<p>Aber davon abgesehen: Die meisten Leserinnen und Leser schildern aus ihrer Erfahrung, dass diejenige Person, die die meiste Zeit mit dem Kind verbringt, auch den besten Draht zu ihm entwickelt. Das ist geschlechtsneutral und kann deshalb selbstverst\u00e4ndlich auch der Vater sein. Nur wenige behaupten, dass es so etwas wie eine naturgegebene Rollenverteilung gibt, und auch ich glaube das nicht. Abgesehen vom Stillen kann der Mann alles \u00fcbernehmen, was eine Frau kann. Was viele daran hindert, sind vielmehr die gesellschaftlich bedingten Rollenzuweisungen&amp;nbsp; \u2013 und vor allem die Erwartungshaltungen.<\/p>\n<p>Eine Leserin kann das nur best\u00e4tigen: &#8222;Nach der Geburt meines Sohnes bekam ich st\u00e4ndig Kritik zu Kleidung, Gesundheitszustand, Weinen des Kindes, w\u00e4hrend mein Partner gelobt wurde, wenn er es schaffte, den Kinderwagen unfallfrei durch den Park zu schieben.&#8220; Mich hat das sehr daran erinnert, wie das so in der Generation meiner Eltern funktionierte: Wenn der Vater ein einziges Mal die K\u00f6nigsberger Klopse in der Mikrowelle aufw\u00e4rmte (die nat\u00fcrlich von der Mutter vorgekocht waren), wurde davon ein Leben lang berichtet. Dass die Mutter an allen anderen 364 Tagen gekocht hat, war kaum der Rede wert.<\/p>\n<p>Aber das Beispiel zeigt zugleich das Dilemma: Die M\u00e4nner haben sich fr\u00fcher vielleicht zu wenig an der Erziehung beteiligt, aber sie sa\u00dfen ja nicht nur herum. Sie waren f\u00fcrs meist alleinige Geldverdienen und andere Dinge des Haushalts (Steuererkl\u00e4rung und Winterreifenwechsel) zust\u00e4ndig und deshalb alles andere als faul. Auch in Bezug auf die heutigen V\u00e4ter vergessen ihre Kritiker oft, dass es kein Zuckerschlecken ist, Vollzeit zu arbeiten und sich zudem in jeder freien Minute um den Nachwuchs zu k\u00fcmmern \u2013 und zwar auch um die unerfreulichen und anstrengenden Aspekte, nicht nur um das majest\u00e4tische Unterschreiben von Klassenarbeiten und die abendliche Vorlesegeschichte. Der Begriff &#8222;Sugardaddy&#8220; taucht dann prompt in einer der Leserzuschriften auf. Wer so etwas schreibt, sieht das Thema aus der Perspektive des Kampfes Vater gegen Mutter, Mutter gegen Vater. Wer da unter die R\u00e4der kommt, ist klar: die Kinder. Geholfen ist damit jedenfalls keinem.<\/p>\n<p>Die Konflikte entstehen vielmehr aus mangelnder Absprache. Und damit meine ich nicht die Absprache, wer das Kind wann von der Kita abholt \u2013 in dem Stadium ist es bereits zu sp\u00e4t. Ich meine vielmehr die Absprachen, die man vorm Kinderkriegen treffen sollte. Das funktioniert aber nur, wenn man \u00fcber sich und seinen Partner reflektiert \u2013 und \u00fcber Lebenseinstellungen und Motive spricht. Die Zuschriften zeigen, dass es daran zu oft hapert.<br \/>\nZum Beispiel ist von zentraler Bedeutung, wie viel man selbst und wie viel der Partner an beruflicher Anerkennung braucht, um sich wohlzuf\u00fchlen. Davon h\u00e4ngt n\u00e4mlich ab, ob Vater oder Mutter Teilzeit in Erw\u00e4gung ziehen. Nat\u00fcrlich spielt auch eine Rolle, ob sich Teilzeit im jeweiligen Beruf \u00fcberhaupt vern\u00fcnftig realisieren l\u00e4sst und ob das Geld reicht. Oder auch: Wer m\u00f6chte wie viel Zeit mit den Kindern verbringen \u2013 oder reicht es einem Partner, stundenweise Erziehungsaufgaben zu \u00fcbernehmen, w\u00e4hrend der andere Partner unbedingt mehr davon haben m\u00f6chte, weil er &#8222;das W\u00fcrmchen beim Aufwachsen erleben m\u00f6chte&#8220;? Letzteres ist ein Argument, das ich oft von Frauen geh\u00f6rte habe, aber nur selten von M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Offenbar leben zu selten Menschen als Paar zusammen, die f\u00fcr diese Fragen dieselben Antworten haben. Das w\u00e4ren ein Vater und eine Mutter, die beide in Teilzeit arbeiten, damit sie die Kindererziehung gemeinsam stemmen k\u00f6nnen.&amp;nbsp; Der Konflikt, der zweifellos entsteht, sobald Kinder da sind, w\u00e4re somit gleich im Keim erstickt. Aber woran liegt es denn nun, dass sich solche Traumpaare selten finden? Liegt es vielleicht an dem Bild, das viele M\u00e4nner noch von sich als Hauptern\u00e4hrer haben? An dem Bild, das Frauen noch von sich als Haupterzieher haben? Oder liegt es an dem Bild, das M\u00e4nner noch von Frauen als Haupterzieher haben? Oder an dem Bild, das Frauen noch von M\u00e4nnern als Hauptern\u00e4hrer haben?<br \/>\nWahrscheinlich ist es eine Kombination daraus. Einseitige Schuldzuweisungen jedenfalls halte ich eher f\u00fcr ein Teil des Problems als die L\u00f6sung. Am Anfang steht die Bereitschaft, sich mit seinen eigenen Motiven und Klischees im Kopf auseinandersetzen. Da darf man mal sein Herz aussch\u00fctten \u2013 auch als Mann, ohne sofort von den w\u00fctenden M\u00fcttern eins auf den Deckel zu bekommen. Oder? \u00dcbrigens: Hier unten k\u00f6nnen Sie Kommentare schreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuester Beitrag im F.A.Z.-Blog &#8222;Schlaflos&#8220; (erschienen am 22.01.2019) Von Martin Benninghoff Manchmal wird es eng in der Mutter-Kind-Beziehung. So eng, dass es f\u00fcr den Vater schwer wird. 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