{"id":2380,"date":"2019-02-28T11:34:44","date_gmt":"2019-02-28T10:34:44","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2380"},"modified":"2019-02-28T11:37:22","modified_gmt":"2019-02-28T10:37:22","slug":"haette-haette","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=2380","title":{"rendered":"H\u00e4tte, h\u00e4tte"},"content":{"rendered":"\n<p>Kim Jong-un stellt sich den Fragen ausl\u00e4ndischer Journalisten. Wenn \nman so will, ist das der gr\u00f6\u00dfte und wohl einzige Erfolg dieses zweiten \nGipfels zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea. Bislang hatte \nNordkoreas Diktator <a href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\">Kim Jong-un<\/a>\n mit keinem ausl\u00e4ndischen Reporter gesprochen, jetzt durfte ihm die Welt\n zum ersten Mal etwas n\u00e4her kommen. Etwas eingesch\u00fcchtert wirkt er, als \nPr\u00e4sident Trump die Presse daran erinnert, dass dies keine gew\u00f6hnliche \nPressekonferenz sei, die versammelten Journalisten deswegen nicht so \nlautstark wie sonst sein sollten. In Nordkorea gibt es noch nicht einmal\n Ans\u00e4tze einer freien Presse, \u00f6ffentliche Auftritte Kims sind deshalb \nals Jubelveranstaltungen orchestriert. Der Diktator ist solche \nSituationen nicht gew\u00f6hnt.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese Szene derart in den \nMittelpunkt r\u00fcckt, sagt allerdings auch fast alles \u00fcber den, wie \u00fcblich \nmit vielen Vorschusslorbeeren bedachten, zweiten Gipfel von Trump und \nKim aus, der dieses Mal in Vietnams Hauptstadt Hanoi stattfindet. Oder \nstattfand, wie man nun schreiben muss. Fr\u00fcher als erwartet enden die \nGespr\u00e4che, die angek\u00fcndigte Unterzeichnung einer Erkl\u00e4rung wird \nabgesagt, es gibt keinerlei Einigung, selbst nicht in den \nvergleichsweise wenig kontroversen Punkten wie der Einrichtung \ngegenseitiger Verbindungsb\u00fcros. Weder eine gemeinsame Friedenserkl\u00e4rung \nnoch konkrete Abr\u00fcstungsschritte werden beschlossen, selbst die sch\u00f6nen \nWorte Trumps, der vor dem Treffen vollmundig von einer \u201egro\u00dfen Sache\u201c \nsprach, verhallen im Wirbelwind, der um diesen Gipfel veranstaltet \nwurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Kim und Trump scheitern beim Gipfel in Hanoi\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CDruDpHeMsM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption>Videokommentar bei FAZ.NET<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eDas\n ist eine schwierige Woche f\u00fcr Pr\u00e4sident Trump\u201c, sagt der \nSPD-Au\u00dfenpolitiker Rolf M\u00fctzenich: \u201eEr h\u00e4tte sich wohl einen Erfolg des \nGipfels gew\u00fcnscht, auch um von den innenpolitischen Problemen \nabzulenken, die ihn derzeit in Amerika besch\u00e4ftigen.\u201c Dort besch\u00e4ftigen \ndie Aussagen seines fr\u00fcheren Anwalts <a href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\">Michael Cohen<\/a>\n derzeit die \u00d6ffentlichkeit. Und der Nordkorea-Forscher Eric Ballbach \nvon der FU Berlin sagt: \u201eIch denke, das ist ohne Zweifel ein R\u00fcckschlag,\n da muss man nichts sch\u00f6nreden.\u201c Offenbar sei der Gipfel zu fr\u00fch \ngekommen, die Unterh\u00e4ndler in den Arbeitsgruppen h\u00e4tten nicht gen\u00fcgend \nZeit gehabt, ein gegenseitiges Entgegenkommen in den zentralen Fragen \nder Abr\u00fcstung und Sanktionen zu vereinbaren.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/trumps-praesidentschaft\/gipfel-in-hanoi-zwischen-donald-trump-und-kim-jong-un-gescheitert-16062958.html\">Hier lesen Sie den Artikel bei der F.A.Z.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher: An \nVerhandlungen mit Nordkorea sollte man nicht die \u00fcblichen Ma\u00dfst\u00e4be \ninternationaler Verhandlungen anlegen. Nach Jahren der gegenseitigen \nAggressionen, des bleiernen <a href=\"https:\/\/cms.faz.net\/polopoly\/CM#\">Kalten Krieges<\/a>,\n der gegenseitigen Anschuldigungen und Scharm\u00fctzel an der Grenze \nzwischen S\u00fcd- und Nordkorea sind gerade jene Beobachter, die den \nKonflikt seit Jahren und Jahrzehnten verfolgen, froh \u00fcber jeden \nQuadratzentimeter Landgewinn. Es wird wohl niemand bestreiten, dass die \nKoreaner vor allem im S\u00fcden der Halbinsel seit den ersten \nEntspannungsbem\u00fchungen um die Jahreswende 2017\/2018 friedlicher und mit \nweniger Angst vor fehlgeleiteten Testraketen und Atomversuchen leben. \nWenn man die Marschrichtung der ersten Erkl\u00e4rung von Singapur im Juni \n2018 als Ma\u00dfstab nimmt \u2013 Amerika und Nordkorea verpflichten sich zu \n\u201eneuen Beziehungen\u201c \u2013, dann wurde dieser Teil der Abmachung ernst \ngenommen. Insofern kann man den \u00fcbertriebenen Optimismus erkl\u00e4ren, den \nmanche Nordkoreabeobachter an den Tag legen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist&nbsp; nach diesem Gipfel in Hanoi nur: Bleibt es dabei?<\/p>\n\n\n\n<p>Danach\n sieht es nicht mehr unbedingt aus. Nach den atmosph\u00e4rischen \nVerbesserungen h\u00e4tten dazu nun konkrete Taten folgen m\u00fcssen. Zum \nBeispiel eine symbolische, aber wichtige Friedenserkl\u00e4rung. Noch immer \ngilt auf der koreanischen Halbinsel nach dem Ende des Koreakrieges 1953 \noffiziell der Kriegszustand; ein formaler Friedensvertrag m\u00fcsste diesen \nSchwebezustand eines Tages beenden. Dazu bed\u00fcrfte es zwar mehrerer \nVertragsparteien, darunter China und die Vereinten Nationen. Eine \nFriedenserkl\u00e4rung Trumps und Kims zum jetzigen Zeitpunkt h\u00e4tte eine \nm\u00e4chtige, wenn auch nur symbolische, Vorlage liefern k\u00f6nnen, um danach \nzu einem v\u00f6lkerrechtlich g\u00fcltigen Friedensvertrag zu gelangen. Selbst \ndas ist gescheitert. Umso deutlicher zeigt dieser Tag, dass der \nOptimismus mancher Nordkoreabeobachter bis hin zu Rufen nach \nFriedensnobelpreisen f\u00fcr die Verhandlungspartner hoffnungslos \n\u00fcbertrieben war. Erst recht, da nicht ansatzweise ein Fortschritt in der\n wichtigsten Frage, der atomaren Abr\u00fcstung, zu verzeichnen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kim hat Zeit, Trump nicht<\/h2>\n\n\n\n<p>Kim\n Jong-uns Regime besitzt Uran- und Plutonium-Atomwaffen. Nordkorea \nverf\u00fcgt \u00fcber eigene Uran-Vorkommen, mindestens zwei Minen sind vorhanden\n und mindestens zwei Anlagen, um den Rohstoff weiterzuverarbeiten. Es \nwar zu erwarten, dass Kim in Hanoi keine Liste mit seinen \nWaffenarsenalen vorlegt. Allerdings hatten viele schon damit gerechnet, \ndass es einen \u2013 wie auch immer gearteten \u2013 Einstieg in einen konkreten \nAbr\u00fcstungsfahrplan geben w\u00fcrde. Nichts dergleichen, Trump muss nun mit \nleeren H\u00e4nden nach Amerika zur\u00fcckkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine wiederholten \n\u00c4u\u00dferungen, beim Thema Abr\u00fcstung \u201ekeine Eile\u201c zu haben, sind nat\u00fcrlich \nein Witz. Kim, der sich keiner Wahl stellen muss, kann warten, Trump \naber nicht: Der 72-J\u00e4hrige will 2020 wiedergew\u00e4hlt werden; wer wei\u00df, \nwelche F\u00e4den ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin danach im Wei\u00dfen Haus\n ziehen w\u00fcrde. Kim wiederum hat neue Bilder bekommen, die ihn auf \nAugenh\u00f6he mit Trump zeigen \u2013 sie werden sicherlich wieder rund um die \nUhr im nordkoreanischen Staatsfernsehen gezeigt. Ihm verschafft der \nVerhandlungs-Status-Quo eine Atempause, um sein Land weiter zu \nmodernisieren und seine Macht zu zementieren. Allerdings h\u00e4tte er \nErleichterungen in der Sanktionsfrage gebrauchen k\u00f6nnen, zumal sein Land\n in einer Rezession steckt. Nach den Worten Trumps bei der \nanschlie\u00dfenden Pressekonferenz war das der Knackpunkt der Verhandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\n Zugest\u00e4ndnis, das Kim in der Atomfrage h\u00e4tte liefern k\u00f6nnen, w\u00e4re die \nErlaubnis f\u00fcr internationale Inspektoren gewesen \u2013 vielleicht unter \nEinbeziehung Russlands \u2013, sich die Atomanlage in Y\u014fngby\u014fn anschauen zu \nd\u00fcrfen. Das w\u00e4re ein wichtiger Punkt gewesen, wenngleich keine Gew\u00e4hr \ndaf\u00fcr, dass Kims Atomwissenschaftler nicht an anderer Stelle \nweitermachen: Y\u014fngby\u014fn wurde zwischenzeitlich zwar bereits f\u00fcr mehrere \nJahre stillgelegt, der K\u00fchlturm wurde gesprengt \u2013 und doch kostete es \nNordkorea kaum M\u00fche, einen neuen Turm zu bauen und die Anlage alsbald \nwieder in Betrieb zu setzen.&nbsp; Die Anlage in Y\u014fngby\u014fn, n\u00f6rdlich von \nPj\u00f6ngjang, ist den internationalen Atominspektoren bestens bekannt. 2010\n lie\u00df Kim Jong-uns Vater, Kim Jong-il, internationale Inspektoren die \nAnlage in Augenschein nehmen, in der auch Plutonium hergestellt wird. \nDie damaligen Experten waren beeindruckt \u2013 sp\u00e4testens ab dann war klar, \ndass Nordkorea kurz davor ist, sein Ziel Atommacht zu erreichen. \nParallel zu den Atomwaffen lie\u00df Kim seine Raketentechnologie \nweiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Jubelges\u00e4nge w\u00e4re es aber selbst bei einer \nsolchen Einigung zu fr\u00fch gewesen, das zeigt die Geschichte \nnordkoreanisch-amerikanischer Verhandlungen: In den neunziger Jahren \nunterzeichneten die Unterh\u00e4ndler ein Rahmenabkommen, das Nordkorea zum \nEinfrieren seines Atomprogramms verpflichtete. Anlagen sollten \nstillgelegt, Brennst\u00e4be au\u00dfer Landes gebracht werden. Amerika \nverpflichtete sich im Gegenzug zum Bau zweier Leichtwasserreaktoren und \nzur Lieferung von Heiz\u00f6l. Nordkorea, das sich nach dem pl\u00f6tzlichen Tod \nvon Kim Jong-uns Gro\u00dfvater Kim Il-sung am 8. Juli 1994 in Trauer und \nSchockstarre befand, war auf jede erdenkliche finanzielle Hilfe \nangewiesen. Amerika wollte das Land aus seiner Bunkermentalit\u00e4t \nherausl\u00f6sen \u2013 und engagierte sich daf\u00fcr mit gr\u00f6\u00dferen Betr\u00e4gen. Ein \nErfolg f\u00fcr beide Seiten, so dachten viele. Erwartungen, die sp\u00e4ter \nbitter entt\u00e4uscht wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenig Grund f\u00fcr Optimismus<\/h2>\n\n\n\n<p>Trump\n und Kim haben bislang weniger erreicht als Bill Clinton und Kim Il-sung\n zur damaligen Zeit. Das stimmt wenig optimistisch f\u00fcr weitere Gipfel \nund Verhandlungen. Das Wei\u00dfe Haus sprach am Donnerstag dennoch von \u201esehr\n guten und konstruktiven Treffen\u201c in Hanoi. Die \u201ejeweiligen Teams\u201c \nw\u00fcrden die Gespr\u00e4che fortsetzen.Obwohl der Gipfel in Singapur im \nvergangenen Jahr mit einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung endete, brauchte es \ndanach Monate, bis Trumps Chefunterh\u00e4ndler Stephen Biegun Termine mit \nden Nordkoreanern bekam. Wie ist es dieses Mal weitergehen soll, steht \nerst recht in den Sternen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Arbeitsebene w\u00e4re ein m\u00e4chtiges\n Signal von diesem Gipfel wichtig gewesen \u2013 sozusagen als Prokura, \nweiter in Richtung Frieden zu verhandeln. Ganz davon abgesehen, dass das\n Thema Menschenrechte wieder einmal keinerlei Rolle spielte bei diesem \nTreffen zweier \u201eFreunde\u201c.&nbsp; Auf eine Reporterfrage dazu blieb Kim stumm. \nDas Schlimmste aber ist: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/donald-trump\">Donald Trump<\/a> scheint keinen Plan zu haben, wie er den Friedensprozess wieder zum Laufen bringen will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kim Jong-un stellt sich den Fragen ausl\u00e4ndischer Journalisten. Wenn man so will, ist das der gr\u00f6\u00dfte und wohl einzige Erfolg dieses zweiten Gipfels zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea. 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