{"id":619,"date":"2011-02-07T12:46:07","date_gmt":"2011-02-07T10:46:07","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=619"},"modified":"2011-02-07T12:46:07","modified_gmt":"2011-02-07T10:46:07","slug":"die-alten-zopfe-werden-jetzt-abgeschnitten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=619","title":{"rendered":"Die alten Z\u00f6pfe werden jetzt abgeschnitten"},"content":{"rendered":"<p><div><span style=\"font-size: small; font-family: Calibri;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Calibri;\">\u00a0<\/span><\/span><\/div>\n<p>\u00a0<span style=\"font-size: small; font-family: Calibri;\"><span style=\"font-size: small; font-family: Calibri;\">Erschienen im <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\">&#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220;<\/a> (07.02.2010)<\/span><\/span><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Korrespondent Gerd H\u00f6hler \u00fcber die Krise Griechenlands<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Machen die Griechen den Euro kaputt? Die provokante Frage, die zugleich der Diskussionsveranstaltung im \u201estudio du mont&#8220; am Freitagabend den Titel gab, beantwortete der Gast des Abends gleich zu Beginn mit einem klaren Nein. \u201eEher wird der Euro Griechenland kaputt machen&#8220;, sagte Gerd H\u00f6hler, Korrespondent des \u201eK\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220;, der seit 1979 von Athen aus \u00fcber Griechenland, Zypern und die T\u00fcrkei berichtet. Seit die Griechen mit dem Euro bezahlten, k\u00f6nnten sie sich ihrer Schulden nicht mehr so einfach durch Abwertung ihrer W\u00e4hrung entledigen. Dadurch k\u00e4men die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands jetzt zum Vorschein.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wer dann allerdings eine Diskussion voller Schuldzuweisungen erwartete, wurde eines Besseren belehrt. H\u00f6hler zeichnete im Gespr\u00e4ch mit Hans-J\u00fcrgen Deglow, dem stellvertretenden Ressortleiter der Politikredaktion des \u201eK\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220;, das Bild eines Landes, das in der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg steckt. Die Wirtschaft schrumpfte alleine im vergangenen Jahr um vier Prozent, die Ums\u00e4tze im Handel brachen ein, und in kurzer Zeit gingen \u00fcber 200.000 Jobs verloren \u2013 und das in einem Land mit knapp \u00fcber elf Millionen Einwohnern. Mehrere Zuschauer, die teilweise famili\u00e4re Bindungen mit Griechenland haben, wiesen auf die Gefahr massiver sozialer Unruhen hin, die durch die Jugendarbeitslosigkeit von 35 Prozent bl\u00fcht. \u201eWir erleben derzeit eine neue Welle der Auswanderung&#8220;, sagte H\u00f6hler, \u201eund ein enormes Protestpotential&#8220;.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">H\u00f6hler lie\u00df keinen Zweifel daran, dass die Ursachen der Misere zun\u00e4chst in Griechenland selbst zu suchen sind: Alleine durch die Schwarzarbeit seien dem Staat in 2010 rund 30 Milliarden Euro entgangen. Bitteres Res\u00fcmee des Korrespondenten: \u201eWenn alle Griechen ihre Steuern gezahlt h\u00e4tten, w\u00e4re das Land praktisch schuldenfrei.&#8220; Auch die horrenden Geh\u00e4lter der Staatsbediensteten seien schlichtweg \u201eWahnsinn&#8220; gewesen. Als Beispiel nannte H\u00f6hler die griechischen Lokf\u00fchrer, die 5500 Euro im Monat verdienten und Entfernungspauschalen ab zehn Kilometern Strecke bekommen h\u00e4tten. \u201eKeine Frage&#8220;, so H\u00f6hler weiter, \u201edas ist eine Krise der politischen Kultur Griechenlands, das Ergebnis einer weitreichenden Selbstbedienungsmentalit\u00e4t&#8220;.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Allerdings sei es \u00fcberhaupt nicht angebracht, \u201evon oben herab&#8220; die Gr\u00fcnde der Krise nur in Griechenland selbst zu suchen. H\u00f6hler machte auf die lasche Schuldenpolitik der gro\u00dfen EU-Staaten aufmerksam und erw\u00e4hnte das schlechte Vorbild Deutschlands bei der Neuverschuldung in 2003, als die drei-Prozent-Marke deutlich \u00fcberschritten wurde. Zudem habe man in Br\u00fcssel, Berlin und Paris schon fr\u00fcher gewusst, wie klamm die griechischen Staatskassen seien. Der Beitritt Griechenlands zum Euro-Raum sei jedoch \u201epolitisch gewollt&#8220; gewesen. Vor diesem Hintergrund seien die herablassenden \u00c4u\u00dferungen aus Deutschland \u00fcber die \u201ePleitegriechen&#8220; schlichtweg indiskutabel. \u201eEs gibt eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung der Griechen&#8220;, sagte H\u00f6hler, und das Verh\u00e4ltnis zerr\u00fcttet.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Der Korrespondent verwies auf die Reformbem\u00fchungen in Athen: Die Neuverschuldung sei massiv gesenkt worden und die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst um ein Viertel beschnitten. \u201eDie alten Z\u00f6pfe werden jetzt abgeschnitten&#8220;, sagte H\u00f6hler, der verhalten optimistisch in die Zukunft Griechenlands schaut. Allerdings m\u00fcsse zum Sparen nun stabiles Wirtschaftswachstum kommen. Sprich Investitionen sollten jetzt get\u00e4tigt werden, damit neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden k\u00f6nnen. Eine Schl\u00fcsselrolle spiele dabei der Tourismus, der immerhin 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmache: \u201eWenn ich Ihnen einen Tipp geben darf, fahren Sie in diesem Jahr nach Griechenland in den Urlaub. Damit k\u00f6nnen Sie etwas zur Genesung des Landes beitragen&#8220;, sagte H\u00f6hler.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0Erschienen im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220; (07.02.2010) Korrespondent Gerd H\u00f6hler \u00fcber die Krise Griechenlands Von Martin Benninghoff Machen die Griechen den Euro kaputt? 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