{"id":638,"date":"2011-02-28T21:03:18","date_gmt":"2011-02-28T19:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=638"},"modified":"2011-02-28T21:03:18","modified_gmt":"2011-02-28T19:03:18","slug":"gefahrliche-propaganda","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=638","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Propaganda"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Ansto\u00df von Martin Benninghoff (28.02.2011, <\/em><a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1298837934756.shtml\"><em>K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>Der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan hat bei seiner Rede am Sonntagabend in D\u00fcsseldorf dort weiter gemacht, wo er vor drei Jahren in K\u00f6ln aufgeh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>Sein unverhohlener Nationalismus ist dieses Mal zwar im Ton etwas moderater geraten, in der Sache aber r\u00fcckt er keinen Deut ab von seinem Kurs der langen Leine, an der er die sogenannten \u201eAuslandst\u00fcrken\u201c f\u00fchren will. \u201eWer Ihnen auch irgendetwas sagt, Sie sind meine Staatsb\u00fcrger\u201c, rief er in den ISS Dome, wo sich rund 11 000 Anh\u00e4nger versammelt hatten. Es ist kein Geheimnis, dass bei der Organisation dieser Veranstaltung auch Ex-Funktion\u00e4re der \u201eMilli-G\u00f6r\u00fcs\u201c-Bewegung mitgeholfen haben. Deren nationalistisch-islamistischer Ton schwingt in jedem Worte Erdogans mit.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zeichnete Erdogan in seiner Rede ein Bild von der M\u00fchsal der fr\u00fcheren Gastarbeiter, die in den Jahrzehnten seit dem Anwerbeabkommen \u201eunter schlimmsten Umst\u00e4nden\u201c in Deutschland gearbeitet h\u00e4tten. Es stimmt: Der Beitrag von Migranten am wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands wird zu wenig gelobt, Autoren wie Thilo Sarrazin sprechen ihnen ihre Beitr\u00e4ge zum Wohlstand mehr oder minder ab, was grundlegend falsch ist. Deswegen versp\u00fcren gerade \u00e4ltere T\u00fcrken Bitterkeit bei diesem Thema \u2013 und sind f\u00fcr Erdogans lindernde Medizin dankbar. Aber zu unterschlagen, dass die \u201eschlimmsten Umst\u00e4nde\u201c tausendfach besser waren als die damaligen Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der T\u00fcrkei, ist Aufwiegelei und Augenwischerei.<\/p>\n<p><!--#include virtual=\"\/html\/fotolines\/1298837934329\/1298837934329.htm\" --><\/p>\n<p>F\u00fcr Erdogan war das nur die Vorspeise, um sein Hauptgericht schmackhaft zu machen: \u201eWir sind stolz auf Sie, wir sind f\u00fcr Sie da\u201c, rief er. Danach z\u00e4hlte er eine Reihe angeblicher innenpolitischer Fortschritte auf, f\u00fcr die er und seine Regierung gesorgt h\u00e4tten: f\u00fcr neue Stra\u00dfen und Bahnstrecken in der T\u00fcrkei. Und \u2013 ganz besonders wichtig \u2013 f\u00fcr Kampfhubschrauber, die demn\u00e4chst in Serie gingen. Kein Wort von den Errungenschaften, die interessant f\u00fcr Menschen in Deutschland sind. Wer von den hier lebenden Menschen interessiert sich schon f\u00fcr eine Unterf\u00fchrung in der Peripherie Istanbuls, wenn die Stra\u00dfen hier durch den Winter ramponiert sind? Erdogan spricht an der Lebenswirklichkeit der Deutschen und Migranten in Deutschland vorbei.<\/p>\n<p>Man kann Erdogan nicht vorwerfen, dass er gerade auf Wahlkampftour f\u00fcr die Parlamentswahlen im Juni ist. Und man kann ihm auch nicht vorwerfen, f\u00fcr den wirtschaftlichen Aufschwung der T\u00fcrkei die Werbetrommel zu r\u00fchren. Aber Kanzlerin Angela Merkel sollte ihm heute Abend ruhig ins Gesicht sagen, wenn die beiden sich auf der Computermesse Cebit begegnen, dass die t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Menschen hier in Deutschland langfristig gesehen nicht mehr \u201eseine Staatsb\u00fcrger\u201c sein werden. Im \u00dcbrigen sehen das auch viele j\u00fcngere T\u00fcrkischst\u00e4mmige so. Und die h\u00f6ren allenfalls gerne Erdogans Aufruf, eine gute Schulbildung zu erwerben. Aber eben nicht, um den Ruhm der Republik T\u00fcrkei zu mehren! Sondern um ein gutes und erf\u00fclltes Leben in Deutschland zu f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ansto\u00df von Martin Benninghoff (28.02.2011, K\u00f6lner Stadt-Anzeiger) Der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan hat bei seiner Rede am Sonntagabend in D\u00fcsseldorf dort weiter gemacht, wo er vor drei Jahren in K\u00f6ln aufgeh\u00f6rt hat. 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