{"id":663,"date":"2011-04-14T09:25:51","date_gmt":"2011-04-14T07:25:51","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=663"},"modified":"2011-04-14T09:25:51","modified_gmt":"2011-04-14T07:25:51","slug":"sarrazins-flurschaden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=663","title":{"rendered":"Sarrazins Flursch\u00e4den"},"content":{"rendered":"<div id=\"spArticleBody\">\n<p>Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,756735,00.html\">&#8222;Spiegel Online<\/a>&#8220; (14.04.2011)<\/p>\n<p>Berlin. Thilo Sarrazin hat in Deutschland verheerende Spuren hinterlassen. Zu diesem Urteil kommen die Wissenschaftler des Sachverst\u00e4ndigenrats <a title=\"Integration\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/migration\/\" target=\"_self\">Integration<\/a> und Migration (SVR) bei der Vorstellung ihres Jahresgutachtens 2011. &#8222;Den gr\u00f6\u00dften Flurschaden hat Sarrazin bei der Stimmung unter den Einwanderern angerichtet&#8220;, sagt der bekannte Migrationsforscher Klaus J. Bade. Aber auch die Attraktivit\u00e4t Deutschlands nach au\u00dfen habe durch die \u00c4u\u00dferungen des Ex-Bundesbankers gelitten. &#8222;Sarrazin hat Deutschland ein doppeltes Eigentor beschert&#8220;, so Bade. In Umfragen sei ein eklatanter Vertrauensverlust zu diagnostizieren, der Optimismus hinsichtlich Integration sei abgest\u00fcrzt, so Bade.<\/p>\n<p>Zum zweiten Mal legt der Sachverst\u00e4ndigenrat sein Jahresgutachten vor &#8211; die neun Wissenschaftler, darunter neben Bade auch Thomas Staubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, verstehen sich als Bewertungsgremium. Sie wollen die Regierung handlungsorientiert beraten.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ihres neuen Berichts ist eine Ohrfeige f\u00fcr die Politik. &#8222;Der Braindrain l\u00e4uft&#8220;, sagt Forscher Bade. Deutschland brauche ein komplett neues Steuerungssystem f\u00fcr Zuwanderung. In den vergangenen 15 Jahren habe das Land eine halbe Million Menschen mehr ans Ausland verloren als neu dazugewonnen. Menschen im besten Erwerbsalter, die durchschnittlich h\u00f6her qualifiziert seien als die arbeitende Bev\u00f6lkerung Deutschlands. Von all jenen, die in den vergangenen Jahren ins europ\u00e4ische Ausland abwanderten, h\u00e4tten 49 Prozent einen Hochschulabschluss, in der Bev\u00f6lkerung seien es nur 29 Prozent. &#8222;Man wird sich in Berlin beeilen m\u00fcssen. Die Konkurrenz schl\u00e4ft nicht&#8220;, warnt Bade. Deutschland m\u00fcsse attraktiver werden &#8211; nach au\u00dfen und nach innen. Eine weltweite Umfrage habe ergeben, dass Deutschland nach Einsch\u00e4tzung von F\u00fchrungskr\u00e4ften in der Rangliste der Talentschmieden auf Platz vier rangiere &#8211; hinter China, den USA und Indien. Es sei also damit zu rechnen, dass aus Deutschland weiterhin gezielt abgeworben werde, so Bade. Die Forscher haben konkrete Verbesserungsvorschl\u00e4ge ausgearbeitet. Sie fordern ein Drei-S\u00e4ulen-Modell, um mehr Fachkr\u00e4fte nach Deutschland zu holen.<br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<ul>\n<li>Das Mindesteinkommen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Hochqualifizierte m\u00fcsse von derzeit 66.000 Euro Jahresbrutto auf 40.000 Euro gesenkt werden<\/li>\n<li>Studenten aus dem Ausland sollen nach dem Abschluss statt einem, zwei Jahre Zeit bekommen, um in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden. Sie seien &#8222;die ideale Zuwanderergruppe&#8220;, jung , gut qualifiziert, vertraut mit deutschen Institutionen und der Sprache. <\/li>\n<li>Ein flexibles Punktesystem m\u00fcsse eingef\u00fchrt werden. Zun\u00e4chst solle es einen Modellversuch geben, der begrenzt ist auf jene Bereiche, die am st\u00e4rksten unter Fachkr\u00e4ftemangel leiden: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Wer eine bestimmte Punktzahl erreicht hat, solle auch ohne Arbeitsvertrag nach Deutschland kommen k\u00f6nnen. Ein hohe Punktzahl soll es, so fordern es die Forscher, f\u00fcr akademische Abschl\u00fcsse geben, f\u00fcr gute Englisch- oder Deutschkenntnisse, junge Fachkr\u00e4fte sollen \u00e4lteren vorgezogen werden.<br class=\"spacer_\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcsse es einen realistischen Blick auf m\u00f6gliche neue Herkunftsgebiete k\u00fcnftiger Zuwanderer geben, etwa aus Nordafrika, aus Zentralasien, aus Indien. Diese L\u00e4nder w\u00fcrden an Bedeutung gewinnen, die Verbindungen zu ihnen m\u00fcssten ausgebaut werden.<br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p>\u00c4ndere sich an der deutschen Migrationspolitik nichts, seien die Aussichten d\u00fcster, so das Res\u00fcmee der Wissenschaftler. Komme es zu keiner erneuten Wirtschaftskrise k\u00f6nnten Deutschland 2015 schon drei Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen, so Migrationsforscher Bade.<\/p>\n<p>Positiv bewertet der Wissenschaftler hingegen die tempor\u00e4re Zuwanderung Niedrigqualifizierter. Hier sei Deutschland in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. 2009 seien fast 300.000 Zuwanderer vorwiegend aus Osteuropa f\u00fcr eine befristete Arbeit gekommen.<\/p>\n<p>Einen grunds\u00e4tzlichen Vorwurf richtet der Sachverst\u00e4ndigenrat an die Politik: Sie spiele mit vermeintlichen \u00c4ngsten der Bev\u00f6lkerung, nehme die Menschen nicht ernst. Die Politik muss aufh\u00f6ren, eine &#8222;Kulturpanik zu sch\u00fcren, die die Gesellschaft spaltet&#8220; und d\u00fcrfe das Land nicht weiter nach au\u00dfen blamieren, so Bade. Die B\u00fcrgergesellschaft n\u00e4mlich sei bez\u00fcglich Migrationsthemen viel informierter, vern\u00fcnftiger und belastbarer als es die Politik annimmt. Das sei das Ergebnis des Migrationsbarometers des SVR, f\u00fcr das knapp 2500 Personen befragt wurden.<\/p>\n<p>So bef\u00fcrworte knapp die H\u00e4lfte aus der Mehrheitsgesellschaft eine weitere Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen und Asylsuchenden, unter den Migranten sind es dem Barometer zufolge knapp 41 Prozent. 60 Prozent aller Befragten wollen mehr Hochqualifizierte nach Deutschland holen, insgesamt sorgen sich die Menschen, weil das Land immer mehr Qualifizierte verliere. &#8222;Es tut sich eine Kluft auf zwischen aufgeregten Diskussionen und einer Bev\u00f6lkerung, die Migration gut informiert und interessengeleitet sieht&#8220;, so Gunilla Fincke, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des SVR.<\/p>\n<p>Auch zu den politischen Umw\u00e4lzungen in der arabischen Welt nahm der Rat Stellung. Forscher Bade forderte eine Art Marshall-Plan f\u00fcr Nordafrika &#8211; die EU m\u00fcsse den L\u00e4ndern Entwicklungsperspektiven bieten. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssten Entwicklungs- und Migrationspolitik enger miteinander verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p><br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel &#8222;Spiegel Online&#8220; (14.04.2011) Berlin. Thilo Sarrazin hat in Deutschland verheerende Spuren hinterlassen. 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