{"id":751,"date":"2011-08-25T11:50:31","date_gmt":"2011-08-25T09:50:31","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=751"},"modified":"2011-08-25T11:50:44","modified_gmt":"2011-08-25T09:50:44","slug":"ohne-netz-und-doppelten-boden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=751","title":{"rendered":"Ohne Netz und doppelten Boden"},"content":{"rendered":"<p><em>Die \u00d6sterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner ist die erste Frau der Welt, die alle Achttausender bezwungen hat\u00a0&#8211; ohne Sauerstoffger\u00e4t. <\/em><a href=\"http:\/\/www.ksta.de\"><em>(Erschienen im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/em><\/a><em>&#8222;, 25.08.2011). <a href=\"http:\/\/www.gerlinde-kaltenbrunner.at\">N\u00e4here Infos zu Kaltenbrunner<\/a>. <\/em><\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6ln. Fast w\u00e4re Gerlinde Kaltenbrunner auch bei ihrem siebten Versuch gescheitert, den technisch anspruchsvollsten aller Achttausender, den K2 an der chinesisch-pakistanischen Grenze, zu besteigen. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist sternenklar und auf 8300 Metern mit minus 25 Grad bitterkalt, als sich Kaltenbrunner mit drei Bergsteigern zusammen auf den Weg zum Gipfel macht. Zwar ist der Gletscher dort oben nur 45 Grad steil, nicht viel schwieriger als eine durchschnittliche Gletscherpassage in den Alpen. Die Neigung reicht aber aus, dass sich die \u00d6sterreicherin nur m\u00fchsam auf Zehen und Mittelfu\u00df fortbewegen kann, wodurch die w\u00e4rmende Blutzufuhr abgeschnitten wird.<\/p>\n<p>\u201eAlle vier leiden sehr stark unter der K\u00e4lte\u201c, berichtet Kaltenbrunners deutscher Mann Ralf Dujmovits, der gespannt im Basislager wartet, in einem Internetblog. Nur wenige Minuten sp\u00e4ter gibt Kaltenbrunner entnervt\u00a0 auf: Am achten Tag der Expedition sind die Innenschuhe feucht und bieten nicht mehr gen\u00fcgend Schutz gegen die schneidende K\u00e4lte. Den Rest der Nacht verbringt sie wieder im Schlafsack. Um 7.30 Uhr bricht sie erneut auf. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, deren w\u00e4rmende Strahlen die Eisesk\u00e4lte ein wenig ertr\u00e4glicher machen. Zum Gl\u00fcck ist das Wetter an diesem Tag recht stabil, denn die Seilschaft ist sp\u00e4t dran. Durch die Sonneneinstrahlung steigt die Lawinengefahr.\u00a0 Ehemann Ralf im Basislager hat sich zuvor beim Innsbrucker Meteorologen Karl Gabl nach der Prognose erkundigt.\u00a0 Sieht gut aus.<\/p>\n<p>Es ist schon 16 Uhr, als sie und ihre Mitstreiter den Aufschwung erreichen, der zum Gipfel f\u00fchrt. Um 18.18 Uhr dann steht Kaltenbrunner vor den anderen auf dem Gipfel und ist \u00fcbergl\u00fccklich: \u201eEs ist ein Geschenk, dass wir gemeinsam bei diesen schwierigen Verh\u00e4ltnissen im Aufstieg und bei diesem fantastischen Wetter auf dem Gipfel stehen d\u00fcrfen\u201c, funkt sie ins Basislager.<\/p>\n<p><strong>Ehrgeiziger Konkurrenzkampf<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Kaltenbrunner ist damit die erste Frau, die\u00a0 alle 14 Achttausender der Welt ohne Zuhilfenahme k\u00fcnstlichen Sauerstoffs bezwungen hat. Vergisst man diesen feinen, aber bedeutenden Unterschied, so ist sie aber erst die Nummer drei. Denn vor ihr schafften die S\u00fcdkoreanerin Oh Eun Sun\u00a0 und danach die Spanierin Edurne Pasaban den Rekord, den die bis heute m\u00e4nnerdominierte Bergsteiger-Szene noch vor einigen Jahren keiner Frau zugetraut hatte. Bei den M\u00e4nnern\u00a0 h\u00e4lt Reinhold Messner die Krone der Achttausender. Zwar hat Kaltenbrunner den von den Medien ausgerufenen Konkurrenzkampf\u00a0 stets zur\u00fcckgewiesen: \u201eIch bin froh, dass Oh Eun Sun alle bestiegen hat. Jetzt ist das Thema erledigt\u201c, sagte sie im vergangenen Jahr im \u201eSpiegel\u201c. Dennoch, so ganz spurlos zog\u00a0 der Konkurrenzkampf nicht an ihr vor\u00fcber. Vor allem die erste Frau auf dem Dach aller Achttausender, Oh Eun Sun, sorgte\u00a0 f\u00fcr Schlagzeilen,\u00a0 weil sie Tr\u00e4ger und eine Sauerstoffmaske zu Hilfe nahm.\u00a0 \u201eAuf einen Achttausender mit Hilfe von Sauerstoffflaschen zu steigen, ist in etwa so, wie den Giro d\u2019Italia mit einem Moped statt einem Rennrad in Angriff zu nehmen\u201c, \u00e4tzte daraufhin der S\u00fcdtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander. Auch gab es Zweifel an ihrem Gipfelsieg am dritth\u00f6chsten Berg der Welt, dem Kangchendz\u00f6nga, da ein Foto sie nur unterhalb der Spitze zeigte. Die Zweifel am Rekord der S\u00fcdkoreanerin m\u00f6gen eine Rolle gespielt haben f\u00fcr Kaltenbrunner, sich den K2 doch so bald wieder vorzunehmen, und das trotz eines Schicksalschlages:\u00a0 Erst im vergangenen Jahr hatte sie hautnah erleben m\u00fcssen, wie der schwedische Extremskifahrer und Freund Fredrik Ericsson, mit dem sie unterwegs war,\u00a0 am K2 ums Leben gekommen war.<\/p>\n<p>Der Ehrgeiz der 40-J\u00e4hrigen ist jedenfalls \u00fcber die Bergsteigerszene hinaus bekannt. Kaltenbrunner war erst mit 13 Jahren zum Bergsteigen gekommen, was unter den Koryph\u00e4en\u00a0 der Szene als sehr sp\u00e4t gilt. Aufgewachsen im ober\u00f6sterreichischen Spital am Pyhrn, hatte sie der Gemeindepfarrer nach der sonnt\u00e4glichen Messe mit auf Bergtouren genommen. Bereits mit 23 stand sie auf dem Vorgipfel des Broad Peak in Pakistan. Danach war kein Halten mehr: Die gelernte Krankenschwester steckte ihr Gehalt in die Expeditionen. Seit 2003 kann sie dank Sponsoren vom Bergsteigen leben.<\/p>\n<p>Der Abstieg dauerte am Mittwoch noch an, wie Karl Gabl dem \u201eK\u00f6lner Stadt-Anzeiger\u201c berichtete. Kurz zuvor\u00a0 hatte er mit dem Basislager telefoniert, wo sie heute zur\u00fcckerwartet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00d6sterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner ist die erste Frau der Welt, die alle Achttausender bezwungen hat\u00a0&#8211; ohne Sauerstoffger\u00e4t. (Erschienen im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8222;, 25.08.2011). N\u00e4here Infos zu Kaltenbrunner. Von Martin Benninghoff K\u00f6ln. 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