{"id":772,"date":"2011-09-15T08:50:40","date_gmt":"2011-09-15T06:50:40","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=772"},"modified":"2011-09-15T10:19:32","modified_gmt":"2011-09-15T08:19:32","slug":"24-stunden-frist-gefordert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=772","title":{"rendered":"Cybermobbing: 24-Stunden-Frist gefordert"},"content":{"rendered":"<p><em>[fblike layout_style=&#8217;standard&#8216; show_faces=&#8217;false&#8216; verb=&#8217;like&#8216; font=&#8217;arial&#8216; color_scheme=&#8217;light&#8216;]<\/em><\/p>\n<p><em>Artikel \u00fcber Cybermobbing gegen Jugendliche<\/em><\/p>\n<p>Erschienen im<a href=\"http:\/\/www.ksta.de\"> &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220;<\/a> (15.09.2011)<\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich wollte Chantal ja nur dazugeh\u00f6ren. So wie ihre Freundinnen und Mitsch\u00fcler. Doch kurz nachdem die 17-J\u00e4hrige Leverkusenerin ein Profil beim sozialen Netzwerk Sch\u00fclerVZ eingerichtet hatte, tauchte pl\u00f6tzlich ein zweites mit ihrem Namen auf, ohne ihr Wissen und Zutun. Ihr Foto war dort zu einer h\u00e4sslichen Hitler-Fratze verunstaltet. Zudem musste das M\u00e4dchen Dinge \u00fcber sich lesen, die kein Mensch, schon gar kein Teenager gerne \u00fcber sich liest: \u201eSchlampe\u201c und \u201eHure\u201c waren noch die mildesten Ausdr\u00fccke.<\/p>\n<p>F\u00fcr Chantal war dies der Beginn eines tagelangen Alptraumes aus Verleumdung und Hetze. Die anonymen Autoren ver\u00f6ffentlichten einen unfl\u00e4tigen Kommentar nach dem anderen, Kommentare wurden wiederum kommentiert, ein Schneeballeffekt. Nach einigen Stunden drohte einer der vermeintlichen \u201eStreberin\u201c sogar Pr\u00fcgel an. \u201eIch bin nicht mehr vor die T\u00fcr gegangen\u201c, erz\u00e4hlt Chantal. L\u00e4ngst war ihr der Auftritt bei Sch\u00fclerVZ \u2013 einem Netzwerk mit rund 5,8 Millionen Mitgliedern, das sich seit 2007 speziell an Sch\u00fcler richtet \u2013 entglitten. L\u00e4ngst war ihr harmloser Ausflug ins Internet zu einer pers\u00f6nlichen Katastrophe f\u00fcr ihren realen Alltag geworden.<\/p>\n<p>Die \u201eZeit\u201c-Journalisten Thomas Fischermann und G\u00f6tz Hamann schreiben in ihrem neuen Buch \u201eZeitbombe Internet\u201c (G\u00fctersloher Verlagshaus\u201c) gegen das falsche Sicherheitsgef\u00fchl vieler Internetnutzer an, von denen Jugendliche allerdings die sch\u00fctzenswertesten sind. Ihrer These nach steuert das Internet auf eine schwere Krise zu, weil es \u00fcberfordert und \u00fcberfrachtet sei: Hacker k\u00f6nnten Stromnetze abschalten, Krankenh\u00e4user lahmlegen oder Unternehmen mit Drohungen erpressen, schreiben die Autoren. Sie pl\u00e4dieren f\u00fcrs \u201eEntnetzen\u201c, also daf\u00fcr, bestimmte Infrastrukturen schlichtweg vom Netz wieder abzukoppeln.<\/p>\n<p>Zudem seien die Nutzer \u00fcberfordert, weil sie in der \u201eimaginierten Privatsph\u00e4re\u201c ihre pers\u00f6nlichen Daten ohne Not ins Netz stellten \u2013 und damit wie Chantal schnell zum Mobbingopfer werden k\u00f6nnen. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse waren 36 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 20 bereits einmal Opfer von Cybermobbing. 60 Prozent der Opfer kennen dabei \u00fcbrigens die T\u00e4ter, die meist aus dem direkten Umfeld stammen: Mitsch\u00fcler oder Nachbarn. Ganze 21 Prozent der Befragten k\u00f6nnen sich vorstellen, selbst einmal zu mobben.<\/p>\n<p>Meist bleiben die Mobbing-F\u00e4lle unentdeckt. Chantals Fall hatte jedoch ein juristisches Nachspiel. Die K\u00f6lner Rechtsanw\u00e4lting Nina Haberkamm forderte die Verantwortlichen von Sch\u00fclerVZ auf, gef\u00e4lschte Profile oder Mobbing-Eintr\u00e4ge \u00fcber Chantal k\u00fcnftig sofort zu l\u00f6schen. Da die Anw\u00e4ltin zudem f\u00fcr \u00f6ffentlichen Druck gesorgte hatte \u2013 die ARD drehte einen TV-Bericht, der in der vergangenen Woche ausgestrahlt wurde \u2013 beugte sich der Betreiber und unterschrieb die Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Chantal kann damit aufatmen. Generell \u00e4ndert sich jedoch nichts an der Anf\u00e4lligkeit sozialer Netzwerke f\u00fcr Mobbingattacken. Denn laut Gesetz sind die Betreiber nur verpflichtet, \u201eunverz\u00fcglich\u201c zu pr\u00fcfen und Rechtsverletzungen zu entfernen, wenn ein Hinweis auf Mobbing auftaucht. Das k\u00f6nnen auch schon mal drei Tage sein. Haberkamm fordert daher eine konkrete Frist im Gesetz: \u201eEs w\u00e4re sinnvoll, einen Zeitraum von 24 Stunden festzulegen, in dem der Betreiber reagieren muss\u201c.<\/p>\n<p>Im TV-Beitrag ist von 50\u2005000 Beitr\u00e4gen die Rede, die bei Sch\u00fclerVZ j\u00e4hrlich einlaufen. \u00dcber 70 Mitarbeiter sorgen tags\u00fcber f\u00fcr deren Bearbeitung. \u201eDoch nachts, wenn das Internet hei\u00dft l\u00e4uft, ist sowieso niemand da\u201c, kommentieren die Autoren des TV-Beitrags. Eine Sprecherin der VZ-Netzwerke, zu denen auch die Portale meinVZ und StudiVZ geh\u00f6ren, bezeichnet \u201edie Anzahl unserer gut ausgebildeten Mitarbeiter als angemessen\u201c. \u201eAngemessen\u201c und \u201eunverz\u00fcglich\u201c \u2013 ob diese weichen Begriffe f\u00fcr den Schutz von Minderj\u00e4hrigen ausreichen, bezweifelt nicht nur Nina Haberkamm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[fblike layout_style=&#8217;standard&#8216; show_faces=&#8217;false&#8216; verb=&#8217;like&#8216; font=&#8217;arial&#8216; color_scheme=&#8217;light&#8216;] Artikel \u00fcber Cybermobbing gegen Jugendliche Erschienen im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220; (15.09.2011) Von Martin Benninghoff Eigentlich wollte Chantal ja nur dazugeh\u00f6ren. So wie ihre Freundinnen und Mitsch\u00fcler. 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