{"id":784,"date":"2011-10-31T18:52:43","date_gmt":"2011-10-31T16:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=784"},"modified":"2011-10-31T18:53:54","modified_gmt":"2011-10-31T16:53:54","slug":"nichts-mehr-dem-zufall-uberlassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=784","title":{"rendered":"Nichts mehr dem Zufall \u00fcberlassen"},"content":{"rendered":"<p>[fblike layout_style=&#8217;standard&#8216; show_faces=&#8217;false&#8216; verb=&#8217;like&#8216; font=&#8217;arial&#8216; color_scheme=&#8217;light&#8216;]<\/p>\n<p>Der t\u00fcrkischst\u00e4mmige Unternehmer Y\u00fcksel Sirmasac entwickelt Software f\u00fcr intelligente Energiesteuerung<\/p>\n<p><em>Von Martin Benninghoff<\/em><\/p>\n<p>Juni 2010. Y\u00fcksel Sirmasac sitzt in einem angemieteten B\u00fcro in K\u00f6ln. Auf dem Tisch liegen sein Laptop und das Smartphone, in der Ecke des ansonsten kargen Raumes steht ein noch unbeschriebenes Flipchart. Die Wochen zuvor waren nervenaufreibend und anstrengend. Sirmasac musste einen Business-Angel \u00fcberzeugen, Startkapital zur Verf\u00fcgung zu stellen. Immer wieder gab es etwas am Business-Plan zu feilen, bis aus der Gr\u00fcndungsidee, einer Kopfgeburt, ein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftskonzept entstanden war. \u201eKaum zu glauben, dass diese Phase erst knapp anderthalb Jahre her ist\u201c, sagt Sirmasac. \u201eMir kommt das wie eine Ewigkeit vor.<\/p>\n<p>Im Oktober 2011 hat die Kopfgeburt erstaunliche Gestalt angenommen. Neue R\u00e4ume sind bezogen, aus dem Ein-Mann-Betrieb ist ein Start-Up-Unternehmen mit 20 Mitarbeitern geworden. Rockethome GmbH \u2013 so der Name der Firma des 39-J\u00e4hrigen. Das Technologieunternehmen entwickelt heute Software, die es Menschen erm\u00f6glichen soll, Energieverbr\u00e4uche in ihren Haushalten \u201eintelligent zu steuern\u201c, sagt Sirmasac. \u201eSmart Home\u201c ist das Schlagwort in der Branche. Dabei ermittelt die Software den aktuellen Verbrauch von Strom, Wasser und Gas, so dass sich in der Folge Haushaltsger\u00e4te und R\u00e4ume energieeffizient steuern lassen. Die Endkunden k\u00f6nnen mittels der einfach und alltagstauglich aufbereiteten Software erkennen, wo sie Energie sparen k\u00f6nnen. Dadurch sollen sie einen gewissen sportlichen Ehrgeiz zum Geldsparen und Umweltschonen entwickeln.<\/p>\n<p>Eine Nische im derzeit aufkommenden Markt der intelligenten Energiesteuerung. \u201eIch habe an dieser Idee ein paar Monate gefeilt\u201c, sagt Sirmasac, der zuvor in teils leitender Funktion bei einigen Medienunternehmen t\u00e4tig war, unter anderem bei RTL in K\u00f6ln. \u201eSchon als BWL-Student habe ich mein Studium mit IT-Consulting verdient\u201c, erz\u00e4hlt der Vater zweier kleiner T\u00f6chter. W\u00e4hrend seiner ersten zehn Berufsjahre habe er eine Menge Kontakte kn\u00fcpfen k\u00f6nnen, die ihm nun zugute k\u00e4men. Sein Start-Up steckt derzeit in der zweiten Finanzierungsphase mit mittlerweile 15 Kunden, vor allem mittlere und gro\u00dfe Energieversorger. Die erste Umsatzmillion peilt er f\u00fcr das kommende Jahr an.<\/p>\n<p>Das karge B\u00fcro war einmal: Jetzt kleben Flipchartbl\u00e4tter mit allerlei Pfeildiagrammen an der Wand. Sirmasac mag Checklisten und einfache Visualisierungen komplexer Zusammenh\u00e4nge. Nichts will er dem Zufall \u00fcberlassen. Wenigstens dieses Mal nicht. Denn sein Berufserfolg wurzelt im gl\u00fccklichen Zufall: Als Dreij\u00e4hriger kommt der kleine t\u00fcrkische Junge nach Deutschland. Zwar besucht er ein Jahr sp\u00e4ter einen Kindergarten, in dem Deutsch gesprochen wird, eingeschult wird er jedoch in einer t\u00fcrkischen Grundschule. Das war in den 70er-Jahren durchaus \u00fcblich, weil die Politik davon ausging, dass die \u201eGastarbeiter\u201c und ihre Familien nach getaner Arbeit das Land wieder verlassen w\u00fcrden. Unterrichtssprache war T\u00fcrkisch, und zum Beginn einer jeden Woche hatten die Kinder die Hymne, die t\u00fcrkische wohlgemerkt, zu singen. Gerade einmal zwei Deutschstunden w\u00f6chentlich waren vorgesehen. Zu wenig, um mit den Muttersprachlern mithalten zu k\u00f6nnen. Am Ende der Grundschulzeit landeten viele Kinder auf der Hauptschule.<\/p>\n<p>Als die Segregation im Schulsystem aufgegeben wird, kommt Sirmasac gerade in die dritte Klasse. Ein gl\u00fccklicher Zufall, denn nun wechselt er auf eine deutschsprachige Grundschule. Sein Problem: Noch immer kann er dem Unterricht kaum folgen, weil sein deutscher Wortschatz nicht ausreicht. Er muss die dritte Klasse wiederholen. Im Nachhinein betrachtet ger\u00e4t die Niederlage jedoch erneut zum gl\u00fccklichen Zufall, denn jetzt lernt er Frau Wittung kennen, seine neue Lehrerin. Sie erkennt das Potenzial des kleinen alevitischen Jungen und sorgt f\u00fcr eine Gesamtschulempfehlung.<\/p>\n<p>Zwar stolpert der Junge zu dieser Zeit noch immer durch die deutsche Sprache. Daf\u00fcr bekommt er endlich die Chance, seine naturwissenschaftlichen Talente auszuleben, mit ersten Erfolgserlebnissen, die seinem Selbstwertgef\u00fchl gut tun. \u201eIch bin der klassische Fall f\u00fcr die Gesamtschule gewesen: schlechte Startbedingungen und unentdecktes Potenzial\u201c, sagt er heute. Sein Abitur besteht er mit der Note 1,7. Seitdem \u00fcberl\u00e4sst Sirmasac nichts mehr dem Zufall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[fblike layout_style=&#8217;standard&#8216; show_faces=&#8217;false&#8216; verb=&#8217;like&#8216; font=&#8217;arial&#8216; color_scheme=&#8217;light&#8216;] Der t\u00fcrkischst\u00e4mmige Unternehmer Y\u00fcksel Sirmasac entwickelt Software f\u00fcr intelligente Energiesteuerung Von Martin Benninghoff Juni 2010. 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