{"id":915,"date":"2012-04-23T19:26:06","date_gmt":"2012-04-23T17:26:06","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=915"},"modified":"2012-04-23T19:26:06","modified_gmt":"2012-04-23T17:26:06","slug":"ein-teil-deutschlands","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/martin-benninghoff.de\/?p=915","title":{"rendered":"Ein Teil Deutschlands"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/themenderwoche\/1736195\/\">Kommentar von Martin Benninghoff im &#8222;Deutschlandradio&#8220; (21.04.2012)<\/a><\/p>\n<p><strong>Volker Kauder, der Fraktionschef der Union im Bundestag, hat der Deutschen Islamkonferenz ungewollt einen gro\u00dfen Dienst erwiesen. Mit seiner \u00c4u\u00dferung im Vorfeld, der Islam geh\u00f6re weder zur Identit\u00e4t noch Tradition der Deutschen, hat er den Teilnehmern der Konferenz die M\u00f6glichkeit gegeben, zu g\u00e4hnen und gelangweilt abzuwinken.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>Auch der beim Thema Islam ohnehin lustlos wirkende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte offenbar keine Lust mehr, sich zu dieser Provokation seines Fraktionsfreundes zu \u00e4u\u00dfern. Selbst er ist in dieser Frage schon weiter, weil er wei\u00df, dass der Islam ein Thema f\u00fcr den Innenminister ist &#8211; und nicht f\u00fcr den Au\u00dfenminister. Der Islam ein Teil Deutschlands? Nat\u00fcrlich! Kauders Versuch, einen Kulturkampf zu initiieren, ist damit gr\u00fcndlich gescheitert. Denn in den vergangenen Jahren hat sich etwas bewegt in der deutschen Integrations- und Islamdebatte: Die vielen verschiedenen islamischen Richtungen und die ebenso verschiedenen Muslime sind weiter in der Gesellschaft aufgegangen. Es gibt mehr bikulturelle Ehen, mehr Freundschaften und Familienzusammenf\u00fchrungen, mehr Ber\u00fchrungspunkte. Erst recht unter j\u00fcngeren Menschen.<\/p>\n<p>Nach wie vor ist nicht alles rosig, aber zum Kulturkampf &#8222;Wir gegen den Islam oder: der Islam gegen uns&#8220; &#8211; den Kauder gerne aus der Mottenkiste holen w\u00fcrde &#8211; taugt der Islam zum Gl\u00fcck schon l\u00e4ngst nicht mehr. Das allm\u00e4hliche Ende dieser gro\u00dfen Polarisierung k\u00f6nnte jedoch auch das Ende der Islamkonferenz sein. Denn eigentlich ist schon alles auf dieser gro\u00dfen B\u00fchne gesagt, die Wolfgang Sch\u00e4uble einst symboltr\u00e4chtig aus der Taufe hob und die durchaus einiges bewirkt hat. Aber jetzt sind alle Fotos geschossen, die H\u00e4nde der Staats- und Verbandsvertreter zig Mal gesch\u00fcttelt. Oder braucht noch wer allgemeine Statements zur \u00c4chtung von h\u00e4uslicher Gewalt oder Zwangsheiraten, wie dieses Mal? Gibt es auf der gro\u00dfen B\u00fchne nicht l\u00e4ngst einen Konsens in diesen Fragen?<\/p>\n<p>L\u00e4ngst sind wir ein St\u00fcck weiter, es gibt jetzt einige Detailfragen zu beantworten: Zum Beispiel das aktuelle Problem der radikalislamischen Salafisten, die sich immer \u00f6fter aus der Deckung wagen &#8211; zuletzt mit ihrer Koran-Verteilaktion in deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Das Problem dabei ist ja nicht der Koran, sondern die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte \u00dcbersetzung und die Ideologie der Islamisten im Hintergrund. Die zielt vor allem auf junge M\u00e4nner, die nach Orientierung und festen Regeln lechzen, und hat im Grunde so viel mit einem reflektierten Religionsverst\u00e4ndnis zu tun wie das Mittelalter mit der Emanzipation der Frau. Hiergegen sollten die muslimischen Verb\u00e4nde mit staatlicher Unterst\u00fctzung vorgehen. F\u00fcr Pr\u00e4ventionsprogramme aber fehlt ihnen meist das Geld und das Wissen &#8211; viele Mitarbeiter sind Ehrenamtliche, Konzepte f\u00fcr Sozialarbeit fehlen. Die Kommunen m\u00fcssten hier finanzielle Hilfe leisten. Jedenfalls reicht es nicht aus, dem Problem der Salafisten mit Mitteln der \u00dcberwachung und Kontrolle zu begegnen. Der Kampf um die K\u00f6pfe muss viel fr\u00fcher ansetzen.<\/p>\n<p>Ein solches konkretes Vorgehen aber ist Sache der Menschen vor Ort &#8211; in den St\u00e4dten, D\u00f6rfern und Kreisen. Die gro\u00dfe B\u00fchne der Islamkonferenz ist dazu kaum geeignet, noch dazu wenn einzelne Politiker im Vorfeld f\u00fcr schlechte Stimmung sorgen. Nicht nur Kauder geh\u00f6rte dazu, nein, einzelne Landesminister forderten die muslimischen Verb\u00e4nde auf, sich von den Salafisten zu distanzieren &#8211; was die Verb\u00e4nde sofort br\u00fcsk ablehnten. Politische Reflexe, die man zur Gen\u00fcge kennt: Hier diejenigen, die Bedingungen stellen, und dort diejenigen, die sich in die Ecke gestellt f\u00fchlen und deshalb abblocken.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re besser, wenn man sich \u00fcber konkrete Ma\u00dfnahmen unterh\u00e4lt oder bereits angeschobene Initiativen etwas beschleunigt. Der islamische Religionsunterricht an Schulen zum Beispiel, der bald als Erstes in Nordrhein-Westfalen starten soll, ist noch schlecht vorbereitet. Weder gibt es staatlich ausgebildete Lehrer noch einen gepr\u00fcften Lehrplan. Bis dahin, so der Plan der Landesregierung in D\u00fcsseldorf, springen andere Lehrer ein. Ob die aber fachlich und didaktisch geeignet sind, einen vern\u00fcnftigen Religionsunterricht zu erteilen, ist fraglich. Auch die Frage, wann die muslimischen Verb\u00e4nde bei der Auswahl der Lehrer mitzureden haben, ist noch nicht vollends gekl\u00e4rt. Das m\u00fcsste man aber nun tun, um dem primitiven Buchstabenglauben der Salafisten wirksam etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Eigentlich soll sich die Islamkonferenz in dieser Phase mit den praktischen Fragen der Integration besch\u00e4ftigen. Tut sie das st\u00e4rker als bisher, so kann sie k\u00fcnftig noch einen Sinn haben. Beschr\u00e4nkt sie sich aber weiterhin auf gro\u00dfe Erkl\u00e4rungen statt konkrete Ergebnisse zu bringen &#8211; dann ist sie \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentar von Martin Benninghoff im &#8222;Deutschlandradio&#8220; (21.04.2012) Volker Kauder, der Fraktionschef der Union im Bundestag, hat der Deutschen Islamkonferenz ungewollt einen gro\u00dfen Dienst erwiesen. 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