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Lafos Pa(a)rteitag

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Erschienen im „Kölner Stadtanzeiger“ (14.11.2011)

Von Martin Benninghoff

Erst sieht es so aus, als sei der Unterhaltungswert dieses saarländischen Landesparteitages der Linken, nun ja, verbesserungswürdig. Reden, Abstimmungen, belegte Brötchen im Vorraum der Turnhalle in Saarbrücken-Brebach. Um kurz nach elf Uhr am Samstag geht dann Oskar Lafontaine ans Rednerpult und spult seine schon tausendfach gehörte Rede ab: Banken seien an allem schuld, außerdem müssten Mitarbeiter am Eigentum ihrer Betriebe beteiligt werden.

Plötzlich, eine knappe dreiviertel Stunde später, weicht die Schärfe aus Lafontaines Stimme: „Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin mit Sahra eng befreundet. Das war’s dann auch. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ Kurze Stille, freundlicher Applaus im Saal. Den Delegierten wird jetzt, sofern sie es nicht geahnt haben, klar, warum Sahra Wagenknecht beim eher unbedeutenden Landesparteitag der Linken in der ersten Reihe sitzt. Klar wird auch: Sie hat sich wohl doch nicht verfahren auf dem Weg nach Berlin, wo die 42-Jährige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag ist – und seit neuestem auch Vize-Parteivorsitzende. Sie ist da, weil ihr Oskar da ist.

Bereits im November 2009 hatte der „Spiegel“ über eine Affäre der rhetorisch begabten Wagenknecht mit ihrem Mentor, dem 26 Jahre älteren damaligen Parteivorsitzenden spekuliert. Kurze Zeit darauf  zog sich Lafontaine aus der Bundespolitik zurück, weil ihm eine Krebserkrankung zu schaffen machte. Mittlerweile gilt er als genesen, und er tritt bundesweit wieder häufiger in Erscheinung.  Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sagt über ihn: „Er ist wieder gesund, er ist quicklebendig. Sicher ist er im Saarland etwas unterfordert.“

Ebenjener Gysi, dessen Freundschaft zu Lafontaine unerschütterlich scheint, lag mit Wagenknecht jedoch jahrelang über Kreuz. Die Wortführerin der Kommunistischen Plattform war ihm zu radikal  und zu links. 

Lafontaine und Wagenknecht haben sich in den letzten Jahren nicht nur privat aufeinanderzubewegt, sondern auch politisch: Lafontaine rückte nach links, Wagenknecht wiederum ließ so manche kommunistische Utopie zugunsten eines sozialistischen oder sogar sozialdemokratischen Vorschlages sausen. Beide eint der Wille, stärker in der Bundespolitik mitzumischen. Beide sind sich bewusst, dass das Getuschel um ihre Beziehung dafür ein Ende haben muss. Darum gehen sie jetzt in die Offensive.

Wären da nur nicht die gehörnten Ehepartner: Lafontaine ist noch mit Christa Müller verheiratet, familienpolitische Sprecherin der Linken im Saarland und vor allem Mutter des gemeinsamen Sohnes Carl Maurice (14).  Müller blieb dem Parteitag in Saarbrücken aus unerfindlichen Gründen übrigens fern…Noch vor kurzem ließ sie dem überraschten Markus Lanz in dessen gleichnamiger ZDF-Talkshow  wissen,  sie wolle eigenständig wahrgenommen  und nicht über ihren Mann identifiziert werden.   Jetzt umso verständlicher.

Wagenknechts Gatte, der Filmproduzent Ralph T. Niemeyer, veröffentlichte nun eine ungewöhnliche Liebeserklärung an seine Noch-Frau Sahra…und Lafontaine: „Unsere Solidarität und Verbundenheit ist nicht gebrochen, denn wir haben    eine andere Form der Liebe gefunden, die einschließt, dass ich mich auch Oskar verbunden fühle.“ Von Eifersucht nichts zu spüren. Freilich kennt auch er eine Grenze des Erträglichen: „Hätte sie mir allerdings gesagt, es handele sich bei ihrem Schwarm um Helmut Kohl, dann hätte ich mich…erschossen.“

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